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Gegen einen Assistenten besteht laut Zwanziger "erhöhter Tatverdacht" © getty

Ein Schiedsrichter-Assistent der Zweiten Liga ist ins Visier des DFB geraten. Das bestätigt Präsident Theo Zwanziger.

München - Dem DFB droht im Zuge des europaweiten Wettskandals offenbar ein zweiter Fall Hoyzer.

Am Dienstag verhängte der DFB wegen neuer Beweismittel eine Schutzsperre gegen den ins Visier der Staatsanwaltschaft geratenen Schiedsrichter-Assistenten Cetin Sevinc (Waltrop).

Damit ist Sevinc nach Thorben Siewer (Drolshagen) bereits der zweite DFB-Referee, der im Zuge des Wettskandals zumindest bis zum Beginn der Rückrunde auf Eis gelegt wird.

"Es liegen neue Beweismittel vor, die den Tatverdacht gegen den Schiedsrichter leider sehr stark erhöhen", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger der "Bild" und fügte auf "dfb.de" hinzu: "Sollte sich der Verdacht der Spielmanipulation bestätigen, kann dies das Ende seiner Laufbahn als Unparteiischer bedeuten."

Der für Rechtsfragen zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch erklärte: "Natürlich gilt für Herrn Sevinc die Unschuldsvermutung."

"Doch solange die Ermittlungen gegen seine Person nicht abgeschlossen sind, werden wir ihn zum Schutze seiner Person und des laufenden Wettbewerbs nicht mehr ansetzen."

Ein Verdachtsmoment soll sich nach Angaben der "Bild" aus den Ermittlungen zum Zweitligaspiel zwischen Rot-Weiß Oberhausen und 1860 München (0:1) ergeben, das vor rund zwei Wochen wegen massiver Bewegungen auf dem Wettmarkt unter Manipulationsverdacht gestanden hatte.

Live-Wetten auf eigene Spiele?

Ein DFB-Informant soll Sevinc als einen der mutmaßlich Beteiligten genannt haben.

Zudem soll eine Eidesstattliche Versicherung eines Zeugen vorliegen, die beinhaltet, dass der Schiedsrichter über einen Mittelsmann bei Live-Wetten auf eigene Spiele gesetzt haben soll.

Der Zweitliga-Assistent aus Nordrhein-Westfalen wies allerdings jegliche Beteiligung am Wettskandal von sich.

"Alles völliger Unsinn. Ich habe mir nichts vorzuwerfen, nichts zu verbergen", sagte der 27-Jährige.

Auch die negative Bewertung seiner Leistung durch den DFB nach dem Zweitligaspiel SpVgg Greuther Fürth gegen Fortuna Düsseldorf (2:1) am 3. Oktober wegen einer falschen Abseitsentscheidung vor dem Siegtreffer der Gastgeber durch Nicolai Müller (85.) sieht Sevinc gelassen.

"Wenn Sie danach gehen, müssen Sie alle Schiedsrichter unter Verdacht stellen. Es kommt immer mal zu krassen Fehlentscheidungen."

Erste Vernehmungen

Unterdessen hat der DFB-Kontrollauschuss im Rahmen der Ermittlungen wegen möglicher Wettmanipulationen in den vergangenen Tagen erste Vernehmungen durchgeführt.

Nach Aussage des für Rechtsfragen zuständigen DFB-Vizepräsidenten Koch haben einige Spieler im Verlauf der Befragung die gegen sie erhobenen Vorwürfe der Spielmanipulation nicht entkräften können.

"Ich denke, dass der Kontrollausschuss zu Jahresbeginn weitere Verfahren gegen Spieler einleiten wird", sagte Koch.

Lange Sperren drohen

Den beteiligten Schiedsrichtern und Spielern drohen lange Sperren. Auch die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt weiter.

Indes scheinen Wiederholungen von eventuell manipulierten Spielen derzeit unwahrscheinlich.

"Die Bestimmungen des DFB, die wir nach dem Hoyzer-Skandal geändert haben, sind eindeutig. Sportrechtlich ist eine Saison nach dem letzten Spieltag nicht mehr anfechtbar. Gleiches gilt im DFB-Pokal, sobald eine Runde abgeschlossen ist. Natürlich kann sich die Aktenlage aufgrund der noch laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft jederzeit ändern", sagte Koch.

"Wollen Frühwarnsysteme verbessern"

Das DFB-Präsidium wird sich auf seiner ersten Sitzung im neuen Jahr am 15. Januar ebenfalls intensiv mit dem Wettskandal beschäftigen.

"Natürlich nehmen wir die Vorfälle der vergangenen Wochen zum Anlass, unsere Frühwarnsysteme und diesbezügliche Vorgehensweisen zu hinterfragen und gegebenenfalls zu verbessern", sagte Zwanziger.

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