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Patrick Neumann wurde am 24.11.09 vom SC Verl suspendiert © getty

Patrick Neumann gibt zu Geld erhalten zu haben. Laut seinem Anwalt wurde er von Kriminellen massiv unter Druck gesetzt.

München - Im Wettskandal hat der erste Fußballer nach Angaben seines Anwalts die Annahme von Geld gestanden.

Patrick Neumann, suspendierter Mannschaftskapitän des Regionalligisten SC Verl, habe zwar 500 Euro erhalten, bestreite aber, Spiele absichtlich verloren zu haben.

Dies sagte Neumanns Anwalt Lutz Klose dem "Westfalen-Blatt" und erklärte, sein Mandant sei von den Drahtziehern massiv unter Druck gesetzt worden.

Neumann sei vor dem Spiel bei Borussia Mönchengladbach II im Mai von einem Mann angesprochen worden, der von ihm verlangt habe, die Begegnung zu verlieren.

Bis zu 10.000 Euro versprochen

Außerdem solle er versuchen, weitere Verler Akteure für dieses Vorhaben zu gewinnen.

Dafür habe man den Spielern einen Geldbetrag zwischen 5000 und 10.000 Euro versprochen.

Der damalige Kapitän Cosmin Uilacan (heute beim BC Aichach in der 7. Liga), Tim Hagedorn und ein weiterer Spieler des SCV seien involviert gewesen, so das "Westfalen-Blatt".

"Ihr seid dafür verantwortlich"

Nachdem Verl die Partie jedoch 4:3 gewonnen habe, sei es vor dem letzten Meisterschaftsspiel gegen den 1. FC Köln II zu einem Treffen an einem geheimen Ort gekommen, bei dem laut Klose die Worte fielen:

"Wir haben viel Geld verloren und ihr seid dafür verantwortlich".

Neumann seien 500 Euro übergeben worden, ohne weitere Optionen zu besprechen.

Das 0:1 gegen Köln sei dann allerdings eher ein "Zufallsprodukt" gewesen.

"Gnadenlos ausgeliefert"

Neumann sei aus Angst nicht zur Polizei gegangen.

"Man teilte Patrick mit, dass man ihm sonst gewisse Leute zum Training oder zu seinem Arbeitgeber schicken würde", so Klose:

"Er war den Kriminellen in dieser Situation einfach gnadenlos ausgeliefert, hatte Furcht und geriet in Panik. Zur Polizei konnte er nicht mehr gehen."

Prahlerei während Telefonat

Zu dem Vorwurf der Polizei, er habe in Telefonaten damit geprahlt, dass früher bei anderen Spielen "nie etwas herausgekommen" sei, hat sich Neumann nicht geäußert.

"Er hat Angst vor Repressalien. Wir werden jetzt gemeinsam überlegen, ob er in Kürze noch weitere Angaben machen wird", sagte Klose.

Zudem sollen im Wettskandal nach Angaben des "Spiegel" auch Basketball und Tennis betroffen sein.

Angeblich Manipulationen in 17 Ländern

Das Magazin berichtet in seiner Montag-Ausgabe weiter, dass sich auch im Fußball die Zahl der betroffenen Länder weiter vergrößert habe, von zuletzt neun auf jetzt 17 Länder.

Außerdem soll die Wettmafia nach Erkenntnissen der Ermittler versucht haben soll, Einfluss auf das WM-Qualifikationsspiel zwischen Bosnien und der Türkei am 9. September 2009 (1:1) zu nehmen.

Es "soll versucht worden sein, den bosnischen Trainer mit 500.000 Euro zu bestechen, um den Türken einen 'sicheren Sieg zu ermöglichen'."

Der Trainer soll das Angebot abgelehnt haben.

Spieler gezielt unter Druck gesetzt

Derweil berichtet der "Focus", dass angeblich mehr als 550.000 Euro Bestechungsgeld an zu Manipulationen angestiftete Spieler in mehreren Ländern gezahlt wurden.

Die Bande um Ante S. habe offenbar gezielt nach betrugsbereiten Fußballern gesucht.

Sie hätten analaysiert, ob Spieler zum Glücksspiel neigten oder Schulden hätten. Nach lockeren Erstkontakten seien die Spieler dann moralisch unter Druck gesetzt und mit bis zu fünfstelligen Summen bestochen worden.

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