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Viel gemeinsam erlebt beim FC Bayern: (v.l.) Uli Hoeneß, Oliver Kahn und Sepp Maier © imago

Im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews spricht Sepp Maier über Hoeneß' Nachfolger - und wie er ihn zum Rücktritt drängte.

Von Christian Paschwitz

Sport1.de: Herr Maier, hatten Sie eigentlich mal den Gedanken, dass der Uli vielleicht doch nicht zum Manager taugt? Er war ja sehr jung damals als neuer Manager.

Maier: Nein, der Uli war geboren für diesen Posten, schon als Spieler dachten wir das. Er hatte sich damals mit 28 Jahren schon mit den ganzen Industriellen verbunden und sich in diesem Metier ausgekannt. In dieser Geschäftswelt war er immer zu Hause, auch als Spieler schon.

Wir haben damals schon unter uns Vereinskameraden gesagt: Du wirst mal Manager. Er hat nämlich damals schon die Eigenschaft gehabt, alles zu regeln. 81256(DIASHOW: Uli Hoeneß - seine besten Sprüche)

Sport1.de: Gab es auch mal böses Blut?

Maier: Nein, ich hab mich mit dem Uli immer gut verstanden.

Sport1.de: Ach, jetzt hören Sie aber auf. Auch als Pal Cernai Sie nicht mehr als Nummer eins wollte und Uli Hoeneß Ihnen geraten hat, die Karriere zu beenden?

Maier: Doch, der Uli hat mich immer gut beraten. Wenn ich erst 25 gewesen wäre, dann wäre das vielleicht anders gewesen. Aber ich war damals ja auch schon 35, in diesem Alter muss man alles abwägen. Ich habe damals gutes Geld von der Versicherung bekommen. Wenn ich noch fünf Jahre gespielt hätte, hätte ich das wahrscheinlich nicht verdient. Wenn man realistisch bleibt, muss man sagen, dass der Uli recht gehabt hat. Von daher muss ich sagen, habe ich damals den richtigen Schritt dank Uli Hoeneß gemacht.

Sport1.de: Nun folgt Christian Nerlinger - auch ein Junger und wie Hoeneß damals völlig unerfahren?

Maier: Die Situationen heute und damals sind natürlich nicht vergleichbar. Als Uli damals den FC Bayern übernommen hat, machte der Verein 20 Millionen Mark Umsatz, heute haben sie 320 Millionen Euro. Das ist ja ein unwahrscheinlicher Quantensprung. Jetzt in dieses Amt rein zu kommen, ist sehr, sehr schwer für Christian Nerlinger.

Sport1.de: Sind die Fußstapfen, die Hoeneß hinterlässt, womöglich zu groß?

Maier: Sie sind sicher sehr groß. Ein bisschen ist es dasselbe wie mit Oliver Kahn. Der hat auch eine große Lücke im Team hinterlassen.

Sport1.de: Haben Sie Sorgen deshalb?

Maier: Nein, der Olli war gleich ganz weg, Uli ist ja noch dabei. Ich würde auch vorschlagen, wenn der Vertrag mit Allianz ausläuft, die Allianz-Arena in "Hoeneß-Arena" zu taufen.

Sport1.de: Wo er nun bald nicht mehr Manager ist: Könnte Uli Hoeneß trotzdem langweilig werden.

Maier: Das glaube ich nicht. Der Uli hat ja nicht nur den FC Bayern, sondern auch seine Wurst-Fabrik.

Sport1.de: Und was ist mit Golfen?

Maier: Vielleicht wird das jetzt besser. Denn wenn man jetzt mit ihm spielt, telefonierte er ständig. Das geht beim Golf eigentlich nicht, aber er konnte sich nie richtig aufs Golfen konzentrieren.

Sport1.de: Verraten Sie uns zum Abschluss noch Ihr schönstes privates Erlebnis, ihre netteste Anekdote mit Uli Hoeneß?

Maier: Ach, da gibt es so viele, Gaudi war ja bei uns Tagesgeschäft, wir haben immer viel Spaß gehabt zusammen. Wenn ich ihn das nächste Mal treffe, dann sage ich auch nicht mehr Manager zu ihm. Ich nenne ihn nur noch Presidente, das wird sein neuer Spitzname.

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