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Marcel Schuon spielte von 2007 bis Juni 2009 beim VfL Osnabrück © getty

Laut "ARD"-Angaben sind mehr als 60 Partien vom Wettskandal betroffen. Ein geständiger Ex-Osnabrücker wird wohl gefeuert.

München - Der größte Wettskandal in der europäischen Fußball-Geschichte soll Deutschland offenbar stärker betreffen als bislang angenommen.

Nach einem Bericht des ARD-Magazins "FAKT" sollen seit dem Hoyzer-Skandal im Jahr 2005 von der 2. Bundesliga abwärts mehr als 60 Spiele manipuliert worden sein.

"Das waren fünf Zweitligaspiele und dann ging es abwärts bis zur Oberliga. Zu circa 80 Prozent waren die Manipulationen erfolgreich, es ist so eingetroffen wie wir es auch haben wollten", sagte ein Insider aus dem illegalen Wettgeschäft.

Der Hamburger serbischer Herkunft war nach eigener Aussage jahrelang ein Gehilfe des vor einer Woche verhafteten Drahtziehers Ante S. Auch er selbst habe Spieler zu Manipulationen überredet.

Ulm-Spieler wollen Ziviklage anstrengen

Besonders geschadet haben die Machenschaften der Wettmafia angeblich einem namentlich nicht genannten Absteiger aus der Zweiten Liga im Jahre 2007.

"Ein Verein ist dadurch abgestiegen, weil zwei Spiele hintereinander manipuliert worden sind, das sind minus sechs Punkte und das war kurz vor Schluss, also kurz vor Ende der Saison und dadurch ist der Verein abgestiegen", sagte der Serbe gegenüber "FAKT".

Unterdessen wollen die Spieler des vom Wettskandal direkt betroffenen Regionalligisten SSV Ulm wegen entgangener Prämien offenbar eine Zivilklage gegen die gekündigten Davor Kraljevic, Marijo Marinovic und Dinko Radojevic anstrengen.

"Die sind kriminell"

"Die sind kriminell. Wenn ich ihnen jetzt begegnen würde, wüsste ich nicht, was ich machen würde", sagte Ulm-Keeper Holger Betz, der am Wochenende persönlich die Spinde der drei Ex-Mitspieler ausgeräumt und die Sachen an den Zeugwart übergeben hatte.

Die drei offenbar in den Wettskandal verwickelten Ex-Ulmer Kraljevic, Marinovic und Radojevic sollen einen direkten Draht zu dem inhaftierten Berliner Ante S., einem der Hauptdrahtzieher des Skandals, gehabt haben.

Auf fünf bislang bekannten Konten von S. sollen Ermittler laut Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" 3,5 Millionen Euro gefunden haben.

Auch drei Spiele der aktuellen Saison betroffen?

"S. hat bei Live-Wetten auf Auswärtsspiele des SSV Ulm 1846 sehr hohe Summen gesetzt - und getroffen", sagte Ulms Präsident Rene Mick der "Südwest Presse".

Betroffen sollen auch drei Spiele der aktuellen Saison sein.

Demnach soll es beim 1:3 am 14. August beim SSV Reutlingen, beim 1:3 am 2. Oktober beim SV Darmstadt 98 und beim 1:3 am 18. Oktober beim SC Freiburg II zu wettbewerbswidrigem Verhalten gekommen sein.

Wohl keine gravierenden Konsequenzen für Ulm

Verdächtig sind zudem die letzten vier Spiele der vergangenen Saison, insbesondere das 0:3 vom 13. Mai bei Hessen Kassel.

"Ich möchte nicht wissen, was sonst noch alles passiert ist und wann das Ganze angefangen hat. Es ist wie ein Stich ins Herz. Aber wir haben das Problem an der Wurzel gepackt und alles mögliche getan, um die Sache aufzuklären", sagte Ulms Vorstand Mick.

Gravierende Konsequenzen müssen die Ulmer offenbar aber nicht befürchten.

Ermittlungen nur gegen Spieler

Eine Aberkennung von Punkten oder eine Versetzung in eine tiefere Spielklasse käme laut DFB-Statuten wohl nur infrage, wenn der Verein aktiv durch das Präsidium oder andere führende Vereinsmitglieder in die Manipulationen verstrickt wäre.

Dies ist aber nicht der Fall, ermittelt wird nur gegen die gefeuerten Spieler. Sollten die Spieler der Manipulation überführt werden, drohen für aktive oder passive Bestechung Sperren von drei Monaten bis zu zwei Jahren.

Sandhausen entlässt Schuon

Sein Geständnis im Wettskandal hat den Sandhausener Spieler Marcel Schuon den Job gekostet.

Manager Tobias Gebert bestätigte eine entsprechende Information von "Spiegel online".

"Der SV Sandhausen hat noch nie einen Skandal gehabt, wir weisen diesen Skandal von uns. Wir haben nichts damit zu tun, und wir wollen nichts damit zu tun haben", sagte Gebert.

Der Abwehrspieler hatte in seiner Aussage bei der Staatsanwaltschaft Bochum eingeräumt, gegen den Erlass früherer Wettschulden eine Manipulationsabsprache getroffen zu haben. Jedoch sei es letztendlich nicht zu einer Manipulation gekommen.

Augsburg- und Club-Spiel betroffen?

Der 24-Jährige hatte in der vergangenen Saison für den VfL Osnabrück gespielt - zwei Spiele des niedersächsischen Zweitliga-Absteigers sollen von den staatsanwaltlichen Ermittlungen betroffen sein.

Angeblich wurden die Auswärtsspiele beim FC Augsburg (0:3) am 17. April 2009 und beim 1. FC Nürnberg (0:2) am 13. Mai manipuliert.

Schuon hatte in Augsburg 90 Minuten durchgespielt, in Nürnberg wurde er in der 75. Minute eingewechselt.

Der Anwalt des Spielers hat inzwischen erklärt, sein Mandant habe in seiner Aussage auch den Auftraggeber genannt.

"Glaub bloß nicht, wir kriegen das Geld nicht"

Laut "Spiegel online" habe Schuon nach dem Spiel in Augsburg versucht, seinem Auftraggeber klarzumachen, dass er nicht manipulieren "könne und wolle".

Daraufhin habe dieser den Druck auf Schuon mit folgenden Worten erhöht: "Glaub' bloß nicht, dass wir das Geld nicht kriegen."

Zuvor hatte Schuon eingeräumt, dass in der vergangenen Saison beim Spiel Osnabrück gegen Augsburg "die Abrede zur Spielmanipulation erfolgt ist, eine Manipulation aber nicht stattgefunden hat", wie Schuons Rechtsanwalt Siegfried Kauder dem "kicker" bestätigte.

Nach Angaben des Anwalts wurden Schuon dafür frühere Wettschulden erlassen.

UEFA suspendiert Schiedsrichter

Weiter berichtet "Spiegel online", dass die UEFA den ukrainischen Schiedsrichter Oleg Orichejow bis auf weiteres von der Leitung aller Spiele ihrer Wettbewerbe suspendiert hat.

Der 42-Jährige habe bei einer Anhörung in der UEFA-Zentrale gestanden, persönlichen Kontakt zu einem Mitglied der "Führungsebene" des Wettbetrüger-Ringes zu haben, der bei einer bundesweiten Razzia ausgehoben worden war.

Den Vorwurf, ein Spiel in der Europa League manipuliert zu haben, bestreitet Orichejow.

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