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Hans-Günter Bruns bestritt in seiner Karriere 366 Bundesliga-Spiele © getty

Oberhausens Manager Bruns kritisiert die Vorgehensweise des Verbands. Für einen gesperrten Schiedsrichter wird Freispruch gefordert.

Frankfurt/Main - Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sichtet am Wochenende Akten und sucht nach Beweisen, gerät im Wettskandal aber gleichzeitig wegen seiner Aufarbeitung unter Druck:

Während für den weiterhin mit einer Schutzsperre belegten Referee Thorben Siewer am Freitag ein "Freispruch erster Klasse" gefordert wurde, drohte Zweitligist Rot-Weiß Oberhausen dem Verband sogar mit rechtlichen Schritten.

"Es wird immer von Fairplay gesprochen. Aber gerade, was unser Spiel vom Sonntag angeht, wurde das Fairplay mit Füßen getreten. Das hat kein Verein, kein Spieler und kein Schiedsrichter verdient", sagte Oberhausens sportlicher Leiter Hans-Günter Bruns am Freitag:

"Wir stehen als Betrüger da und das kann man so nicht stehen lassen. Das war ein Alleingang vom DFB und das Schlimme ist, dass das Frühwarnsystem Betradar in keinster Weise angeschlagen hat. Das ist ein Skandal für mich."

Verdächtige Wettbewegungen vor dem Spiel

Hintergrund der Kritik ist die Vorgehensweise des DFB vor dem Spiel von RWO gegen 1860 München (0:1) am vergangenen Sonntag. Vor der Partie hatte es nach DFB-Angaben verdächtige Wettbewegungen gegeben.

Schiedsrichterbeobachter Hellmut Krug hatte daraufhin beide Mannschaften im Vorfeld der Partie über die massiven Ausschläge des Frühwarnsystems informiert.

Die Begegnung wurde durch ein Eigentor entschieden. RWO-Abwehrspieler Marinko Miletic verlängerte in der 63. Minute einen Freistoß von Alexander Ludwig ins eigene Tor.

Oberhausen denkt über rechtliche Schritte nach

Nach Informationen der Oberhausener sollen allerdings überhaupt keine Verdachtsmomente vorgelegen haben. "Dass es Wetten von 1,1 Millionen Euro auf das Spiel gegeben hat, ist frei erfunden. Der Verdacht resultierte aus Null", sagte Bruns, der in den vergangenen Tagen zumindest eine Entschuldigung seitens des DFB erwartet hätte:

"Normalerweise müsste es vom DFB mal eine entsprechende Reaktion geben. Aber da kommt nichts." Mögliche rechtliche Schritte gegen den Verband sollen zunächst noch mit dem Klubvorstand abgestimmt werden.

Zwanziger zeigt Verständnis

DFB-Boss Theo Zwanziger sah indes keine andere Möglichkeit, als die Teams und Referees vor dem Spiel auf die tatsächlich heftigen Quotenbewegungen aufmerksam zu machen.

"Man kann darüber streiten, ob das Ganze etwas diskreter hätte ablaufen können. Allerdings - das möchte ich noch einmal klarstellen - wurde es nicht vom DFB öffentlich gemacht. Ich kann die Reaktion der Oberhausener verstehen.

Aber wir waren in Oberhausen gezwungen zu handeln, denn die Partie stand unseren Informationen nach unter akutem Manipulationsverdacht", sagte Zwanziger.

Schutzsperre gegen Siewer

Für großen Ärger sorgt weiterhin auch die Schutzsperre gegen den in den Fokus geratenen Schiedsrichter Siewer (Drolshagen).

"Ich halte das DFB-Vorgehen für unsensibel. Die Karriere von Thorben Siewer ist gefährdet. Der Verband hätte sich vor ihn stellen müssen", sagte Andreas Hebbeker, Vorsitzender des Fußball-Kreises Olpe, der "WAZ".

Hebbeker behauptet, dass der Name des 22 Jahre alten Referees nicht in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Bochum auftauche.

Lediglich das von Siewer geleitete Regionalligaspiel am 10. Mai diesen Jahres zwischen Absteiger TSV Großbardorf und Meister 1. FC Heidenheim, das von den Gästen in der Schlussphase noch von 1:2 auf 4:2 gedreht wurde, steht nach Angaben von Hebbeker unter Manipulationsverdacht.

Siewers Leistung soll vom Beobachter dagegen mit "gut" bewertet worden sein.

Schiedsrichterausschuss will Referee schnell entlasten

Bis zur kompletten Durchsicht der Akten liegt Siewer weiter auf Eis, nachdem er bereits am vergangenen Wochenende kurzfristig als Assistent vom Spiel der Dritten Liga zwischen dem VfL Osnabrück und Wacker Burghausen abgezogen worden war.

Nach DFB-Informationen soll Siewer namentlich in den Ermittlungsakten der Behörde zu möglichen Spielmanipulationen erwähnt sein.

Wie Hebbeker hat allerdings auch der zuständige Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses (KSA), Winfried Alterauge, andere Informationen. Da DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) seit Donnerstag Akteneinsicht haben, verspricht sich Alterauge eine rasche Entlastung für den Schiedsrichter vom FC Schreibershof.

"Zu 99,9 Prozent lege ich meine Hand für ihn ins Feuer", sagte Alterauge dem "Sauerlandkurier" und forderte vom Verband ebenfalls Abbitte: "Da muss ein Freispruch erster Klasse bei herauskommen."

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