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In ganz Europa sollen Fußballspiele manipuliert worden sein © getty

Dem internationalen Fußball droht erneut ein riesiger Wett-Skandal. Auch Spiele in Deutschland wurden wohl manipuliert.

München/Bochum - Dem internationalen Fußball steht möglicherweise ein neuer Wettskandal ins Haus.

Entgegen einer ersten Stellungnahme des DFB sind auch Spiele in Deutschland von Manipulationen betroffen.

Wie der "SID" aus sicherer Quelle erfuhr, werden Spiele in mindestens neun Top-Ligen, darunter auch in Deutschland, auf Manipulationen untersucht.

Neben Deutschland sind unter anderem Österreich, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Ungarn, Slowenien, die Schweiz und die Türkei betroffen.

Spiel in Ulm wohl manipuliert

Nach Informationen der "SZ" soll außerdem das Freundschaftsspiel zwischen dem Regionalligisten SSV Ulm 1846 und dem Daum-Klub Fenerbahce Istanbul am 14. Juli 2009 manipuliert worden sein.

Fenerbahce gewann die Begegnung 5:0. "Bislang unbekannte Spieler des SSV Ulm sollen für ihre Bereitschaft zu verlieren", einen niedrigen fünfstelligen Betrag erhalten haben.

Das gehe aus den Unterlagen der Staatsanwaltschaft Bochum hervor.

In besagter Partie vergaben die Baden-Württemberger in der Anfangsphase zwei Großchancen.

Zur Pause führten die Türken dann mit 1:0, ehe sie in der zweiten Hälfte gleich dreimal den Ulmer Torhüter per Lupfer aus der Distanz überwanden.

Bestechungsversuch in Goslar

Auch beim Regionalligisten Goslarer SC hat es einen Bestechungsversuch gegeben. Wie die "Goslarsche Zeitung" meldete, bot ein Unbekannter Torhüter Lars Möhlenbrock 1500 Euro an, wenn er dazu beitrage, dass der Goslarer SC das Spiel am Samstag gegen den SV Wilhelmshaven verliert.

Möhlenbrock bestätigte die Vorgänge gegenüber dem DSF. Im "Erfolgsfall" hätte der Keeper weitere 750 Euro nach dem Spiel erhalten.

Er habe den Verein informiert, dieser habe sofort die Polizei und den Deutschen Fußball-Bund eingeschaltet. Die Ermittlungen laufen.

Agierten Drahtzieher von Deutschland aus?

Harald Stenger, Mediendirekor des DFB, sagte zu den aktuellen Meldungen: "Die UEFA- und DFB-Frühwarnsysteme für die Überwachung des Wettmarktes haben keinerlei Erkenntnisse über Spielmanipulationen in Deutschland geliefert."

Und weiter: "Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum können wir keinen Kommentar abgeben, da uns die Ermittlungsergebnisse bisher nicht bekannt sind."

Nach Informationen der Berliner Morgenpost sollen Erstligaspiele in der Türkei in großem Stil manipuliert worden sein.

Die Drahtzieher agierten angeblich von Deutschland aus, der Kopf der Bande soll aus Berlin stammen. Sie waren bereits im Wettskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer Ende 2004 in Erscheinung getreten.

Laut "Bild"-Informationen handelt es sich dabei um die Brüder Ante und Milan S.

Ermittlungen gegen 100 Verdächtige

Nach Informationen der "Morgenpost" sind am Donnerstagmorgen fünf Haftbefehle vollstreckt worden.

In dem Verfahren würde insgesamt gegen 100 Tatverdächtige ermittelt, berichtete die Zeitung und berief sich auf Sicherheitskreise in der Hauptstadt.

Angeblich sind in Deutschland Wetten mit zum Teil sehr hohen Beträgen auf die manipulierten Spiele in der Türkei abgeschlossen worden.

Die Staatsanwaltschaft Bochum will sich am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz (ab 14.00 Uhr) detailliert äußern. Auch ein Vertreter der Europäischen Fußball-Union (UEFA), die an den Ermittlungen beteiligt war, soll anwesend sein.

Hoyzer hatte 2005 gestanden

Im Jahr 2005 hatte der damalige Bundesliga-Schiedsrichter Hoyzer gestanden, 67.000 Euro für die Manipulation von Spielen erhalten zu haben.

Am 17. November 2005 wurde er wegen des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt. Diese trat er am 18. Mai 2007 an.

In einem außergerichtlichen Vergleich hatte der Ex-Schiedsrichter gegenüber dem DFB einen Schadenersatz in Höhe von 750.000 Euro anerkannt. Allerdings muss der frühere Referee nur 126.000 Euro in Raten über einen Zeitraum von 15 Jahren an den DFB zahlen.

40 Spiele unter Manipulationsverdacht

Die UEFA hatte ihrerseits erst unlängst bekannt gegeben, das 40 Spiele auf mögliche Manipulationen untersucht werden.

Dabei handelt es sich auch um Begegnungen der Champions League sowie des UEFA-Cups. Gegenstand der Untersuchung sind Qualifikationsspiele für die europäischen Wettbewerbe.

Im April dieses Jahres war der mazedonische Verein Pobeda Prilep für acht Jahre aus den UEFA-Wettbewerben ausgeschlossen worden. Der Verband befand den Klub der Manipulation in der Partie gegen den FC Pjunik Erewan aus Armenien für schuldig.

Pobeda hatte in der ersten Qualifikationsrunde zur Champions League 1:3 im eigenen Stadion verloren. FK-Präsident Aleksandar Zabrcanec und der Spieler Nikolce Zdraveski wurden lebenslang gesperrt.

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