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DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger ist seit 2004 im Amt © getty

Wieder soll ein Schiedsrichter mit Schmiergeld bestochen worden sein. DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger droht mit harten Strafen.

München - In den größten Wettskandal der europäischen Fußballgeschichte ist nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" erneut auch ein Schiedsrichter des DFB verwickelt.

Der Referee soll bei einem Spiel der Regionalliga Süd im Mai Schmiergeld von den mutmaßlichen Wettbetrügern kassiert haben.

Außerdem soll laut Spiegel der ehemalige Bundesligist und jetzige Süd-Regionalligist SSV Ulm stärker als bislang bekannt in den Wettskandal verstrickt sein.

So sollen vier Regionalligaspiele des SSV aus der Endphase der vergangenen Saison unter Manipulationsverdacht stehen.

Immer mehr Details

Deutschland steht seit Freitag im Zentrum des größten Wettskandals in der Geschichte des europäischen Fußballs.

Die Bestechungsaffäre weitet sich bereits einen Tag nach den brisanten Veröffentlichungen der Staatsanwaltschaft Bochum immer mehr aus.

Laut "Spiegel online" soll ein Unparteiischer des DFB in die Manipulationen verwickelt sein. Der Name des unter Tatverdacht stehenden Schiedsrichters ist aber noch nicht bekannt.

Zwanziger droht mit Sanktionen

Auch der DFB hat offenbar noch keine Informationen erhalten, um wen es sich handelt.

"Sollten sich die Informationen als wahr herausstellen, dann haben die Leute bei uns nichts mehr zu suchen. Wir werden sie dann auch bestrafen. Da Schiedsrichter zur Objektivität verpflichtet sind, wäre eine Beteiligung besonders verwerflich", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Der Verbands-Chef appellierte in der "ARD-Sportschau" an die ermittelnden Behörden in Bochum, "so schnell wie möglich Ross und Reiter zu nennen. Denn das ist auch wichtig für die, die nicht betroffen sind". Man müsse verhindern, dass Unschuldige verdächtigt werden.

Wegen der laufenden Ermittlungen hat die Bochumer Staatsanwaltschaft bislang keine Namen von beteiligten Spielern oder Schiedsrichtern bekannt gegeben.

32 Spiele betroffen

Bislang stehen alleine im Jahr 2009 in Deutschland 32 Spiele von der 2. Bundesliga abwärts unter Manipulationsverdacht. Nach Angaben der leitenden Staatsanwaltschaft Bochum ist das aber erst die "Spitze des Eisbergs".

Dass nicht der DFB, sondern die UEFA von der Staatsanwaltschaft Bochum bei den Ermittlungen ins Vertrauen gezogen wurde, sei nicht überraschend gekommen.

Zwanziger: "Die Dimension des Wettskandals ist vor allem international zu sehen. Es sind einige europäische Spitzenligen und Spiele in der Champions League sowie der Europa League betroffen."

"Der Fußball ist keine heile Welt"

Er gehe davon aus, dass der DFB in einem angemessenen Zeitraum informiert wird, um die deutschen Fälle zu bewerten.

"Sobald wir Beweise haben, wird das DFB-Sportgericht schon vor den rechtmäßigen Urteilen Maßnahmen treffen", kündigte Zwanziger ein rigores Vorgehen gegen die Sportbetrüger an:

"Der Fußball ist keine heile Welt. Wir haben es mit Kriminellen zu tun, die gibt es überall, nicht nur im Sport. Das ist auch kein Kavaliersdelikt. Das ist Schmarotzertum an der Gesellschaft."

Ulm und Osnabrück im Visier der Ermittler

Europaweit stehen in insgesamt neun Ländern 200 Spiele unter Manipulationsverdacht. In Deutschland sind in den vergangenen beiden Tagen der SSV Ulm und der VfL Osnabrück in die Schlagzeilen geraten.

Groß ist die Aufregung in Osnabrück. Die beiden Auswärtsspiele der Niedersachsen beim FC Augsburg (0:3) am 17. April 2009 und beim 1. FC Nürnberg (0:2) am 13. Mai sollen manipuliert worden sein.

"Wenn da etwas dran ist, dann bezieht sich das alles auf die letzte Saison! Wenn tatsächlich Spiele zu unseren Ungunsten manipuliert worden sind, werden wir mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Verursacher vorgehen", sagte VfL-Präsident Dirk Rasch.

Reichenberger dementiert Anschuldigungen

Rasch bestätigte allerdings auch, dass der niedersächsische Traditionsklub in der letzten Saison einem Spieler geholfen hat, der Wettschulden hatte.

"Das stimmt", sagte Rasch im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Dieser Spieler stand unter enormen Druck und hat sich uns im März mit seiner Spielsucht geöffnet. Sein Signal war 'Helft mir!', und wir haben geholfen."

Einer der verdächtigen Spieler ist laut Medienberichten der Osnabrücker Profi Thomas Reichenberger. Dieser dementierte am Samstag vor der Drittliga-Partie gegen Borussia Dortmund II eine mögliche Beteiligung an Manipulationen.

"Ich hatte nie Kontakt mit der Wettmafia und habe mit dem Wettskandal nichts zu tun. Ich habe nie ein Spiel manipuliert oder Geld dafür genommen, schlecht zu spielen oder zu verlieren."

EU wird einberufen

Zwanziger rief am Samstag die Europäische Union (EU) zur Hilfe.

"Bestimmte Sportwetten sind gefährlich für den Fußball. Sie werden im Internet über Asien und den Balkan platziert, wo es keine klaren Auflagen gibt. Das macht die Faszination des Fußballs kaputt. Da brauchen wir Hilfe von der EU", sagte Zwanziger.

Die Gefahr für den Fußball wird laut Zwanziger dann besonders groß, wenn Spitzenwettbewerbe wie die Champions League oder die Europa League betroffen sind.

Zumindest sind in Deutschland bislang keine Spiele der 1. Bundesliga betroffen.

Cafe King wieder im Fokus

In sechs europäischen Ländern wurde offenbar auch im Oberhaus manipuliert. Zudem sollen zwölf Partien der Europa League sowie drei Champions-League-Spiele verschoben worden sein.

15 Menschen wurden bislang in Deutschland festgenommen, zwei in der Schweiz. Mehr als zehn Millionen Euro erschwindelten die Gauner mit abgesprochenen Wetten.

Im Zentrum des Skandals steht wie schon im Fall Hoyzer das Cafe King in Berlin. Hoyzer-Drahtzieher Ante S. gehört nach Spiegel-Angaben wie fünf weitere Hauptbeschuldigte zur "Führungsebene" der Wett-Mafia.

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