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Nach dem Fall Hoyzer 2005 ist Deutschland erneut von einem Wettskandal betroffen © getty

DFB-Boss Zwanziger kündigt harte Strafen gegen die am Wettskandal Beteiligten an. Zudem gibt es eine Liste mit angeblich manipulierten Spielen.

München - DFB-Präsident Theo Zwanziger hat harte Strafen gegen die in Deutschland am neuen Wetskandal Beteiligten angekündigt.

"Wir werden diese Leute bestrafen, sie gehören nicht mehr zu uns", sagte der Verbandsboss.

"Wo Geld ist, da ist auch Korruption. Wichtig ist der Umgang damit."

Nach Angaben des "Spiegel" soll auch ein DFB-Schiedsrichter verwickelt sein.

Der Referee soll bei einem Spiel der Regionalliga Süd im Mai Schmiergeld von den mutmaßlichen Wettbetrügern kassiert haben.

Ulm und Osnabrück bestreiten Vorwürfe

Bekannt ist bislang zudem, dass offenbar der SSV Ulm und der VfL Osnabrück verstärkt ins Visier der Ermittler geraten sind. Die Beschuldigten bestreiten allerdings die Vorwürfe.

Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte am Freitag auf einer Pressekonferenz den größten Wett- und Manipulationsskandal in der Geschichte des europäischen Fußballs aufgedeckt.

In Deutschland sollen mindestens 32 Spiele von der 2. Bundesliga bis in den Juniorenbereich manipuliert worden sein.

In sechs europäischen Ländern sind Erstligaspiele betroffen, zudem sollen zwölf Partien der Europa League sowie drei Champions-League-Spiele verschoben worden sein.

Über 200 Spiele unter Manipulationsverdacht

Insgesamt stehen mehr als 200 Spiele in neun Ländern unter Manipulationsverdacht.

Die "Süddeutsche Zeitung" hat eine Liste der verdächtigen Spiele auf ihrer Internetseite veröffentlicht.

Offenbar wurden hauptsächlich Wetten darauf abgeschlossen, dass Spiele mit einer bestimmten Tordifferenz zu Ende gehen.

Die Liste im Überblick:

Deutschland:

2. Bundesliga: Vor allem der VfL Osnabrück soll in den Wettskandal involviert sein. Direkt betroffen seien die Spiele: Nürnberg gegen Osnabrück und Augsburg gegen Osnabrück.

Außerdem stehen in Deutschland drei Spiele in der 3. Liga, 18 Spiele in der Regionalliga, fünf Spiele der Oberliga und zwei Spiele der U 19 unter Manipulations-Verdacht.

Schweiz:

2. Liga: Yverdon gegen Thun am 26. April 2009: Spieler der Gastmannschaft sollen 15000 Euro dafür erhalten haben, dass sie mit vier Toren Unterschied verlieren. Das Spiel endete 5: 1. Wettgewinn der angeblichen Bande: 60.000 Euro.

2. Liga: Gossau gegen Locarno am 24. Mai 2009: Mehrere Kicker sollen 20.000 Euro dafür bekommen haben, dass die Heimmannschaft mit mindestens zwei Toren Unterschied verliert.

Ergebnis: 0:4. Die mutmaßlichen Täter sollen bei fünf Wettanbietern insgesamt 149.400 Euro gesetzt haben.

Außerdem seien auch sechs Vorbereitungsspiele betroffen, darunter die Partien FC Sion - Travnik und Neuchatel - Travnik.

Belgien:

2. Liga: Olympique Charleroi gegen UR Namur, 14. März 2009: Über einen Mittelsmann soll Schmiergeld an die Kicker von Namur geflossen sein, damit Namur mit mindestens drei Toren Unterschied verliert.

Ergebnis: 3:0 für die Heimmannschaft. Bei einem Wetteinsatz von 50.000 Euro sollen 17.500 Euro Gewinn herausgesprungen sein.

2. Liga: Namur gegen Leuven am 21. März 2009: Spieler von Namur sollen erneut bestochen worden sein, damit sie mit zwei Toren Unterschied verlieren.

Ergebnis: 0:2. Die mutmaßlichen Täter sollen bei einem Wetteinsatz von 100.000 Euro einen Gewinn von 39..000 Euro erzielt haben.

Bosnien:

Hier sollen acht Spiele in der 1. Liga manipuliert worden sein.

Kroatien:

1. Liga: NK Zadar gegen Hajduk Split am 26. April 2009: Spieler aus Zadar sollen 30.000 Euro dafür erhalten haben, damit sie ihr Heimspiel hoch verlieren.

Ergebnis: 0:3. Wetteinsatz: 70.000 Euro. Da auf dieses Spiel offenbar in einer Kombination mit anderen Begegungen gewettet wurde, die nicht wie gewünscht endeten, seien die Einsätze verloren gegangen.

Insgesamt seien 14 Spiele der 1. Liga betroffen.

Ungarn:

In Ungarn steht besonders die 1. Liga mit besonderen Blick auf den Klub Ujpest Budapest unter Verdacht.

Türkei:

1. Liga:Ankaraspor gegen Bursapor am 4. April 2009: Spieler sollen dafür geschmiert worden sein, dass Ankaraspor mit zwei Toren Unterschied verliert.

Ergebnis: 0:2. Angeblicher Wettgewinn: 18.500 Euro bei 10.000 Euro Einsatz.

Österreich:

Auch in der Alpen-Republik sollen elf Spiele der ersten und zweiten Liga betroffen sein.

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