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Theo Zwanziger ist seit 2006 Präsident des Deutschen Fußball-Bundes © getty

Theo Zwanziger verteidigt die Vorgehensweise des DFB im "Fall Amerell" mit dem Hinweis auf den Schutz der betroffenen Personen.

Frankfurt/Main - Präsident Theo Zwanziger hat die Vorgehensweise des DFB im "Fall Manfred Amerell" verteidigt und den staatlichen Behörden die Unterstützung des Verbandes bei der Aufklärung zugesagt.

"Wir kehren nichts unter den Teppich und sind transparent mit den Vorgängen umgegangen. Aber wir können auch nicht immer alles gleich sagen, weil wir auch eine Schutzpflicht gegenüber unseren jungen Schiedsrichter haben", erklärte Zwanziger.

Zuletzt hatte es Kritik an der Aufklärungsarbeit des DFB gegeben.

Amerells Anwalt mit Unverständnis

Amerells Anwalt Jürgen Langer reagierte mit Unverständnis auf die Aussagen Zwanzigers.

"Die Persönlichkeitsrechte der Schiedsrichter werden geschützt, aber die Intimsphäre meines Mandanten mit Füßen getreten", sagte Langer.

Er kündigte an: "Der DFB wird nächste Woche Farbe bekennen müssen."

Verhandlung am Landgericht München

Der mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht München I am 4. März, zu der die DFB-Spitze nicht geladen ist, blickt Zwanziger dennoch gelassen entgegen.

"Sollten wir von den staatlichen Behörden gebeten werden, unsere Erkenntnisse in dem Fall herauszugeben, dann werden wir das tun", betonte Zwanziger.

Der DFB-Boss stellte zudem die rasche Rückkehr von Michael Kempter auf den Platz in Aussicht.

Zwanziger: "Er sollte schnell wieder pfeifen." Kempter hatte am Dienstag Amerell mit intimsten Details über den Skandal erstmals in aller Öffentlichkeit schwer belastet.

Rücktritt notwendig

Zwanziger unterstrich nochmals die Notwendigkeit von Amerells Rücktritt vom Posten des Schiedsrichtersprechers.

Dem DFB-Boss liegt seit 15. Februar ein Brief von einem Unparteiischen des Bayerischen Verbandes vor, der darin ein "merkwürdiges Verhalten" und "öffentliche Liebkosungen" zwischen Amerell und einem Schiedsrichter im Rahmen eines Lehrganges in Duisburg-Wedau beschreibt.

Nur eine mögliche Entscheidung

"Das, was er in dem Brief schildert, deckt sich mit den Angaben in unseren Unterlagen. Deshalb gab es für uns keine andere Entscheidung, als Amerells Rücktritt zu akzeptieren", meinte Zwanziger, der nochmals auf die Intention des DFB hinwies.

Es gehe nicht darum, wer mit wem etwas habe, wer Täter und wer Opfer sei.

Besondere Verpflichtung im Amt

"Über Homosexualität im Fußball zu reden, das passt mir schon. Aber es ist immer schlecht, wenn Dinge miteinander vermischt werden, die an dieser Stelle nichts miteinander zu tun haben", sagte Zwanziger im DSF:

"Das hat einfach damit zu tun, ob man die Grenzen, die ein Amt setzt, überschritten hat", sagte der Verbands-Präsident: "Und ob man private Neigungen mit dienstlichen Pflichten verbindet."

Unverständnis äußerte Zwanziger darüber, dass sich Amerell vom DFB offenbar im Stich gelassen fühlt.

Neustrukturierung des Schiedsrichterwesens

"Wenn er sich ungerecht behandelt fühlt", sagte der 64-Jährige, "dann nicht vom DFB, sondern von den Menschen, die seiner Meinung nach nicht in allen Punkten die Wahrheit gesagt haben."

Für die Zukunft kündigte Zwanziger die Neustrukturierung des Schiedsrichterwesens an.

Notwendige Distanz

Der, der bewerte, müsse distanziert sein. Dabei wird an einen ständigen Wechsel des Aufsichts-Personals und an die Installierung von Gremien gedacht, "die die Logik von Entscheidungen wie Ansetzungen hinterfragen".

Derzeit arbeiten der designierte DFB-Schiedsrichter-Obmann Herbert Fandel, DFB-Direktor Stefan Hans, DFB-Abteilungsleiter Lutz Michael Fröhlich und DFL-Referee-Experte Hellmut Krug an einem Modell, das dem DFB-Präsidium Mitte März vorgestellt wird.

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