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Michael Kempter beim Interview-Termin mit dem DSF in Frankfurt © SPORT1

Schiedsrichter Michael Kempter äußert sich im DSF über die Geschehnisse im "Fall Amerell" und ist dabei schonungslos offen.

München - Im "Fall Amerell" kommen immer mehr Einzelheiten ans Tageslicht.

Nachdem der ehemalige Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell sich bereits zu den Vorwürfen geäußert hat, erklärt sich nun auch Michael Kempter zu den Geschehnissen.

Bereits im Dezember hatte sich der Schiedsrichter dazu entschlossen, sich DFB-Schiedsrichter-Chef Volker Roth anzuvertrauen.

"Es gab klare Annäherungsversuche von ihm. Das ging schrittweise, zunächst von der Hand auf dem Oberschenkel, dann immer weiter in Richtung Genitalbereich, unter anderem auch mit Küssen und er hat seine Hände auch auf den Genitalbereich gelegt", sagt Kempter im Interview mit dem DSF. (VIDEO: Kempter-Interview Teil 1, Teil 2 und Teil 3)

Reaktion vom Amerell-Anwalt

Ebenfalls gegenüber dem DSF reagiert Manfred Amerells Anwalt Jürgen Langer auf die Aussagen von Kempter.

"Manfred Amerell hat das Interview und die deutlichen Aussagen zur Kenntnis genommen - und zwar mit hoher Irritation, das muss ich ganz klar so sagen", so Langer. "Am 4. März wird ein Termin zur möglichen Verhandlung am Landgericht München I stattfinden. Dann wird die Wahrheit ans Licht kommen und ich möchte dem nicht vorgreifen."

Und Langer weiter: "Ob Michael Kempter mit diesem Interview so gut beraten war, möchte ich nicht kommentieren. Das bleibt denjenigen überlassen, die ihm zu diesem Schritt geraten haben."

Im Interview mit dem DSF spricht Michael Kempter über...

seinen Gang an die Öffentlichkeit:

"Unter anderem hatte ich die Information, dass Manfred Amerell zu einem jüngeren Schiedsrichter gesagt hat 'Darf ich dich meinen Schatz nennen?' und das war für mich die letzte Etappe, zu sagen: Alles was recht ist, so kann es nicht weitergehen. Jetzt sind auch andere Menschen mit im Spiel, und das verkraftet nicht jeder. Der Sache musste ein Ende bereitet werden."

sein Verhältnis zu Manfred Amerell:

"Manfred Amerell kenne ich seit dem Aufstieg in die Regionalliga, ungefähr neun Jahre. Wir hatten von Anfang an eine recht gute Verbindung zueinander. Er ist eben der süddeutsche Schiedsrichter-Obmann und somit der erste Ansprechpartner für mich als junger Schiedsrichter."

Druck und Abhängigkeit durch Amerell:

"Ja, auf alle Fälle war die Abhängigkeit vorhanden. Er hat die Ansetzungen in der Regionalliga gemacht und ich war abhängig davon, dass ich von ihm Spiele bekomme. Mir wurde schon auch mal gedroht, dass manches Auswirkungen auf die Ansetzungen haben kann und da war ich schon immer eingeschüchtert."

seine eigene Sexualität:

"Ich bin heterosexuell. Ich kenne auch Schwule in meinem Bekanntenkreis. Das ist absolut kein Problem für mich. Aber in diesem Fall hat das einfach eine andere Dimension und es ging dabei nicht nur um mich, sondern generell auch um andere Schiedsrichter. Deshalb war es dringend erforderlich, den Schritt zu Volker Roth zu gehen."

Manfred Amerells Sexualität:

"Das kann und will ich so nicht sagen. Das ist zunächst jedem selbst überlassen, wie er veranlagt ist und was er in den eigenen vier Wänden macht. Aber es kann halt nicht sein, dass er sich gegen meinen Willen oder den der anderen Schiedsrichter Sachen heraus nimmt, die sittenwidrig sind."

Amerells Annäherungsversuche:

"Die ersten Annäherungsversuche liegen schon länger zurück, sicher fünf Jahre und das hat sich immer weiter entwickelt. Es gab klare Annäherungsversuche von ihm. Das ging schrittweise, zunächst von der Hand auf dem Oberschenkel, dann immer weiter in Richtung Genitalbereich, unter anderem auch mit Küssen und er hat seine Hände auch auf den Genitalbereich gelegt. Das Schwierige war, für mich erstmal zu klären, wem ich dazu überhaupt etwas sagen kann."

seine Reaktion:

"Meine Haltung war immer so, dass ich den Kopf zurückgezogen habe und so weiter. Aber wenn es dann massiver wird, kann man sich dem irgendwann nicht mehr entziehen. Ich war in einer Drucksituation, ich wollte unbedingt pfeifen. Ich habe alles auf die Schiedsrichterei ausgelegt, Beruf und Familie - es ist einfach schwierig gewesen, nach oben zu kommen und doch die Grenzen entsprechend aufzuzeigen. Deshalb habe ich mich auch jetzt erst gemeldet, weil ich Angst um meine Schiedsrichter-Karriere hatte."

seine Zukunft:

"Ich hoffe, dass ich mein Hobby weiter ausüben kann und hoffe auch auf den Respekt der Fans. Laut Volker Roth und Dr. Zwanziger steht meine nächste Ansetzung kurz bevor."

seine SMS an Manfred Amerell, die von ihm veröffentlicht wurde:

"Ich war so erschüttert, wie ein Mensch die Täter- und Opferrolle derart vertauschen kann. Für mich war wichtig, dass ich das mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Ich habe die Wahrheit gesagt. Ich wollte das alles eigentlich erstmal intern behandeln. Die Öffentlichkeit hat ja er überhaupt erst damit in Aufruhr gebracht. Die Aussagen, die er dazu tätigt, entsprechen nicht der Wahrheit."

mögliche Drohungen von Manfred Amerell nach dem Gespräch mit Volker Roth:

"In einer einzigen SMS hat er gesagt, dass es für mich auch ein schlechtes Ende nehmen würde, wenn ich meine Aussagen nicht zurück nehme. Manfred Amerell sollte sich dazu bekennen - mein Schritt beruht auf Fakten. Ich tat es nicht nur für mich, sondern auch für andere Schiedsrichter."

die Reaktion von Dr. Theo Zwanziger zu diesem Fall:

"Er stand jederzeit sehr hinter mir und hat alles sofort lückenlos aufgedeckt und die Unterstützung von ihm und Volker Roth und vom DFB war sehr wichtig für mich."

die Reaktion seiner Familie:

"Das war eigentlich das Allerschlimmste, es meiner Familie vor zwei Wochen mitzuteilen. Die waren natürlich schwer erschüttert und haben auch geheult, dass es so was eigentlich gibt."

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