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Klaus Fischer erzielte als Profi allein 182 Tore für den FC Schalke 04 © imago

An seinem 60. Geburtstag spricht der Kult-Schalker im Sport1.de-Interview über Stationen seiner Karriere und Schwächen.

Von Sebastian Binder

München - Eine Legende feiert Geburtstag und Sport1.de gratuliert!

Klaus Fischer wurde am Sonntag 60 Jahre alt.

Die Schalke-Ikone kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken, das ebenso viele Höhen wie Tiefen hatte.

Fischer, in Zwiesel im Bayerischen Wald geboren, begann seine Profi-Karriere bei 1860 München.

Nach zwei Jahren dort wechselte er zu Königsblau und war dort in den Bundesliga-Skandal 1970/1971 verwickelt. "Das war eine Riesendummheit von mir", wie Fischer ehrlich zugibt.

Doch "Mister Fallrückzieher" kann auch auf zahlreiche Erfolge zurückblicken, mit dem Gewinn der Vize-Weltmeisterschaft in Spanien 1982 als Höhepunkt.

Auch die Torausbeute des Vollblut-Stürmers ist phänomenal.

268-mal versenkte Fischer die Kugel im gegnerischen Netz, nur Gerd Müller hat das öfter geschafft. 1988 beendete er seine aktive Laufbahn beim VfL Bochum und betreibt heute eine Fußball-Schule.

Mit Sport1.de spricht Fischer über Stationen seiner Karriere, den Bundesliga-Skandal, die "Schmach von Cordoba", die Kunst des Fallrückziehers und die Schwierigkeit eines Übersteigers.

Sport1.de: Herr Fischer, herzlichen Glückwunsch! Wie feiern Sie Ihren Ehrentag?

Klaus Fischer: Vielen Dank. Ich feiere in Zwiesel. Im Kreis meiner Familie.

Sport1.de: Sie sind "Mr. Fallrückzieher", also kommen wir gleich zur Sache: Haben Sie diesen spektakulären Schuss regelmäßig geübt?

Fischer: Nein, nein. Den ersten Fallrückzieher habe ich in einem Spiel gegen Karlsruhe gemacht. Im Training haben die Schalker Fans dann immer gesagt, dass ich einen Fallrückzieher zeigen soll. Es gibt eben ein paar Sachen, die kann man oder eben nicht.

Sport1.de: Und was können Sie nicht?

Fischer: Ich habe mir beispielsweise nie einen Übersteiger im Spiel zugetraut, weil ich das nie richtig hinbekommen habe.

Sport1.de: Wann wussten Sie, dass sie Fußballspieler werden wollen?

Fischer: Man hat als junger Kerl Träume. Ich habe beim FC Zwiesel schon in der Jugend viele Tore gemacht. Mein Vorbild war Uwe Seeler.

Sport1.de: Mit dem FC Schalke waren Sie 1970 in den Bundesliga-Skandal verwickelt. Sie wurden als einer der beteiligten Spieler zunächst lebenslänglich gesperrt. War das Ihre dunkelste Stunde?

Fischer: Klar, da muss ich nicht lange überlegen. Das war eine Riesendummheit von mir, wie man sie eigentlich niemals im Leben macht. Das war ein Freundschaftsdienst für einen Spieler, der einen der Beteiligten kannte. Ich selbst kannte diese Person überhaupt nicht. Aber natürlich saß ich dann mit im sinkenden Boot.

Sport1.de: Auch heute wird die Bundesliga wieder von einem Wettskandal erschüttert. Wie beurteilen Sie die Situation?

Fischer: Man kann das alles gar nicht glauben. Wenn man aber auf irgendwelche Landesliga-Spiele wetten kann, da wird dem Betrug Tür und Tor geöffnet. Wer kümmert sich denn um so ein Spiel? Deshalb darf es derartige Wettmöglichkeiten nicht geben.

Sport1.de: Blicken wir noch mal zurück: 1977 wurden Sie Nationalspieler, nahmen 1978 an der WM in Argentinien teil. Wie haben Sie die Schmach von Cordoba erlebt?

Fischer: Wir sind als Favorit nach Argentinien gefahren. Und dann lief bei der WM plötzlich überhaupt nichts mehr zusammen. Es hat in der Mannschaft hinten und vorne nicht gestimmt. Das galt für die Spieler und auch für die Trainer.

Sport1.de: Warum?

Fischer: Das kann man in ein paar Sätzen gar nicht erklären. Wir waren in unserem Quartier praktisch eingesperrt, bewacht von der GSG 9 und vom argentinischen Militär. Wir haben dann trotzdem gegen Österreich geführt und hätten auf Teufel komm raus auf Sieg spielen müssen. Aber dann verlieren wir 2:3. Diese Schmach wird für immer an uns haften bleiben.

Sport1.de: Zwei Jahre später wird Deutschland Europameister. Sie müssen verletzt zusehen. Konnten Sie sich trotzdem freuen?

Fischer: Natürlich habe ich mich gefreut, denn ich habe alle Qualifikationsspiele mitgemacht und auch viele Tore geschossen. Der Schienbeinbruch war dann schon sehr bitter.

Sport1.de: Sie beobachten die Bundesliga auch heute noch ganz genau. Hätten Sie Schalke solch eine überragende Hinrunde zugetraut?

Fischer: Nein. Das ist ein großes Verdienst von Felix Magath. Die Jungs sind einfach topfit, können 90, 120 Minuten Gas geben. Spielerisch ist sicher noch mehr drin, aber im Moment reicht das, um oben dabei zu sein. Die ganzen jungen Talente werden sich erst im Laufe der nächsten Jahre richtig entwickeln.

Sport1.de: Wo wird Königsblau am Saisonende stehen?

Fischer: Ich bin zuversichtlich, dass Schalke auch in der Rückrunde ganz oben bleibt. Natürlich wünschen wir uns alle den Meistertitel, schon seit sehr langer Zeit. Aber allein das Erreichen der Champions League wäre eine echte Sensation.

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