Im "Fall Amerell" ist nur noch die Frage, wie groß der Schaden für alle Beteiligten wird. Der FC Bayern tut das Richtige.

"Es wird in diesem Fall nur Verlierer geben", hat Manfred Amerells Anwalt Jürgen Langer kürzlich erst erklärt.

Die Einschätzung ist banal und floskelhaft, trotzdem trifft sie den Kern der Sache.

Mittlerweile ist im ebenso komplexen wie undurchsichtigen Geflecht der Affäre nur noch die Frage, wie groß das jeweilige Ausmaß der Niederlagen ist.

Besonders interessant ist die Frage bei DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Angetreten als liberaler Reformer eines konservativen Apparats, demonstriert er dem chaotischen Handling der Vertragsverlängerung von Joachim Löw erneut, dass souveränes Krisenmanagement wohl nicht seine Sache ist.

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Die außergerichtliche Beilegung der Unterlassungsklage Amerells gegen den DFB legt die Ungeschicklichkeit am besten offen.

Da lobt sich der DFB dafür, dass er mit der Einigung die Anonymität der geheimen Belastungszeugen gegen Amerell bewahrt hätte ? obwohl er diesem genau damit ermöglicht hat, die Schiedsrichter zu verklagen und ihre Identität so offen zu legen.

Ein Vorgang aus Absurdistan.

Zwanziger hat sich schon mächtig verheddert in den Fallstricken der Affäre ? und es ist gut möglich, dass sie ihn noch zu Fall bringen werden.

Gerade, weil er in Amerell einen Gegenspieler hat, der nach dem Verlust von Ämtern und Ruf eigentlich nicht mehr tiefer fallen kann.

Mit seinem TV-Auftritt am Donnerstagabend und der öffentlichkeitswirksamen Enthüllung einer angeblichen "Anti-Bayern-Mail" von Michael Kempter, ist es ihm in jedem Fall gut gelungen, den Blick von sich auf den DFB-Kronzeugen zu lenken.

Eine Sensation ist es dabei nicht, dass ein Schiedsrichter nicht der mythischen Wunschvorstellung der neutralen Instanz entspricht, sondern im Privaten Vorlieben und Abneigungen gegen bestimmte Vereine hegt.

Dass er allerdings ein mächtiges Problem hat, wenn eine davon öffentlich wird, darauf muss nicht extra hingewiesen werden.

Die Verantwortlichen des FC Bayern reagieren betont zurückhaltend auf die Enthüllung. Und daran tun sie gut.

Es kann nur in ihrem Interesse sein, das sumpfige Thema so weit wie möglich an sich vorbeigehen zu lassen, statt sich mit öffentlichem Furor zu Wort melden und sich von der Affäre erfassen zu lassen.

So würden sie sich nur einreihen in den Verbund der Verlierer.

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