Mittel um solche vermeintlichen Tore zu verhindern, gibt es. Wolfgang Kleine weiß, warum sie bis 2310 nicht eingesetzt werden.

Das Jahr 2310: Die Menschen fliegen inzwischen zum Mars, Roboter besorgen die Arbeit im Haushalt, wir sind mit jedem und überall vernetzt, usw., usw..

Anders im Fußball, wenn es den dann noch gibt. Ein Schiedsrichter muss mit zwei Assistenten und einem vierten Mann vor der Trainerbank die Spiele leiten. Fast ohne jegliche technische Hilfsmittel. Keine Video-Analyse, keine Torrichter, keine Torkamera, keine Erläuterungen des Referees über Lautsprecher für die Zuschauer. Nichts!

Hockey und Eishockey sind da schon 300 Jahre vorher vorgeprescht und vertrauen bei wichtigen und großen Turnieren auf Torrichter und Video-Analysen. Entscheidungen wurden und werden durch den Schiedsrichter zurückgenommen, wenn er in Spiel entscheidenden Situationen (Tor) falsch gelegen hat.

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Es dienst der sportlichen Gerechtigkeit und Fairness gegenüber den Spielern und Mannschaften.

Nicht so im Fußball, der nach 1900 richtig groß wurde. Da ist man nicht auf dem Mars, sondern noch hinter dem Mond. Die Begründung der verantwortlichen Fifa-Bosse im Jahre 2310 ähnelt der von 2010. Man besteht auf Althergebrachtem: "Das haben wir seit 400 Jahren schon so gemacht und das machen wir auch weiter so."

Dort, wo Vergehen gegen den Sportsgeist bei Spielern sofort geahndet werden, ist den Schiedsrichtern ohne Hilfsmittel ein Freiraum gewährt. Die "heilige Kuh" Tatsachenentscheidung darf nicht geschlachtet werden.

So ist "Wembley-Toren", Phantom-Treffern und Skandalen weiter Tür und Tor geöffnet. Vielleicht ist es auch so gewollt. Jüngste Beispiele: Der fünfte Treffer der Duisburger beim 5:0 im Zweitliga-Spiel gegen FSV Frankfurt wurde zur Spott-Zielscheibe der Nation. Der Schiedsrichter hatte nicht bemerkt, dass der Ball nach dem Schuss von der Latte aus gut einen Meter vor der Torlinie ins Feld sprang. Er gab Tor - eine krasse Fehlentscheidung, die er sich durch eine Video-Analyse hätte ersparen können.

Beim Afrika-Cup erzielte der Ägypter Hassan im Viertelfinal-Spiel ein klares Wembley-Tor beim 3:1 gegen Kamerun. Der Ball hatte die Torlinie eindeutig sichtbar nicht überschritten. Doch weder Schieds- noch Linienrichter sahen das. Der Referee aus Südafrika erkannte auf Tor.

Mannschaften werden betrogen, weil es die Fifa-Bosse nicht anders wollen. Flexibilität wird bei technischen Hilfsmitteln zur größeren Gerechtigkeit gescheut wie das Weihwasser vom Teufel. Wie sagen die Fußball-Verantwortlichen im Jahre 2310: "Das ist schon seit 400 Jahren so, warum sollen wir das ändern?"

Aber: Flexibilität bei der Fifa, der Uefa und den nationalen Verbänden - es gibt sie doch. Dann, wenn es um den schnöden Mammon geht. Da passen plötzlich alle in einen Sack. Da wird ein Wettbewerb nach dem anderen aus der Taufe gehoben, da folgt eine Gruppen-Runde nach der anderen, gescheiterte Teams in der Champions League dürfen dann in der Europa League nochmals ran. Hauptsache aufgebläht.

Und das alles für einen schönen Batzen Geld - Fifa und Uefa verdienen mit. Die Millionen Euros für die Klubs und die Helden mit minimalem Trainingsaufwand und maximalem Gehalt fließen.

Wie lautet dann die Auskunft der Verbands-Gewaltigen im Jahre 2310: "Das haben wir schon seit 400 Jahren so gemacht. Warum sollten wir das ändern?"

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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