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Polens Premier Donald Tusk und UEFA-Prä- sident Platini freuen sich auf die EM 2012 © getty

Die EM 2012 in Polen scheint gesichert. Verband und nationalen Regierung erzielen nach langen Streitigkeiten eine Einigung.

München/Brüssel - Polen hat den drohenden Entzug der Fußball-Europameisterschaft 2012 im letzten Moment abwenden können. Die FIFA akzeptierte am Montag eine Einigung der polnischen Regierung mit dem nationalen Verband, dessen Führung vor Wochenfrist auf politischen Druck hin abgesetzt worden war.

"Wir haben Briefe und Dokumente darüber erhalten, dass es einen Kompromiss zwischen dem Fußball-Verband und der polnischen Regierung gibt", sagte FIFA-Präsident Joseph S. Blatter vor Reportern in Brüssel.

Die FIFA sehe von jeglichen Sanktionen ab, sollte die Übereinkunft am Dienstag in Kraft treten, so der 72 Jahre alte Schweizer.

Der Weltverband hatte Polen wegen Einmischung der Politik in der vergangenen Woche suspendiert und ein Ultimatum bis Montagmittag 12.00 Uhr MESZ gesetzt. Gleichzeitig hatte die UEFA offen mit dem Entzug der Endrunde 2012 gedroht.

WM-Quali-Spiele finden statt

Erst am Nachmittag gab Blatter Entwarnung und stimmte einem zuvor vom abgelösten polnischen Verband und der Regierung erarbeiteten Kompromissvorschlag zu.

Dem EM-Gastgeber 2012 hatte zudem der Ausschluss aus der laufenden WM-Qualifikation gedroht. Die FIFA sprach in einer Presseerklärung von einer "positiven Entwicklung" in Bezug auf den Verband PZPN.

Damit können die bevorstehenden WM-Qualifikationsspiele Polens gegen Tschechien (11. Oktober) und der Slowakei (15. Oktober) wie geplant stattfinden.

In der Verlautbarung der FIFA heißt es, dass sich das Sportministerium zu den Prinzipien der Vereinbarung mit der FIFA und der UEFA von 2007 bekannt habe. Dies betreffe vor allem die Wiedereinsetzung des unabhängigen Wahlkomitees ICE. Diese Kommission soll einen korrekten Verlauf der bevorstehenden Verbands-Neuwahlen Ende des Monats garantieren.

Blatter erleichtert

Blatter erklärte, er habe Vertrauen in die Regierung und den polnischen Verband, dass die Beschlüsse entsprechend umgesetzt werden. "Es tut mir auch leid, dass wir bei einer solchen großen Fußball-Nation eingreifen mussten. Aber umso froher bin ich nun, dass wir eine Lösung gefunden haben."

Sobald das ICE seine Arbeit aufgenommen hat - spätestens soll dies am Dienstag der Fall sein - wird laut FIFA die von Polens Sportminister Miroslaw Drzewiecki nach zahlreichen Skandalen abgelöste Verbandsführung um Präsident Michal Listkiewicz ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Staatliche Einmischung tabu

Das Nationale Olympische Komitee Polens hatte in der vergangenen Woche in Robert Zawlocki einen unabhängigen Verwalter eingesetzt.

FIFA und UEFA hatten Zawlocki allerdings nicht anerkannt und auf die Autonomie des Sports gepocht; staatliche Einmischung werde strikt abgelehnt, deshalb hatte der Weltverband Polen suspendiert und ein Ultimatum gestellt.

"Kaiser" diskutiert über den Fall

Die FIFA kündigte allerdings an, dass sie die weitere Entwicklung und die Einhaltung der Richtlinien genau beobachten werde.

Der Fall werde nochmals am 23./24. Oktober auf einer Sitzung des Exekutiv-Komitees der FIFA unter Beteiligung von Franz Beckenbauer diskutiert.

Schon 2007 Ärger mit Polen

Der von der FIFA suspendierte Verband PZPN hatte dem Weltverband bis zur Deadline am Montag offenbar einen mit der Regierung abgestimmten Kompromiss-Vorschlag unterbreitet.

"Wir erhoffen uns, dass die FIFA den Plan akzeptieren wird", hatte der von seinen Aufgaben in der vergangenen Woche entbundene PZPN-Präsident Michal Listkiewicz erklärt.

Erst im vergangenen Jahr war Polen einem Ausschluss durch den Weltverband knapp entgangen. Damals hatte die Regierung die Geschäftsführung des nationalen Fußball-Verbandes ebenfalls entlassen, dann aber fristgerecht wieder eingesetzt.

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