Nicht immer gehen Sportreporter ihrer eigentlichen Verpflichtung nach. Sport1.de-Redakteur Wolfgang Kleine erinnert sich.

Die fußballbegeisterten Reporter und Journalisten scharren schon wieder in den Hufen. Am Wochenende steigt der letzte Hinrunden-Spieltag der Bundesliga und Zweiten Liga.

Manche bedauern es, andere atmen auf - Winterpause, wenn auch wegen der WM 2010 nur kurz. Die bedeutungsvollen Fragen, die sich dann viele stellen: Wird der Herbstmeister auch Deutscher Meister? Kann das Millionärs-Team des FC Bayern alles noch einmal aufrollen?

Präsident Uli Hoeneß deutete bei einer Weihnachtsfeier schon in aller Bescheidenheit an: "Wenn wir so spielen wie in den letzten Wochen, dann sieht uns die Konkurrenz nur von hinten."

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Die Journalisten-Kolleginnen und -Kollegen werden das in den kommenden fünf Monaten mit Genugtuung (wenn sie Bayern-Fans sind) oder mit Argwohn (wenn sie von der Waterkant kommen) verfolgen.

Sie werden vor Ort in den Stadien ihre Berichte per Mikrofon oder Laptop in die Funkhäuser oder Redaktionen übermitteln. Der eine mehr, der andere weniger.

Noch weniger geht kaum - denkste! Das geschah bei einer Kölner Zeitung. Die wollte sich nicht, wie üblich, mit den einlaufenden Agentur-Spielberichten begnügen. Sie wollte stets eigene Leute vor Ort haben, die in ihren Berichten einen Hauch von Exklusivität vermitteln.

Ein eigener Redakteur der Zeitung konnte wegen anderer Ereignisse nicht entsendet werden. So wurde ein freier Mitarbeiter in Braunschweig gebeten, einen Bericht über die Zweitliga-Partie der Eintracht gegen Fortuna Köln möglichst zeitnah nach dem Schlusspfiff in die Telefon-Aufnahme (das war damals im Zeitalter ohne Computer üblich) geben.

Samstagnachmittag, der 28. September 1985. Die Partie war beendet. In der Redaktion wartete man gespannt auf den Spielbericht aus Braunschweig. Man wartete und wartete, und wartete und wurde unruhig.

Der Mitarbeiter hatte sich auch 30 Minuten nach dem Spiel immer noch nicht in der Aufnahme gemeldet. Man wartete nochmals - der Andrucktermin rückte bedrohlich näher. Immer noch gab's keinen Bericht über die Fortuna.

In letzter Verzweiflung und Hektik griffen die Kollegen auf den Agenturbericht über das 0:0 der Kölner in Braunschweig zurück. Die Zeile: "Fortuna rettet einen Punkt."

Doch der Ärger über den fehlenden Bericht des Mitarbeiters war auch am nächsten Tag noch nicht geringer. Der Ressortchef rief den Kollegen an und fragte ihn, warum er denn keinen Bericht übermittelt habe.

Der nahm's gelassen. Die durchaus plausible Antwort des Kollegen in Braunschweig: "Warum sollte ich denn einen Bericht machen? Das Spiel endete doch 0:0. Da war doch gar nichts passiert?"

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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