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DSF-Chefreporter Christian Ortlepp (l.) im Gespräch mit Manfred Amerell © getty

Manfred Amerell äußert sich im DSF zu den Vorwürfen. Er spricht über die rechtliche Vorgehensweise und Selbstmordgedanken.

Von Mathias Frohnapfelund Christian Ortlepp

München - Manfred Amerell ist stark unter Druck geraten.

Der DFB hat den Rücktritt des Schiedsrichtersprechers begrüßt und festgestellt, "dass Herr Amerell seine Pflichten als Mitglied des Schiedsrichterausschusses klar verletzt hat."

Jetzt äußerte sich Amerell im DSF zu den Vorwürfen, er solle andere Schiedsrichter belästigt haben.

Michael Kempter und vier vier weitere Unparteiische hatten Amerell schwer belastet.

"Das Verhältnis war freundschaftlich"

"Ich schließe aus, Kempter bedrängt oder belästigt zu haben. Das Verhältnis war freundschaftlich und sehr eng. Von Bedrängen oder Belästigung kann keine Rede sein", sagte Amerell.

Er spricht zudem über sein "neues" Leben in der Anonymität und Selbstmordgedanken.

"Es geht mir nicht so gut und es treten Gefühle auf, die ich im Rückblick auf die Geschehnisse des letzten Jahres (Anm. der Red.: Freitod von Robert Enke) jetzt auch nachvollziehen kann", erklärte Amerell zu seinem Gefühlszustand.

Amerell: "Kenne Vorwürfe nicht"

Am meisten, so Amerell, belaste ihn, dass ihm vom DFB bislang keine konkreten Vorwürfe vorgelegt wurden:

"Ich kenne den Vorwurf nur aus den Medien, keine konkreten Dinge, kein Detail, kein Schriftstück oder Ähnliches."

Und er fügte an: "Jedem Mensch steht das Recht zu, sich auf einen Vorwurf, der nach Außen transportiert und als Tatbestand festgestellt wurde, zu rechtfertigen. Es kann nicht sein, dass ich bis heute keine Akten zur Verfügung gestellt bekomme, um mich mit dem Sachverhalt auseinanderzusetzen."

Amerell streitet Bevorzugung ab

Ausführlich antwortete Amerell auch auf die Vorwürfe, ob ob er seine Position im Schiedsrichterausschuss des DFB ausgenutzt habe:

"Ich konnte in meiner Position Schiedsrichter, die in der Dritten oder der Zweiten Liga pfeifen und in die Bundesliga wollten, nicht dorthin befördern. Wer aufsteigt, wird über die Schiedsrichterkommission des DFB entschieden."

Explizit sagte Amerell auch: "Jeder Bundesliga-Schiedsrichter, der sich da oben reinpfeift, muss sich nicht 'reinschlafen'!"

Die Entscheidungen seien immer einstimmig gefällt worden. "Wer nicht pfeifen kann, der kann über Beziehungen machen, was er will."

Keine juristischen Schritte

Der DFB hat indes die "Akte Manfred Amerell" geschlossen und wird nicht juristisch gegen den Ex-Schiedsrichtersprecher vorgehen.

Zudem macht sich DFB-Boss Theo Zwanziger für den guten Ruf von Bundesliga-Referee Michael Kempter sowie eine Reform des Schiedsrichterwesens stark.

Zwanziger erklärte vor dem Frauen-Länderspiel gegen Nordkorea in Duisburg, dass der DFB strafrechtlich gegen Amerell "nicht aktiv" wird.

Der DFB-Präsident betonte, dass der Rücktritt von Amerell "notwendig" gewesen sei.

Er sei damit einer Enthebung von seinen Ämtern zuvor gekommen. "Es ging für uns nur darum, dass es von Amerells Seite eine Pflichtverletzung gegeben hat", sagte Zwanziger.

Kritik an Volker Roth

Zwanziger kritisierte erstmals Schiedsrichter-Boss Volker Roth, der die Vorwürfe gegenüber Amerell erst mit einen Monat Verspätung an Zwanziger weitergeleitet hatte.

"Er hat Fehler gemacht. Das war nicht in Ordnung", sagte Zwanziger.

Roth soll sein Amt trotzdem bis zum DFB-Bundestag im Oktober ausüben.

Als Nachfolger für Roth hat sich Zwanziger für Herbert Fandel eingesetzt. Den früheren Bundesliga- und FIFA-Schiedsichter bezeichnete Zwanziger als `Wunschkandidaten".

Amerell vertraut auf seinen Anwalt

Sollten sich Kempter oder die vier weiteren Unparteiischen, die Amerell belastet haben, für strafrechtliche oder zivilrechtliche Mittel entscheiden, würde der DFB das "nicht behindern".

Amerell sagte zum weiteren Vorgehen: "Die Angelegenheit wird von meinem Anwalt beantwortet. Ich habe das Interview hier nur gemacht, um die Angelegenheit in der Öffentlichkeit im Detail darzustellen. Alles andere muss und wird der Anwalt machen."

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