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Jörg Albertz bestritt für den HSV und Düsseldorf 150 Bundesliga-Spiele © getty

Unerklärliche Pfiffe, mysteriöse Ausfälle: Jörg Albertz und Ernst Middendorp über ihre Erfahrungen im Manipulationssumpf China.

München - Ex-Nationalspieler Jörg Albertz wundert es nicht, dass die Wettmafia im großen Betrugsskandal in ihre Millionen vor allem auf dem korrupten chinesischen Markt erschwindelt hat.

"Es gab schon viele Dinge, die mir spanisch vorgekommen sind", sagte Albertz.

"Im einen Jahr wirst du Meister und bekommst dann noch Verstärkungen, und in der nächsten Saison verlierst du nur noch. Da konnte was nicht stimmen, denn wir haben Tore kassiert, die eigentlich gar nicht möglich waren."

Albertz war im Februar 2003 als erster deutscher Profi zu Shanghai Shenhua in die chinesische Liga gewechselt, zwei Jahre später kehrte Albertz dem Riesenreich frustriert über die vielen Merkwürdigkeiten den Rücken.

"Ein Schiedsrichter pfeift Ecke für den Gegner, obwohl weit und breit von unseren Spielern keiner in der Nähe war - oder auch umgekehrt", erinnert er sich.

Auch Middendorp verwundert

So ähnlich erging es auch Bielefelds Jahrhunderttrainer Ernst Midddendorp, der es bei Yatai Changchun nur drei Monate aushielt.

Zuvor hatte er bei zwei Spielen seines Klubs das Gefühl, dass der Spielausgang sehr seltsam war. "Es war alles sehr merkwürdig, deshalb habe ich für mich persönlich schnell die Konsequenzen gezogen", so Middendorp.

Beim 6:0 gegen Guangzhou verzichtete der gegnerische Trainer auf seine Leistungsträger, weil es für die zu kalt gewesen wäre an jenem Tag.

Beim 0:3 von Middendorps Mannschaft gegen Yuandong hatten sich drei seiner eigenen Leistungsträger kurzfristig krank gemeldet. Die Ersatzleute leisteten sich katastrophale Patzer.

Sport1.de hat die aktuellen Meldungen zum Wettskandal.

Einbruch beim SC Verl

Der im Zentrum des Wettskandals stehende Regionalligist SC Verl kommt nicht zur Ruhe:

In der Nacht zum Donnerstag ist die Geschäftsstelle der Ostwestfalen von unbekannten Tätern verwüstet worden.

"Das ist richtig. Die Unterlagen in meinem Büro sind wild durchwühlt worden", sagte der seit Tagen nur noch als Krisenmanager tätige Vereinsboss Peter Mankartz.

Gestohlen wurde nach Polizeiangaben offenbar nichts.

Ob der Vorfall im Zusammenhang mit den möglicherweise verschobenen Spielen der Verler in der vergangenen Saison und den suspendierten Patrick Neumann und Tim Hagedorn steht, weiß Mankartz nicht: "Das glaube ich nicht, ausschließen kann ich es aber auch nicht."

Fortuna Düsseldorf glaubt verdächtigen Spielern

Fortuna Düsseldorfs Präsident Peter Frymuth ist überzeugt, dass die unter Betrugsverdacht geratenen U-23-Spieler Maximilian Schulze-Niehues und Ben Abelski nichts mit dem Wettskandal zu tun haben.

"Wir haben die Angelegenheit zügig aufgearbeitet", sagte Frymuth: "Von unserer Seite gibt es keinen Grund, an der Unschuld unserer Spieler zu zweifeln."

Man habe mit den Spielern "die Sachlage erörtert und dann auch gleich die Öffentlichkeit informiert. Selbstverständlich werden wir eng mit der Staatsanwaltschaft kooperieren."

Ehrenerklärungen unterschrieben

Fortuna-II-Kapitän Abelski und Schulze-Niehues waren am Donnerstagfrüh um 7.30 Uhr von Kriminalbeamten ins Polizeipräsidium Düsseldorf gebracht und dort vernommen worden.

Nach Angaben der "Bild"-Zeitung soll die Polizei durch Telefonüberwachungen eines Freundes von Abelski auf drei verdächtige Spiele mit Düsseldorfer Beteiligung gestoßen sein.

"Ich weiß nicht, was die von mir wollten. Ich habe mir trotzdem einen Anwalt genommen", sagte Abelski.

Nach einem Gespräch mit Manager Wolf Werner, Vize Werner Sesterhenn und Nachwuchs-Chef Markus Hirte gaben Abelski und Schulze-Niehues noch am späten Donnerstagabend eine schriftliche Ehrenerklärung ab und beteuerten ihre Unschuld.

Verbindungsmann enthüllt Details

Ein angeblicher Verbindungsmann des mutmaßlichen Wettskandal-Drahtziehers Ante S., hat erstmals detailliert über die Vernetzung der Wettmafia zwischen Deutschland, Österreich und China berichtet.

In der "Kleinen Zeitung" enthüllt ein gewisser "Zoran" aus Hamburg, der sich im Wettreich von Ante S. im vergangenene Jahr hochgearbeitet haben soll, dass offenbar im österreichischen Graz die Drähte der illegalen Buchmacher aus Asien zusammenliefen.

"In Graz wurden die Wetten platziert. Hier saß der Mann mit den Kontakten zu den asiatischen Buchmachern", sagte der Serbe.

Zoran erklärte zudem, wie kriminell der Umgang der Wettmafia mit Profis war, die zur Manipulation von Spielen angeheuert werden sollten.

Gesucht wurden überwiegend Legionäre aus dem Balkan-Raum: "Über die haben wir alle Informationen eingeholt: Welche Freunde hat er, welchen Umgang, welche Hobbys, ist er verschuldet? Dann sind sie angesprochen worden, Geld wurde geboten."

Falls einer ablehnte, gab es andere Druckmittel: `Bei Serben baten wir in Belgrad um Hilfe - nach einem Anruf haben sie auch mitgemacht."

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