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Marcel Schuon (l.) wurde in Osnabrück zwei Jahre von "Pele" Wollitz trainiert © imago

Der frühere Osnabrück-Coach attackiert Ex-Spieler Schuon. Ein Sechstligist suspendiert einen Spieler, der DFB baut Ansprüchen vor.

München - Nach dem Teilgeständnis seines ehemaligen Spielers Marcel Schuon hat Claus-Dieter Wollitz im Wettskandal drakonische Strafen gefordert.

"Ich hoffe, dass solche Spieler lebenslang gesperrt werden", sagte Wollitz, inzwischen Trainer des Zweitligisten Energie Cottbus.

Er betreute in der vergangenen Spielzeit den aus der Zweiten Liga abgestiegenen VfL Osnabrück.

Von Schuon hätte Wollitz als VfL-Trainer ein anderes Verhalten erwartet. "Es wäre ein starker Charakterzug von ihm gewesen, wenn er auf mich zugekommen wäre und gesagt hätte: 'Trainer, stell mich bitte nicht auf'", so der 44-Jährige.

Er könne und wolle Schuon nicht verzeihen, dass er an Manipulationen auch nur gedacht habe.

Gütersloh suspendiert Stürmer

Unterdessen hat Sechstligist FC Gütersloh hat nach dem Geständnis des suspendierten Verler Spielers Patrick Neumann reagiert und sich mit sofortiger Wirkung von einem 24 Jahre alten Stürmer getrennt.

Dies berichtet das "Westfalen-Blatt". Der Spieler sei mehrere Tage nicht mehr zum Training erschienen.

Dr. Lutz Klose, der Rechtsanwalt des Verler Beschuldigten Patrick Neumann, erklärte der Zeitung, dass die Kripo seit der vergangenen Woche auch intensiv gegen den FCG-Spieler ermittele. Demnach sollen sich dieser und Neumann gekannt haben.

"Du kannst Dir das Geld bei mir abholen"

Nach Recherchen des "Westfalen-Blatt" arbeitet der Gütersloher Spieler in einem Wettbüro am Bielefelder Jahnplatz. Er soll in das Visier der Polizei gerückt sein, nachdem er eine SMS an Neumann mit dem Inhalt "Du kannst Dir das Geld bei mir abholen" versendet haben soll.

FCG-Sportkoordinator Wolfgang Grübel erklärte: "Am Montag hat er über ein Fremdhandy eine Textnachricht an mich geschickt. Der Inhalt: Eine fadenscheinige Begründung, nicht zum Training zu erscheinen. Wir haben dann sofort unsere Konsequenzen gezogen."

Ob es eine Hausdurchsuchung bei dem betroffenen Akteur gegeben habe und ob sein eigenes Handy von der Staatsanwaltschaft eingezogen worden sei, konnte Grübel nicht bestätigen.

Zwei Spiele unter Verdacht

Die Zeitung hatte über zwei Spiele des FC Gütersloh berichtet, die von den Ermittlern der Staatsanwaltschaft Bochum als verdächtig eingestuft werden.

Auf die Partien gegen Westfalia Herne im Dezember 2007 und im Freundschaftsspiel gegen Arminia Bielefeld im August sollen hohe Geldbeträge gesetzt worden sein. Wie und auf was gewettet worden ist, wurde bislang nicht bekannt.

Aus Unterlagen der Fahnder gehe auch hervor, dass einige Hauptbeschuldigte über Mittelsmänner Kontakt über einen längeren Zeitraum zu Spielern des SC Verl und des FC Gütersloh gepflegt haben sollen.

Neumann soll angestiftet haben

Regionalligist SC Verl kommt auch weiterhin nicht zur Ruhe: So soll der suspendierte Neumann versucht haben, Mitspieler zur Manipulation anzustiften. Das sagte dessen früherer Teamkollege Christian Knappmann der "Sport Bild".

"Im Training kam Pepe zu mir. Er meinte: Knappi, kriegst du auch so miese Prämien. Lass uns doch mal gegen uns wetten", soll Neumann, der von seinen Mitspielern offenbar "Pepe" gerufen wurde, laut Knappmann gesagt haben:

"Ich hielt das für einen dummen Spruch, er wollte wahrscheinlich erst mal bei mir vorfühlen. Ich habe aber sofort gesagt: So ein Quatsch!"

Angst statt Muskelfaserriss

Verl-Angreifer Knappmann ging eigenen Angaben zufolge nach Bekanntwerden des Skandals durch die Staatsanwaltschaft Bochum vor knapp zwei Wochen zusammen mit einem Teamkollegen zur Vereinsführung und berichtete, dass Neumann ihn möglicherweise für Manipulationen gewinnen wollte.

"Jetzt im Nachhinein ergibt alles einen Sinn. Zum Beispiel, dass einer unserer Spieler ein Training plötzlich abbrach mit Muskelfaserriss. Wir haben ihn wochenlang damit aufgezogen, weil ihm das niemand abnahm. Wir dachten, er hätte keine Lust auf Training. Nun ist klar, warum er das wirklich gemacht hat. Er bekam vor dem Gladbach-Spiel ein konkretes Angebot. Nach seiner Ablehnung wurde er unter Druck gesetzt, bekam Angst - und ließ sich lieber krankschreiben", sagte Knappmann.

DFB nicht haftbar zu machen

Was die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft weiterhin auch vorbringen mögen, der DFB baut schon einmal vor. Der Verband könne im Zuge des Wettskandals von betroffenen Klubs nicht auf Schadenersatz verklagt werden:

"Gegen die Verbände bestehen keine Ansprüche, da diese selbst Opfer sind und sie kein Verschulden trifft", sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

Zudem hat der DFB nach dem Hoyzer-Skandal im Jahr 2005 seine Statuten in der Form geändert, dass nach einer bereits abgelaufenen Saison manipulierte Spiele nicht mehr wiederholt werden können, obwohl möglicherweise Mannschaften zu Unrecht abgestiegen sind.

"Es gibt keine Alternative. Denn wenn man in so einer Situation einem Klub hilft, schadet man einem anderen, der noch weniger mit der Sache zu tun hat", erklärte Koch.

Schenk fordert harte Sanktionen

Die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International reagiert derweil wenig überrascht auf den neuen Manipulationsskandal im Fußball. Dieser Sport sei ein besonders gefährderter Wirtschaftsbereich, erklärte Sylvia Schenk der Organisation.

"Junge Leute, schnell hochgejubelt, viel Geld im Spiel, problematisches Umfeld. Da ist ein hohes Gefährdungspotenzial", sagte die ehemalige Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) der "Berliner Zeitung".

Nach ihren Erfahrungen als Leichtathletin bei Eintracht Frankfurt überrasche es sie nicht, dass gerade Fußball-Profis leicht mit Wettbetrügern in Berührung kommen: "Aus dieser Zeit weiß ich, dass Fußballer ein Umfeld haben, wo solche Kontakte eher möglich sind."

Um das Vertrauen zurückzugewinnen, forderte die 57-Jährige erneut schnelle und harte Sanktionen. So sollten Klubs, die sich nicht um Korruptionsabwehr kümmern, beispielsweise mit Zwangsabstieg bestraft werden.

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