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Die ehemaligen Bundesligaprofis Lars Müller (l.) und Ingo Hertzsch sind für RB Leipzig aktiv © getty

Red Bull will den Oberligisten RB Leipzig bis in die Bundesliga führen. Das Marketingprojekt hat aber Risiken und Nebenwirkungen.

Von Marcel Braune

München/Leipzig - Wenn alles nach Plan läuft, dann soll in Leipzigs verwaister WM-Arena bald endlich wieder Spitzen-Fußball zu sehen sein.

Mit den Millionen eines Brause-Herstellers will das im vergangenen Sommer neu gegründete Team von RB Leipzig zum Höhenflug ansetzen.

"Der Plan ist, dass in etwa sechs Jahren die Bundesliga erreicht wird und daran halten wir fest", sagt Kapitän Ingo Hertzsch im Gespräch mit Sport1.de.

Der Ex-Nationalspieler hat dafür den Weg von der Zweiten in die Fünfte Liga angetreten, die aber nur eine kurze Zwischenstation sein soll.

Praktisch seit Saisonbeginn liegen die "Bullen" in der NOFV-Oberliga Süd an der Tabellenspitze, derzeit beträgt der Vorsprung auf Verfolger FSV Bautzen bei einem Spiel weniger vier Punkte.

Profis in der Oberliga

Der Erfolg hängt maßgeblich am Einkauf zahlreicher Ex-Bundesligaprofis wie Hertzsch, Lars Müller, Thomas Kläsener oder Nico Frommer.

"Es ist etwas völlig anderes, einen Verein mit aufzubauen und mitzuhelfen, neue Strukturen zu entwickeln", erklärt der 32-Jährige und verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen:

"Leipzig liegt in der Nähe meiner Heimatstadt Meerane, das ist ein positiver Nebeneffekt."

Das allein lockte Hertzsch aber nicht zurück in die Heimat, wie er freimütig zugibt: "Natürlich sind die Gehälter bei RB Leipzig nicht mit denen normaler Oberliga-Spieler zu vergleichen."

Das Geld dafür stammt von Red Bull, auch wenn der Klub gezwungenermaßen als RasenBallsport firmiert. So wird das vom DFB vorgegebene Werbeverbot im Vereinsnamen umgangen, wie früher bei LR Ahlen.

"Nicht lange in der Regionalliga aufhalten"

Die Zuversicht ist groß, die hohen Ziele erreichen zu können. "Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir uns bei einem Aufstieg auch in der Regionalliga nicht lange aufhalten wollen" sagt Pressesprecher Hans-Georg Felder zu Sport1.de.

Der 44-jährige, der zuvor elf Jahre bei Hertha BSC als Medienchef tätig war, hat daher auch den Weg zum Fünftligisten angetreten:

"Denn wenn sich Red Bull etwas in den Kopf setzt, kann man davon ausgehen, dass es von Erfolg gekrönt ist."

Firmenbesitzer Dietrich Mateschitz pumpt über sein global agierendes Getränke-Imperium jährlich rund 200 Millionen Euro in den Sport.

In der sächsischen Messestadt will der Multi-Millionär den deutschen Markt in Angriff nehmen, nachdem er neben dem Formel-1-Team bereits Fußballklubs in Salzburg und New York installiert hat.

Markranstädt statt Düsseldorf oder Berlin

Zuerst war ein Einstieg bei bei Fortuna Düsseldorf, danach bei Union Berlin geplant. Doch dort scheiterte man laut eigener Aussage an "der zu großen Tradition der Vereine".

Im Frühjahr 2009 wurde der Geldgeber dann in Markranstädt fündig, einer Kleinstadt am südwestlichen Rand von Leipzig.

"Der SSV Markranstädt war ein Verein, der sehr solide und mit sauberen, klaren Strukturen geführt wurde. Die Verantwortlichen mussten nicht lange überlegen, um einen Kooperationsvertrag mit uns abzuschließen", erinnert sich Felder.

Der Start für RasenBall war jedoch alles andere als einfach. Gegner des "Kunstprojektes" störten den Trainingsauftakt und verhinderten das erste Saisonspiel durch Giftattacken auf den heimischen Rasen.

Bespuckt und bedroht

Beim Spiel in Jena drohte der Widerstand zu eskalieren: "Wenn Spieler bespuckt und bedroht werden, hat dass nichts mehr mit Fußball zu tun. Wir mussten ungeduscht in den Bus steigen, so was vergisst man natürlich nicht", erzählt Hertzsch.

Seitdem wird jedes Spiel der RasenBaller als Sicherheitsspiel eingestuft.

Der Widerstand gegenüber dem neuen Team hängt mit der tief verfeindeten Fan-Szene in Leipzig zusammen. Die Stadt ist seit Jahrzehnten in die Lager des FC LOK Leipzig und des FC Sachsen Leipzig geteilt.

Diese Mannschaften bestimmen das fußballerische Bild der Stadt und in der Region. Allerdings bleibt der sportliche Erfolg seit Jahren aus.

"Seit zig Jahren kämpfen zwei Leipziger Traditionsvereine um die Vormachtstellung, doch der große Wurf ist aus unterschiedlichen Gründen bislang ausgeblieben", erklärt Felder die Sicht von RB.

"Ohne Angst ins Stadion"

"Unsere Zuschauer sollen ohne Angst ins Stadion gehen können und sich an hochklassigem Fußball erfreuen. Ich glaube, dass viele Leipziger es leid sind, mit Ausschreitungen konfrontiert zu werden."

Der Wunschgedanke der "Bullen" ist es, dass die beiden Traditionsvereine erkennen, dass auch sie vom Bundesliga-Unternehmen profitieren können

"Die Rene Adlers dieser Welt sollen zukünftig in Leipzig professionell Fußball spielen können", so Felder mit Verweis auf den aus der Stadt stammenden Nationaltorwart.

Doch dieses ehrenhafte Vorhaben wird sich noch vielen Barrieren stellen müssen, denn die Anhänger der vielen bislang untereinander verfeindeten Klubs im Osten haben nun ein gemeinsames Feindbild.

"Natürlich ist uns der Konflikt Tradition gegen Kommerz bekannt, aber wenn man in der Bundesliga spielen möchte sind gewisse wirtschaftliche Gegebenheiten Voraussetzung", sagt Felder.

"Aber auch wir schmeißen nicht wie Prinz Karneval mit Geld um uns."

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