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Franz-Xaver Wack leitete insgesamt 155 Bundesliga-Spiele © imago

Nächste Runde in der Affäre: Amerells Ehefrau beschuldigt Ex-Schiri Wack. Der Anwalt der Familie wittert eine Verschwörung.

Von Christian Stüwe

München - Die Schiedsrichter-Affäre um Manfred Amerell entwickelt sich mehr und mehr zu einer medialen Schlammschlacht.

Während am Montagmittag die Ehefrau Amerells in den prunkvollen "Königssaal" im Hotel "Bayrischer Hof" lud, um die nächste Runde zu eröffnen, legte der von Margit Amerell beschuldigte Ex-Schiedsrichter Franz-Xaver Wack im DSF nach.

Wack bezichtigte Amerell der Lüge.

Auf die Frage - "Nach allem, was Sie über Manfred Amerell wissen, was er getan hat, was er nicht getan hat, würden Sie sagen: Manfred Amerell lügt?" - antwortete Wack nach kurzer Pause: "Ja, eindeutig".

Keine Akteneinsicht Wacks

Wack, dem Amerells Anwalt Jürgen Langer vorgeworfen hatte, Akteneinsicht in das Verfahren seitens des DFB erhalten zu haben, wies die Anschuldigungen zurück.

Er kenne "bis zum heutigen Zeitpunkt keinerlei Protokolle, keinerlei Akten". Vielmehr habe er nur etwas aus den Gesprächen mit den betroffenen Schiedsrichtern erfahren. "Das reicht mir völlig aus", sagte Wack im DSF.

Auftritt im Blitzlichtgewitter

Margit Amerell hatte den Schlagabtausch mit Wack am Montagmittag im "Bayrischen Hof" in München eröffnet. Sie schritt durch das Blitzlichtgewitter, setzte sich hinter die zahlreichen Mikrofone und widersprach den Vorwürfen der sexuellen Belästigung durch den Ehemann von bislang vier Unparteiischen.

Vielmehr berichtete sie von einem Vorfall, der sich in der Nacht auf letzten Samstag zwischen 0.30 Uhr und 3 Uhr abgespielt haben soll.

Sprach Wack von "zehn Männern"?

Wack, ein guter Bekannter der Amerells, habe sie kontaktiert, um mit ihr zu sprechen.

"Ist Manfred da? Telefoniert ihr noch?", soll Wack gefragt haben. Im Anschluss soll Wack Amerell dahingehend versucht haben zu beeinflussen, dass sie ihren Mann dazu bringe, sich "am Montag zu stellen".

Er wisse von den Akten und von den "zehn Männern" die gegen Amerell ausgesagt hätten, soll Wack weiter gesagt haben.

"Schäbiger Abschied"

Dieses Vorgehen verurteilte Amerells Anwalt Jürgen Langer im Anschluss an Margit Amerells Erklärung auf das Schärfste. Bereits im Vorfeld der Presskonferenz hatte er das Vorgehen als "strafrechtlich relevant" bezeichnet.

Er berichtete von einer "freundschaftlichen Begrüßung" Amerells durch Wack und von einem "schäbigen Abschied", nachdem er sein Ziel nicht erreicht hatte.

Frau Amerell wollte Wack Namen entlocken

Wack widersprach den Schilderungen des Anwalts und Amerells Frau.

Vielmehr habe Frau Amerell ihn in ihr Hotel in der Nähe Augsburgs gelockt, "um Namen aus mir herauszubekommen. Und nachdem der Anwalt erschienen war, mich mit Dingen zu befeuern. Das hat mir gezeigt, dass Sie sehr wohl Kenntnis von allem hatte".

Zudem habe man ihm gedroht, "dass sowohl Herr Zwanziger als auch ich vor den Kadi gestellt werden", führte Wack aus.

"Wer ist eigentlich Fanz-Xaver Wack?"

Bei der Pressekonferenz am Mittag hatte Amerells Anwalt den DFB und Wack scharf kritisiert.

Angesichts des am Donnerstag beginnenden Prozesses im Fall Amerell am Münchner Landgericht. und des schwebenden Verfahrens dürfe es daher nicht sein, dass Wack Einsicht in Akten habe.

"Wir fragen uns, wieso einem Unbeteiligten, der seit zwei Jahren keine Funktion beim DFB mehr hat, intime Details aus Vernehmungsprotokollen zur Einsicht bereitgestellt werden", erklärte Langer der großen Runde von etwa 50 Journalisten.

"Wer ist eigentlich Franz-Xaver Wack? Und welche Rolle spielt er in diesem grausigen Schauspiel?", fragte der Anwalt weiter.

"Skandalöse Umstände" beim DFB

Langer attackierte im Zuge des angeblichen Vorfalls mit Wack auch den Verband heftig.

"Beim DFB herrschen skandalöse Umstände, davon kann ich mich nur mit Grauen abwenden", führte Langer aus. Demnach sei Wack "die zentrale Figur im Komplott" gegen seinen Mandaten.

Als einen der Hauptschuldigen hat der Anwalt zudem DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger ausgemacht.

"Wenn ein Volljurist, Rechtsanwalt und ehemaliger Oberverwaltungsrichter die Öffentlichkeit mit falschen Informationen bedient, dann vervollständigt dies das mir vorliegende Mosaik", sagte Langer.

Der Anwalt sprach gar von einem "System DFB" und einem "System Zwanziger".

Amerell sieht Wack als Hauptschuldigen

Manfred Amerell selbst bezeichnete ebenfalls Wack als Hauptschuldigen in der Affäre.

"Nunmehr liegt auf der Hand, welche Personen hinter der gegen mich geführten Schmutz- und Hetzkampagne stecken", sagte der ehemalige Schiedsrichter-Sprecher dem "kicker".

Wack habe bereits seit langer Zeit versucht, seinem Ansehen zu schaden, um seine Ämter zu übernehmen.

Wack wirft Amerell Ablenkungspolitik vor

Der Beschuldigte hingegen sieht in den Anschuldigungen Amerells Ablenkungspolitik.

"Am Samstag wurde Michael Kempter von Seiten Amerells der Homosexualität bezichtigt, am Sonntag Herr Zwanziger als Rechtsbrecher, ich heute als der Rufmörder. Es ist Zeit, alles aufzulösen", sagte Wack.

"Darum braucht ihr euch nicht kümmern"

Zudem berichtete Wack, dass bereits 2005 Vorwürfe gegen Amerell an ihn herangetragen wurden. "2005 gab es eine Sitzung vom Süddeutschen Fußball", erinnerte sich Wack.

Damals sei es zwischen ihm und Amerell zu einem Wortgefecht gekommen, woraufhin er die Sitzung verlassen habe. "Daraufhin bekam ich Informationen, weil ich als derjenige galt, der endlich was gegen Amerell sagt."

Diese Informationen besagten, dass Kempter "von 34. Spieltagen 28 bis 30. Spieltagen in München war. Und Amerell war immer sein Beobachter".

Dies habe er so auch an den Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses Volker Roth weitergegeben. "Roth hat daraufhin gesagt: 'Vielen Dank für die Info, ihr braucht euch aber nicht darum zu kümmern'", führte Wack aus.

"Es wird nur Verlierer geben"

Beim Prozess am Donnerstag erhoffen sich beide Lager mehr Licht in dem immer undurchsichtiger werdenden Fall.

"Diese Welt ist nicht in Ordnung", hatte Amerells Anwalt gleich zu Beginn seiner Ausführungen gesagt: "Und es wird in diesem Fall nur Verlierer geben."

So undurchsichtig die Lage auch ist, zumindest das scheint schon jetzt klar zu sein.

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