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Patrick Neumann wechselte zur Saison 2008/09 aus Lippstadt nach Verl © imago

Im europaweiten Wettskandal werden brutale Methoden der Manipulation bekannt. Der von Verl suspendierte Kapitän will auspacken.

München - Im europaweiten Wettskandal schrecken die mutmaßlichen Täter offenbar vor fast nichts zurück.

Rechtsanwalt Burkhard Benecken sagte nach Einsicht in die Ermittlungsunterlagen seines Mandanten Deniz C. der Deutschen Presse-Agentur, dass es nach Erkenntnissen der Ermittler auch Einwirkungen auf Mannschaftsärzte und Köche von Luxushotels gegeben haben soll.

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum seien diese angewiesen worden, "einzelne Spieler im Sinne russischer Methoden zu vergiften, damit diese für einzelne Partien ausfallen."

Die Wettaffäre seit laut Ermittlungsakten ein Fall für die Abteilung "Organisierte Kriminalität", da die Verdächtigen sich nicht wie andere Wett-Betrüger zuvor darauf beschränkt hätten, mit List und Täuschung vorzugehen.

Das entscheidende Kriterium dieses Netzwerks sei die Gewalt. Es seien Geldflüsse von zig Millionen Euro im Spiel, so dass auch Vermögenswerte verschleiert werden sollten.

Sport1.de hat die aktuellen Meldungen zum Wettskandal.

Verls Kapitän will auspacken

Der im Zuge des Wettskandals vom ostwestfälischen Regionalligisten SC Verl suspendierte Kapitän Patrick Neumann will mit einer Aussage bei der Staatsanwaltschaft Bochum "reinen Tisch" machen.

"Er wird gegenüber den Bochumer Ermittlern alles sagen, was er weiß", sagte Neumanns Anwalt Lutz Klose dem "Westfalen-Blatt".

"Es gibt nicht so viel zu gestehen. Mein Mandant ist nach dem gewonnenen Spiel gegen Gladbach II von einer Person außerhalb des Vereins massiv psychisch unter Druck gesetzt worden", so Klose weiter.

Weiterer Spieler unter Verdacht

Neumann war am Dienstag wie Teamkollege Tim Hagedorn vom Klub suspendiert worden.

Neben den beiden freigestellten Spielern soll nach Angaben des zweiten Vorsitzenden Jochen Scholz ein weiterer Spieler verdächtig sein.

Dabei soll es sich um einen gebürtigen Rumänen handeln, der bis zum Juli dieses Jahres beim SC Verl spielte, mittlerweile aber zum bayerischen Bezirksoberligisten BC Aichach gewechselt ist.

Düsseldorfer U-23-Spieler betroffen?

Offenbar ist auch die Regionalliga-Mannschaft des Zweitligisten Fortuna Düsseldorf in den europäischen Wettskandal verwickelt.

Wie der Klub per Pressemitteilung bestätigte, wurden zwei Spieler der U23-Mannschaft am Donnerstag von der Polizei zum Verhör abgeholt.

Es handelt sich nach Vereinsangaben um Ben Abelski und Maximilian Schulze Niehues.

Nach Angaben der "Rheinischen Post" wurden auch die Wohnungen der beiden Akteure durchsucht.

Drei Partien im Visier

Die Ermittlungen drehen sich nach RP-Angaben um insgesamt drei Spiele der zweiten Mannschaft, die allesamt verloren wurden.

Dazu zählen das 0:3 bei Schalke 04 II am 31. Oktober dieses Jahres sowie das 1:3 gegen den 1. FC Kaiserslautern II eine Woche zuvor.

Zudem steht eine Partie aus der Vorsaison im Fokus, als Fortunas Zweite noch in der NRW-Liga spielte. Am 3. Mai hatten die Düsseldorfer beim Bonner SC 1:4 verloren.

Geld aus Bestechungsversuch beschlagnahmt

Bei einer Hausdurchsuchung in Bremen hat die Polizei 1500 Euro konfisziert, die anscheinend als Bestechungsgeld bei einem Regionalligaspiel eingesetzt werden sollten.

Das Bargeld war nach Polizeiangaben in einem Fußballschuh versteckt.

Die Polizeikräfte waren im Zusammenhang mit dem Bestechungsversuch im Vorfeld des Regionalligaspiels Goslarer SC und dem SV Wilhelmshaven (2:2) vergangenen Samstag aktiv geworden.

Eine Verbindung zu dem europaweiten Wettskandal konnte bislang nicht nachgewiesen werden.

Zwanziger: "Kein zweiter Fall Hoyzer"

DFB-Präsident Theo Zwanziger rechnet trotz des größten Wettskandals in der europäischen Fußball-Geschichte und angeblich 32 manipulierter Spiele in Deutschland von der 2. Liga abwärts nicht mit einem zweiten Fall Hoyzer.

Zwanziger zeigte sich am Donnerstag einmal mehr erleichtert darüber, dass bislang nur Regionalligisten ins Zwielicht geraten sind.

"In Deutschland verlagert sich der Skandal in den Regionalligabereich. Wenn die Fälle aufgedeckt werden, gibt es einen Punktabzug - und fertig", sagte Zwanziger im Bundeskanzleramt in Berlin und fügte hinzu.

"Die Qualität des Skandals wäre in Deutschland eine andere, wenn ein Schiedsrichter betroffen wäre. Wir haben derzeit aber keine Erkenntnisse, dass dem so ist."

Bis zu 15 Jahre Haft für Sportbetrug und Doping

Der Europäischen Fußball Union droht aufgrund des ausgedehnten Wettskandals möglicherweise ein Millionenschaden.

Es könnte wegen der vermuteten Verschiebung von Spielen der Champions-League- und der Europa-League-Qualifikation millionenschwere Einbußen durch Schadenersatzforderungen der Sponsoren geben.

Als Reaktion auf den größten Wettskandal in der Geschichte des europäischen Fußballs sollen Sportbetrug und auch Doping künftig als Verbrechen gewertet und mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden.

Bayerns Justizministerin Beate Merk hat nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" bereits einen Entwurf für ein Bundes-Sportschutzgesetz ausgearbeitet.

Demnach sollen Bestechung, Bestechlichkeit, Doping und sonstige betrügerische Manipulationen künftig mit allen Mitteln strafrechtlich verfolgt werden.

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