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Dr. Theo Zwanziger ist seit September 2006 alleiniger DFB-Präsident © getty

Die Verbände nehmen zum neuen Wettskandal Stellung und wollen eine Arbeitsgruppe einsetzen. Auch das Frühwarnsystem wird überprüft.

Frankfurt/Main - Der DFB und die DFL haben als erste Konsequenz auf den größten Wett- und Manipulationsbetrug in der Geschichte des europäischen Fußballs eine Task Force eingesetzt.

Vier Tage nach Bekanntwerden des Skandals beantragten beide Seiten zudem Akteneinsicht bei der ermittelnden Staatsanwaltschaft Bochum.

Gleichzeitig stellten DFB-Präsident Theo Zwanziger und Christian Seifert, der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, bei einer Pressekonferenz in Frankfurt/Main klar, dass den Verbänden beim Thema Wettbetrug die Hände gebunden seien.

"Ein Sportverband ist absolut überfordert, organisierte Kriminalität mit internationalem Charakter zu bekämpfen. Ohne die Unterstützung der Staatsanwaltschaft sind wir nicht in der Lage, den Sumpf aufzulösen", sagte Zwanziger.

Der DFB-Präsident drohte den Tätern eine "konsequente sportrechtliche" Verurteilung an.

Zwanziger weist Kritik am Frühwarnsystem zurück

Kritik am Frühwarnsystem wies Zwanziger vehement zurück.

"Wir haben ein Warnsystem aufgebaut, das uns in den letzten Jahren geholfen hat. Wir haben in der Vergangenheit doch gezeigt, dass wir die Dinge nicht bagatellisieren", erklärte der DFB-Boss und bekam Unterstützung von Seifert:

"Kein Verband der Welt, kein Frühwarnsystem der Welt kann organisierte Kriminalität, die Spiele manipulieren will, zu 100 Prozent aufdecken."

Das Vorwarnsystem hatte in einigen Fällen sogar funktioniert. "Wir haben in den letzten Monaten einige auffällige Partien gehabt", betonte Carsten Koerl von der zuständigen Firma "Sportradar".

In Deutschland, wo nach Angaben der Bochumer Staatsanwaltschaft unter anderem vier Zweitliga-Spiele unter Manipulationsverdacht stehen, habe es dagegen keine Auffälligkeiten gegeben.

Optimierung des Vorwarnsystems angestrebt

DFB und DFL streben allerdings eine weitere Optimierung des Vorwarnsystems an, das pro Jahr 200.000 Euro verschlingt. Rund 200 Spiele in neun europäischen Staaten, darunter 32 in Deutschland, sollen vom Betrug betroffen sein.

Um die Problematik weiter zu erörtern, werden Sportdirektor Wolfgang Niersbach und Robert Weise vom Kontrollausschuss den DFB am Mittwoch beim Krisengipfel der UEFA in Nyon vertreten.

Beide gehören auch der siebenköpfigen Task Force mit DFB-Chefjustiziar Jörg Englisch an der Spitze an, die neben der Aufarbeitung der aktuellen Fälle mittelfristig auch weitere Präventivmaßnahmen für die Zukunft erstellen soll.

Bereits nach dem Fall Robert Hoyzer hatte der DFB 2005 einige seiner Statuten geändert, um der Manipulation vorzubeugen.

Verhaftungen in Italien

Die UEFA hat nach Angaben ihres Mediendirektors Robert Faulkner zum Treffen Vertreter der neun Verbände eingeladen, die nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bochum vom jüngsten Manipulationsskandal betroffen sind. Dies bestätigte Faulkner auf Anfrage.

Auch der Fußball-Weltverband FIFA hat unter anderem wegen des Wettskandals eine Sondersitzung des Exekutivkomitees für den 2. Dezember in Kapstadt einberufen.

Die Zeit drängt, denn am Montag sorgten Festnahmen in Italien für Aufsehen.

Der Präsident des italienischen Drittligisten Potenza Calcio, Giuseppe Postiglione, sowie acht weitere Funktionäre des Vereins und Mitglieder krimineller Organisationen wurden festgenommen.

Ermittlungen laufen gegen insgesamt 20 Personen. Sie werden beschuldigt, Partien manipuliert und ein illegales Wettsystem aufgebaut zu haben.

Angeblich Spieler installiert

Die Ausmaße des ganzen Skandals sind noch unklar. Die Staatsanwaltschaft Bochum geht nach Informationen der Süddeutschen Zeitung dem Verdacht nach, dass die Wettmafia womöglich zwei von ihr angeheuerte Spieler bei dem bosnischen Verein NK Travik als Gastkicker installiert hat.

Das habe dazu beigetragen, dass Travik zwei von einer Wettbande organisierte und finanzierte Testspiele in der Schweiz gegen den FC Sion (1:4) und gegen Xamax Neuchatel (2:3) absprachegemäß verloren habe.

Die von Deutschland aus operierende Bande habe dabei Wettgewinne in Höhe von 152.400 Euro erzielt.

Regionalliga-Partien verschoben?

Zu den 32 verdächtigen Spielen in Deutschland sollen auch die Regionalliga-Partien Hessen Kassel gegen den SSV Ulm (3:0) und SC Verl gegen den 1. FC Köln II (0:1) gehören.

Die Verler Niederlage wurde dabei durch ein Eigentor besiegelt.

Für die Ulmer Niederlage soll die Wettmafia 141.080 Euro Wettgewinn kassiert haben.

Rauball-Kritik zurückgewiesen

Die Bochumer Staatsanwaltschaft hat indes die Kritik von Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball zurückgewiesen, nicht in die Vorgänge der Justiz eingeweiht worden zu sein.

"Es handelte sich bis zu diesem Zeitpunkt um ein verdeckt geführtes Verfahren. Da ist es selbstverständlich, dass der Kreis der einbezogenen Personen so klein wie möglich bleibt", sagte auf Anfrage der "WAZ" Oberstaatsanwalt Gerrit Gabriel.

Wettanbieter fordern effektivere Schutzmaßnahmen

Strikte Gegenmaßnahmen haben unterdessen auch die Wettanbieter angemahnt.

"Wir fordern schon seit langem deutlich effektivere Schutzmaßnahmen für die gesamte Branche, und das nicht erst seit dem Hoyzer-Skandal 2005. Die Politik muss beispielsweise die erlaubten Einsatz- und Gewinnhöhen viel stärker limitieren und die Abgabe anonymisierter Wetten strikt verbieten", sagte "bwin"-Chef Jörg Wacker im "Welt"-Interview.

Die Möglichkeiten des Internets seien dabei sehr hilfreich, "weil sie Wetteinsätze in Echtzeit kontrollieren und zuordnen können".

Zwanziger warnte zudem davor, Spieler, Offizielle oder Schiedsrichter vorzeitig zu verurteilen, bevor es eine klare Beweislage gebe.

Rüge für Basler

Bereits vor Wochen war Ex-Nationalspieler Mario Basler, Trainer des Regionalligisten Eintracht Trier, für persönliche Fußballwetten vom DFB gerügt worden.

"Wir haben Mario Basler vor zwei Wochen darauf hingewiesen, dass sein Wettverhalten nicht ganz eindeutig statutengemäß ist", berichtete Zwanziger: "Das zeigt, dass wir sehr wohl ein Auge auf alles haben, auch wenn wir das nicht jedesmal publik machen."

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