vergrößernverkleinern
Winfried Schäfer startete 1986 seine Trainer- karriere in Karlsruhe, zuletzt coachte er Al Ain © getty

Ein großer Fußballtrainer feiert seinen Ehrentag. Trotz vieler Erfolge hat der 60-Jährige noch Einiges vor.

München - An seinem 50. Geburtstag hatte es Winfried Schäfer richtig krachen lassen, zehn Jahre später hat sich der frühere Bundesligaprofi und -Trainer für ein Feier im kleinen Kreis entschieden.

"Es werden nur meine Familie und einige gute Freunde dabei sein", sagte Schäfer, der heute in seiner langjährigen Heimat Ettlingen vor den Toren Karlsruhes seinen Ehrentag begehen wird.

"Früher war man mit 60 noch alt"

Dabei widerstrebt dem in der Eifelstadt Mayen geborenen Schäfer offensichtlich das große Brimborium, das um diesen Tag veranstaltet wird.

"Früher war man mit 60 alt, aber heute ist 60 kein Alter mehr. Gerade als Fußball-Trainer ist man in den besten Jahren, wie man an Jupp Heynckes, Ottmar Hitzfeld oder auch Otto Rehhagel sieht", sagte Schäfer.

"Ich will so schnell wie möglich wieder arbeiten"

Deshalb denkt er auch noch lange nicht an den Ruhestand. "Ich will so schnell wie möglich wieder arbeiten", sagte Schäfer, der in 403 Bundesligaspielen für Borussia Mönchengladbach, Kickers Offenbach und den Karlsruher SC 46 Tore erzielte.

Nachdem er Anfang Dezember sein Engagement beim Al Ain Club in den Vereinigten Arabischen Emiraten beendet und er drei Wochen später eine Offerte von MKE Ankaragücü ausgeschlagen hatte, ist er nach einem Monat Urlaub wieder heiß auf einen neuen Job.

"Ich genieße es, mehr Zeit für meine Familie zu haben, aber ohne Fußball geht es nicht", sagte Schäfer, dessen Ehefrau Angelika sowie seine erwachsenen Kinder Aylissa und Sascha seit jeher viel Verständnis für die Leidenschaft ihres Familienoberhauptes hatten.

Auch wenn es nie für die Nationalmannschaft reichte, blickt Schäfer zufrieden auf seine bisherige Karriere zurück.

Rückblick auf eine große Trainerlaufbahn

"Die beste Zeit habe ich in Mönchengladbach verbracht. Unter Trainer Hennes Weisweiler zu arbeiten, war ein Highlight. Und die 70er Mannschaft um Günter Netzer war überragend."

Mit den damaligen Fohlen wurde Schäfer 1970 zunächst deutscher Meister und im selben Jahr dann auch DFB-Pokal-Sieger mit Kickers Offenbach. 1979 gewann der damalige Mittelfeldspieler mit Gladbach den UEFA-Cup.

Als Coach feierte Schäfer seine größten Erfolge mit dem Karlsruher SC, mit dem er 1987 in die Bundesliga aufstieg, dann 1994 das UEFA-Cup-Halbfinale und zwei Jahre später das DFB-Pokalfinale erreichte.

Spätere Nationalspieler wie Oliver Kahn, Jens Nowotny oder auch Mehmet Scholl begannen unter Schäfer beim KSC ihre Profikarriere.

"Damals hatte ich einen kaputten Verein übernommen, der vor der Insolvenz stand, dann haben wir unseren Weg gemacht", berichtet Schäfer, dessen blonde Haarpracht auch nach sechs Jahrzehnten noch nicht gelitten hat.

Das "Wunder vom Wildpark"

Besonders gerne erinnert er sich an den 2. November 1993, an das legendäre UEFA-Cup-Rückspiel der zweiten Runde gegen den damaligen spanischen Tabellenführer FC Valencia, der das Hinspiel 3:1 gewonnen hatte.

Mit 7:0 schaffte der KSC das "Wunder vom Wildpark", und nach dem 6:0 durch den vierfachen Torschützen "Euro-Eddy" Edgar Schmitt wurde auf der Anzeigetafel das Konterfei von Winfried Schäfer eingeblendet - darunter stand "Winnie-Wahnsinn".

Schäfer, der für diese Begegnung gesperrt war, hatte sich vor Spielbeginn vor den UEFA-Beobachtern versteckt und verbotenerweise sein Team vor dem Anpfiff in der Kabine heiß gemacht.

Seine weiteren Trainerstationen VfB Stuttgart und Tennis Borussia Berlin waren dann aber nicht mehr vom Erfolg gekrönt.

Erfolg und Trauer im Ausland

Im Ausland konnte Schäfer dann wieder auf sich aufmerksam machen.

2002 führte er Kamerun zur Afrika-Meisterschaft, ein Jahr später zog er mit den unzähmbaren Löwen ins Finale des Confed Cup ein.

Während dieses Turniers erlebte Schäfer den schlimmsten Moment seines bisherigen Laufbahn.

Denn sein Mittelfeldspieler Marc-Vivien Foe war in der Partie gegen Kolumbien zusammengebrochen und später an Herzversagen gestorben.

"Wir haben nur noch geweint, als wir die Nachricht erhielten", so Schäfer rückblickend.

Für seinen neuen Lebensabschnitt wünscht sich Schäfer vor allem Glück: "Glück ist wichtiger als Gesundheit. Die meisten Passagiere auf der Titanic waren gesund, sie hatten aber kein Glück.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel