Auch wenn es kein großes Turnier gab, bleibt das Fußball-Jahr 2009 in Erinnerung ? allerdings vor allem in schmerzlicher.

Auch wenn es kein großes Turnier gab, bleibt das Fußball-Jahr in Erinnerung ? allerdings vor allem in schmerzlicher.

Denn 2009 steht im Zeichen des Todes von Robert Enke, dessen Selbstmord das ganze Land zutiefst erschüttert hat.

Bis auf die unmittelbaren Freunde und Verwandte ahnte bis zum schrecklichen Abend im November niemand von den schweren Depressionen des Nationaltorwarts, entsprechend groß waren Fassungslosigkeit, Trauer und Anteilnahme.

Für einige Tage wurde das Millionen-Geschäft auf das Maß reduziert, das ihm eigentlich gebührt: Eine schöne Nebensache.

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Doch spätestens die unfassbar dummen Hass-Attacken und Todesdrohungen eines aufgebrachten Pöbels, den man nicht ernsthaft als Fan bezeichnen kann, in Stuttgart vor der Entlassung Markus Babbels zeigten die Rückkehr des traurigen Alltags.

Babbel musste sich nach einer Achterbahnfahrt vom Titelanwärter zum Abstiegskandidaten ebenso als Bundesliga-Trainer verabschieden wie Lucien Favre, dessen Ex-Klub Hertha BSC auch mit Nachfolger Friedhelm Funkel weiter abstürzte und daher fast schon für die Zweite Liga planen kann.

Endgültiger als bei Babbel und Favre dürfte der Abschied von Jürgen Klinsmann als Trainer aus Deutschland gewesen sein. Als klarer Meisterschaftsfavorit ins Jahr gestartet, zogen die Verantwortlichen des FC Bayern im April nach einer wochenlangen Krise und dem Abschied aus der Champions League nach dem Debakel in Barcelona die Reißleine.

Zurück blieb ein Scherbenhaufen, den Nachfolger Louis van Gaal zunächst auch nicht kitten konnte. Erst am Ende der Hinrunde spielte der FCB wieder wie ein Rekordmeister und verhinderte den nächsten Trainer-Abschied aus München.

So konnte Uli Hoeneß seinen eigenen Abschied nach 30 Jahren als Bayern-Manager ebenso bester Laune begehen wie Franz Beckenbauer den seinen als Präsident.

Ob beide in ihren neuen Funktionen als Präsident und Ehrenpräsident im Sommer die Meisterschaft feiern werden, dürfte erneut maßgeblich von Felix Magath abhängen. Der Trainer-Fuchs triumphierte nach einer sensationellen Rückrunde mit Überraschungs-Meister VfL Wolfsburg ? und verabschiedete sich nach Schalke.

Dort bastelt Magath am nächsten Coup und führte die Königsblauen trotz Riesenschulden in den Kreis der Titelkandidaten. Bleibt abzuwarten, ob er sich im Fall der Fälle auch auf Schalke als Meister verabschieden würde.

Zumal ein noch erfahrener Coach aktuell die besseren Karten hat: Jupp Heynckes. Der setzte im Jahr des Abschieds den Contrapunkt und gab das große Comeback.

Der 64-Jährige genoss auf seinem Bauernhof am Niederrhein schon den Ruhestand, ehe ihn Uli Hoeneß nach Klinsmanns Rauswurf völlig überraschend aus dem Hut zauberte.

Heynckes gab das Vertrauen zurück, führte Bayern in die Champions League - und hatte Blut geleckt. So war es leichtes Spiel für Rudi Völler, ihn im Sommer zu Bayer Leverkusen zu locken.

Dass "Don Jupp? dort aber so einschlagen und den Werksklub ungeschlagen zur souveränen Herbstmeisterschaft führen würde, hätte niemand erwartet.

Das nächste Jahr wird nun zeigen, ob sich ?Bayer Vzekusen? auch vom Ruf des ?ewigen Zweiten? verabschieden wird.

Und 2010 wird zeigen, ob sich die deutsche Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Südafrika von der dann 20-jährigen Durststrecke ohne WM-Titel verabschieden kann.

Andernfalls könnte es einen Abschied von Bundestrainer Joachim Löw geben, ungeachtet seiner Vertragsverlängerung bis 2012.

Doch auch im Falle einer Pleite etwa schon nach der Vorrunde sollte das Jahr 2009 deutlich gemacht haben: Es gibt im Leben viel Wichtigeres als Fußball.

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