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Reinhard Rauball ist seit August 2007 Vorsitzender des Ligaverbandes © getty

Der Liga-Präsident ist über die Aufklärungsarbeit des DFB verwundert. Schiedsrichter-Boss Roth wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Frankfurt/Main - Liga-Präsident Reinhard Rauball hat die Aufklärungsarbeit im "Fall Manfred Amerell" erneut scharf kritisiert und den Druck auf die Verantwortlichen beim DFB erhöht.

"Wir haben nachdrücklich um Aufklärung gebeten, wer wann wen wie informiert hat", sagte Rauball der "Süddeutschen Zeitung".

Die geschilderten zeitlichen Abläufe hätten "Anlass zur Verwunderung" gegeben, der Fall sei "von so hoher Sensibilität, dass ein unverzügliches Handeln erforderlich war".

Schiedsrichter-Boss Volker Roth verteidigte dagegen sein zögerliches Handeln.

"Richtig gehandelt"

"Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ich richtig gehandelt habe. Ich kann doch in einer derartigen Situation nicht einfach loslaufen, frei nach dem Motto: Haltet den Verbrecher", sagte Roth der Zeitung "Die Welt".

Ein Bundesliga-Schiedsrichter hatte am 17. Dezember die Vorwürfe gegen den bisherigen Schiedsrichter-Sprecher Amerell an Roth herangetragen.

Roth setzte DFB-Präsident Theo Zwanziger erst Mitte Januar davon in Kenntnis.

Niersbach gibt Roth Rückendeckung

Rückendeckung bekam Roth von DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.

"In diesem Fall steht die Sorgfalt absolut über der Schnelligkeit. Ich betone deutlich: Wir sind allen Beteiligten gegenüber verpflichtet, sie größtmöglich zu schützen. Ich wäre hier vorsichtig mit jeder Kritik", erklärte Niersbach.

Schiedsrichterwesen in der Kritik

Rauball hatte das DFB-Schiedsrichterwesen zuletzt als "Geheim-Orden" bezeichnet und eine "personelle Neuordnung" gefordert.

Die wird es spätestens im Oktober geben, wenn der frühere Bundesliga- und FIFA-Unparteiische Herbert Fandel beim DFB-Bundestag Roth beerben soll.

Doch auch Zwanziger ist in Erklärungsnot geraten. Laut Rauball seien bei der DFB-Präsidiumssitzung am 4. Februar die Anwesenden nur zum Fall Amerell und eines nicht genannten Schiedsrichters informiert worden.

Dass möglicherweise mehrere Unparteiische Amerell belasten, habe Rauball erst später erfahren.

Verwirrspiel um SMS

Fragen wirft ebenso die Tatsache auf, warum eine vermeintliche SMS eines Bundesliga-Schiedsrichters an Amerell nicht in der Präsidiumssitzung erwähnt wurde.

Diese SMS, die eine "einvernehmliche Beziehung" belegen soll, soll Amerell am 13. Januar - also einen Monat nach der Anklage des Referees bei Roth - erhalten haben.

Gezeigt haben soll Amerell, der von seinen Ämtern zurückgetreten ist, aber die Vorwürfe nach wie vor bestreitet, diese SMS am 1. Februar drei Tage vor der Präsidiumssitzung Zwanziger, Niersbach und Personalchef Stefan Hans.

Koch gibt Posten auf

Da sich DFB-Vize-Präsident Rainer Koch beim Informationsfluss übergangen fühlt, hatte er in der vergangenen Woche seine Zuständigkeit im Präsidium für das Schiedsrichterwesen abgegeben.

Unterdessen hat DFB-Justiziar Jörg Englisch die internen Ermittlungen abgeschlossen. Ob Amerell auch ein juristisches Nachspiel droht, ist noch offen. "Das ist nicht ausgeschlossen", sagte Zwanziger der "Bild-Zeitung".

Zwanziger lobt Mut

Zwanziger stellte in diesem Interview dem besagten Referee, der bis auf Weiteres keine Bundesliga-Spiele leitet, ein baldiges Comeback in Aussicht.

"Hier hat ein junger Mann in einer extrem schwierigen Situation richtig gehandelt", erklärte Zwanziger: "Sein Mut muss honoriert werden. Vom DFB, aber auch von den Fans."

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