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Im zehnten Spiel landet der Ball das erste Mal im gegnerischen Netz © getty

Beim 1. FC Germania Forchheim spielen Deutschlands schlechteste Fußballer. Jetzt gibt es sogar Grund zu feiern.

Forchheim - "Toooooooooooooooooooor" steht auf der Webseite vom 1. FC Germania 08 Forchheim, dazu explodieren virtuell die Feuerwerkskörper.

Es gibt tatsächlich Grund zum Feiern in der alten Königsstadt in Oberfranken, denn Deutschlands schlechteste Fußball-Mannschaft hat ihren ersten Treffer erzielt.

Dass sie in zehn Spielen der zweiten Kreisklasse rekordverdächtige 217 Gegentreffer kassiert hat, gerät im allgemeinen Jubel fast zur Nebensache.

"Es geht aufwärts"

"Sicher können wir nicht stolz auf unsere Bilanz sein, aber es geht aufwärts. Wahrscheinlich werden wir trotzdem absteigen", sagt der 2. Vorstand Manfred Rehn mit einem Augenzwinkern.

Patrick Hinz war der gefeierte Held, der beim Stand von 0:24 gegen Tabellenführer TSV Vestenbergsgreuth das historische erste Tor erzielte.

Am Ende ging das Spiel mit 1:25 verloren - ein bis auf die eins normales Resultat für das Team aus der 11.000-Einwohner-Stadt in der Nähe von Bamberg.

Vom Stammtisch auf den Fußballplatz

Zum Prügelknaben ist der Traditionsverein, der zum Beispiel auch Damengymnastik anbietet, ausgerechnet im Jahr seines 100. Jubiläums geworden.

Im Sommer suchten gleich 26 Spieler das Weite. Angeblich weil versprochene Prämien nicht gezahlt worden, dazu wurden ein paar Leistungsträger abgeworben und die anderen hatten einfach keine Lust mehr.

Also wurde eine Stammtischmannschaft als Ersatz verpflichtet.

Probetraining bei den Bayern?

"Die meisten von denen waren noch nie in einem Fußball-Verein. Die müssen erstmal lernen, dass das weiße Runde in das große Eckige muss", sagt Präsident Lothar Walenta: "Aber es wird von Spiel zu Spiel besser."

Kein Wunder, denn selbst Rekordmeister Bayern München hat ein Herz für die Forchheimer Thekenkicker.

Nach einem von einem Radiosender initiierten Spezialtraining der beiden bemitleidenswerten 08-Keeper bei Bayern-Torwarttrainer Walter Junghans gab es im nächsten Spiel mit einem 0:11 das bislang beste Resultat.

Kult statt Torflut

Angst, dass die Spieler irgendwann keine Lust mehr auf immer neue Klatschen haben, hat man in Forchheim nicht. "Momentan haben wir noch genügend Leute und die haben auch noch Lust zu spielen", vermeldet Manfred Rehn.

Schließlich hat die Pleitenserie Germania Forchheim so bekannt wie noch nie in der Geschichte gemacht und zahllose Kicker aus dem ganzen Land bieten über die Website ihre Dienste an.

Bei den Medien haben Deutschlands schlechteste Fußballer ohnehin Kultstatus erreicht und zu den Heimspielen kommen wegen der Torflut jetzt im Schnitt 150 statt 50 Fans.

Eine Sorge weniger für den leidensfähigen Präsidenten Walenta: "Da kann ich wenigstens die Schiedsrichter bezahlen."

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