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Theo Zwanziger ist seit 2006 Präsident des Deutschen Fußball-Bundes © getty

Der DFB bemüht sich um Aufklärung. Der Vorwurf: Amerell soll Referees belästigt haben. Amerells Anwalt geht indes in die Offensive.

München - Die Zahl der im "Fall Manfred Amerell" betroffenen Schiedsrichter liegt höher als bisher bekannt.

"Die kolportierte Zahl von vier Betroffenen ist falsch. Es sind mehr", sagte Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), in Interviews mit den Tageszeitungen "Welt" und "Hamburger Abendblatt".

Laut Zwanziger seien außerdem "noch ein paar Briefe eingegangen, teilweise anonym, teilweise auch nicht, die uns weitere Hinweise gegeben haben und denen wir nun auch nachgehen." Amerell soll Schiedsrichter belästigt haben.

Zwanziger sagte, dass es bei den Vorwürfen gegen Amerell "im Kern um den Missbrauch eines Amtes" gehe.

Kempter soll bald wieder pfeifen

"Das Problem ist doch, wenn ein Abhängigkeitsverhältnis entsteht, dass zu Vor- oder Nachteilen für junge Schiedsrichter führt. Das ist für ein objektives Beurteilungsverfahren nicht akzeptabel", sagte der DFB-Boss weiter.

Schiedsrichter Michael Kempter hatte die Affäre ins Rollen gebracht, als er sich an Schiedsrichter-Boss Volker Roth wandte.

Der Referee, der derzeit nicht eingesetzt wird, soll nach dem Willen von Zwanziger nun auch so schnell wie möglich wieder in den Spielbetrieb eingegliedert werden.

"Er hat sich nicht als homosexuell bezeichnet und es spielt auch keine Rolle. Die Fans können zeigen, ob sie so sind, wie sie beim Tod von Robert Enke waren, oder doch ganz anders."

Amerell mit Suizidgedanken

Gedanken mache sich der Verbands-Präsident aber auch um Amerell selbst, weil dieser bereits Suizidgedanken geäußert habe.

"Darüber mache ich mir Sorgen", sagte er, blieb allerdings hart dahingehend, dass die Affäre restlos aufgeklärt werden müsse:

"Es kann nicht jeder, der Suizidgedanken äußert, plötzlich als Opfer gelten, und wir stellen dann unsere Ermittlungen ein. Für ihn wären jetzt gute Freunde wichtig, die ihn richtig beraten und ihn zur Einsicht und zur Bereitschaft bringen, die Wahrheit einzuräumen."

Fandel als Nachfolger von Roth

Der ehemalige Referee Herbert Fandel (Kyllburg) soll dem scheidenden Schiedsrichter-Boss Volker Roth im Herbst nachfolgen und entsprechende Neuerungen einleiten.

Von der angedachten Ausgliederung der Unparteiischen zum Beispiel unter die Obhut der Deutschen Fußball Liga (DFL) hält Zwanziger hingegen nichts:

"Wer gibt mir denn die Garantie, dass alles besser läuft, nur weil jetzt die DFL zuständig sein sollte? Auch der beispielsweise von Herrn Magath geforderte Profi-Schiedsrichter bliebe ein Mensch, der Fehler machen kann. Dennoch arbeiten wir bei den Reformen eng mit der DFL zusammen."

Mündliche Verhandlung in München

In der "Affäre Manfed Amerell" wird das Landgericht München I indes eine mündliche Verhandlung anberaumen.

Anlass ist nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung", dass dem Gericht ein Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung auf Unterlassung vorliegt.

Laut der Münchner Anwaltskanzlei Paproth, Metzler und Partner, die Amerell vertritt, soll dieser Termin bereits Anfang März stattfinden.

Rechtsanwalt Jürgen Langer hatte den Antrag am 18. Februar gestellt, zwei Tage, nachdem der DFB in einer umfangreichen Presseerklärung schwere Vorwürfe gegen Amerell erhoben hatte.

Vorwürfe sollen geklärt werden

"Im Wesentlichen", sagte Langer, "wird es um die Prüfung der Frage gehen, ob Herr Amerell, wie vom DFB behauptet, in der Vergangenheit mehrere Personen bedrängt und/oder belästigt hat und ob es zu den behaupteten Übergriffen gekommen ist."

Der Schritt vor den Richtertisch bringt insofern neue Brisanz in die Affäre, als nun Inhalte der verbandsinternen Anhörungen öffentlich verhandelt werden sollen.

Da es um die Glaubhaftmachung der Vorwürfe gehe, könnte dies auch Zeugeneinvernahmen erfordern.

Anwalt Langer sagt, er habe bis zuletzt vergeblich auf Akteneinsicht gedrängt beim DFB.

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