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Manfred Amerell war von 1986 bis 1994 Bundesliga-Schiedsrichter © getty

Der Verband spricht von Erkenntnissen, die die schweren Vorwürfe gegen Amerell bekräftigen. Der stellt alle Ämter zur Verfügung.

Frankfurt/Main - Manfred Amerell, bisheriges Mitglied im Schiedsrichterausschuss des DFB, hat nach den schweren Vorwürfen gegen seine Person den sofortigen Rücktritt von allen Verbandsämtern angeboten.

Der DFB begrüßte den Schritt in einer Erklärung und bezeichnete ihn als "richtig und notwendig, weil Erkenntnisse vorliegen, die leider die im Raum stehenden Vorwürfe gegen Herrn Amerell bekräftigen".

Das sei das Ergebnis der in den vergangenen Tagen von DFB-Justiziar Dr. Jörg Englisch durchgeführten weiteren Anhörungen.

Diskreditierende Zusammenhänge

Amerell, der seine Funktion am 4. Februar offiziell wegen gesundheitlicher Probleme niedergelegt hatte, wies die Vorwürfe, er habe einen Bundesliga-Referee belästigt, jedoch erneut entschieden zurück.

"Ich bin enttäuscht, dass meine Privatangelegenheiten in völlig falschen und diskreditierenden Zusammenhängen an die Öffentlichkeit getragen werden", teilte er über seinen Anwalt Jürgen Langer mit.

Im DSF in der Sendung "Bundesliga Aktuell" nahm der in der Affäre vor allem auch den DFB in die Pflicht: "Ich freue mich darüber, weil hier offensichtlich angedeutet wird, dass endlich der DFB aus der Reserve kommt und die Anschuldigungen und konkreten Vorwürfe auf den Tisch legt."

Langer: "DFB soll Ross und Reiter benennen"

Der Verband sei "aufgefordert, endlich mal zu benennen, was Manfred Amerell konkret vorgeworfen wird. Ich muss immer wieder betonen, dass Manfred Amerell jahrzehntelang für das Schiedsrichterwesen Souveränität und Glaubwürdigkeit dargestellt hat. Wie momentan mit ihm verfahren wird, ist einfach nicht fair."

Langer weiter: "Der DFB soll jetzt Ross und Reiter benennen."

Und: "Von sexuellen Nötigungen oder anderen Dingen, die da momentan im Raum stehen, ist nicht ansatzweise etwas ersichtlich."

"Der Verantwortung stellen"

Amerell hatte zuvor verlauten lassen, er stehe "für Glaubwürdigkeit und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Schiedsrichterwesen".

Er wolle sich daher seiner Verantwortung stellen und habe sich entschlossen, "mit sofortiger Wirkung meine Ämter beim Deutschen Fußball-Bund und beim Süddeutschen Fußball-Verband zur Verfügung zu stellen und habe daher den Verantwortlichen meinen Rücktritt angeboten".

Intensive private Freundschaft

In der zweiseitigen Presseerklärung wies der 62-Jährige die Vorwürfe erneut zurück: "Ich habe in der Vergangenheit zu keinem Zeitpunkt einen jungen Bundesliga-Schiedsrichter sexuell belästigt."

Ebenso wenig habe er "eine andere Person mit Gewalt, durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder unter Ausnutzung einer Notlage genötigt, sexuelle Handlungen von mir oder eines Dritten an sich zu dulden oder an mir oder einem Dritten vorzunehmen", erklärte Amerell.

Zu dem jungen Unparteiischen, der die Vorwürfe gegen Amerell erhoben hat, habe sich aus den zunächst rein sportlichen Kontakten im Laufe der Zeit eine intensive private Freundschaft entwickelt.

SMS im Wortlaut veröffentlicht

Dieser Kontakt sei "einvernehmlich" gewesen.

E-Mails und SMS-Kurzmitteilungen, die zwischen den beiden gewechselt wären, würden laut Amerell belegen, dass der junge Unparteiische "aus eigenem Antrieb die Nähe zu mir gesucht hat".

Amerell veröffentlichte auch den Wortlaut einer SMS, die der Schiedsrichter ihm am 13. Januar geschickt haben soll - nachdem er den DFB informiert und um Hilfe gebeten habe.

"Rein privat" und "persönlich"

Die Freundschaft "so eng werden zu lassen wie geschehen", sei "ein Fehler" gewesen, so Amerell: "Die Beziehung war jedoch rein privat, persönlich und völlig unabhängig von meinem Amt im DFB-Schiedsrichter-Ausschuss."

Der DFB erklärte zu Amerells Äußerungen: "Ob die von Herrn Amerell über seinen Anwalt verbreiteten Äußerungen unter diesen Umständen klug waren, möchten wir unkommentiert lassen."

Langer wiederum entgegnete nun im DSF: "Nach zwei Tagen öffentlicher Anschuldigungen war es Zeit, zu reagieren und die Dinge aus Sicht von Manfred Amerell zu erklären. Nachdem vom DFB seit mittlerweile zwei Tagen keine Aussagen kommen, welche konkreten Vorwürfe erhoben werden."

"Immense Rufschädigung"

Amerell sei sehr daran gelegen, die Anschuldigungen "klarzustellen und eindeutig den Sachverhalt an die Öffentlichkeit zu bringen. "

Über die weiteren rechtlichen Maßnahmen von Seiten Amerells meinte der Jurist: "Wann konkret hier irgendwelche sexuellen, strafrechtlich, sportrechtlichen Handlungen vorgenommen worden sein sollen. Dann wird man danach die weiteren Maßnahmen ausrichten."

Langer ergänzte: "Unabhängig davon prüfen wir natürlich bereits zivilrechtliche Schritte in alle Richtungen, um dieser immensen Rufschädigung von Herrn Amerell und seiner Familie entgegen zu wirken."

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