vergrößernverkleinern
Zwischen 1986 und 1994 schiedste Manfred Amerell 66 Partien in der Bundesliga © getty

Anwalt Langer spricht von einem "Riesenschaden" für seinen Mandanten. Amerell kritisiert den DFB und wirft Kempter "Methode" vor.

München - Der ehemalige Schiedsrichter-Beobachter Manfred Amerell wird Referee Michael Kempter wegen angeblicher Verleumdung und Rufschädigung auf Schadenersatz in unbestimmter Höhe verklagen.

Amerells Anwalt Jürgen Langer bestätigte eine entsprechende Meldung des Nachrichtenmagazins "Spiegel" und sprach von einem "Riesenschaden" für seinen Mandanten.

"Es geht um die Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Michael Kempter hat schlicht die Unwahrheit gesagt. Er hat eine Lawine ins Rollen gebracht, in dessen Ergebnis Herrn Amerell ein Riesenschaden entstanden ist", sagte der Münchner Anwalt.

Die Streitsumme könne er noch nicht beziffern, auch der Zeitpunkt der Klage-Einreichung müsse "geprüft werden". Kempter hatte Amerell der sexuellen Belästigung bezichtigt. (VIDEO: Der "Fall Amerell" - Chronologie)

Einbruch in Langers Kanzlei

Amerells Anwalt hatte am Freitag eine Schrecksekunde zu überstehen. Unbekannte hatten in der Nacht versucht, sich unter Einsatz eines Brecheisens Zutritt zur Kanzlei Paproth, Metzler und Partner zu verschaffen, für die Jürgen Langer arbeitet.

"Es gibt hier zwei Türen. Die erste wurde geknackt, die zweite schafften sie nicht", sagte Lutz Paproth der "Süddeutschen Zeitung": "Es war kein sehr professioneller Versuch." Die Motive der Täter sind unklar.

Amerell hält Kempters Karriere für beendet

Amerell hat seine harsche Kritik am DFB nochmals bekräftigt und hält die Karriere von Referee Michael Kempter für beendet.

"Angesichts seiner Lügen kann ich mir eine Rückkehr nicht vorstellen", sagte der 63-Jährige in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Amerell, dem von Kempter und drei weiteren Schiedsrichtern "sexuelle Belästigung" und "Übergriffe" vorgeworfen werden, ging außerdem erneut mit dem DFB hart ins Gericht.

"Möglicherweise alte Rechnungen beglichen"

"Der DFB hat doch das Grundrecht auf den Schutz des Privatlebens und der Intimsphäre mit Füßen getreten, als er ohne jede Rechtsgrundlage und ohne Information des Betroffenen diese Vorwürfe öffentlich gemacht hat", erklärte Amerell und schloss nicht aus, dass "da möglicherweise alte Rechnungen beglichen" worden sind.

Methode bei Kempter?

Amerell wirft Kempter indirekt Methode vor.

"Vielleicht hat die Nominierung zum FIFA-Schiedsrichter den Ausschlag gegeben, denn der zeitliche Zusammenhang ist auffällig. Am gleichen Tag, als er von diesem entscheidenden Karrieresprung erfahren hat, hat er um den Gesprächstermin beim Schiedsrichter-Ausschussvorsitzenden Volker Roth gebeten."

Kempter hatte Schiedsrichter-Obmann Roth von den angeblichen Belästigungen unterrichtet und die Sache damit öffentlich gemacht. Amerell war daraufhin von seinem Posten zurückgetreten.

Emails sprechen "eindeutige Sprache"

Laut Amerell würden die Emails von Kempter an ihn eine "eindeutige Sprache sprechen", er forderte seinen ehemaligen Schiedsrichter-Schüler auf, er solle aufhören zu lügen.

"Es gibt keinen Menschen, der über drei Jahre hinweg solche Dinge schreibt, weil er unter Druck gesetzt wird. Das hält doch keiner aus, das macht doch keiner."

"Ich habe die Distanz verloren"

Sein eigenes Verhalten bewertete Amerell, der bereits in der Sat.1-Sendung "Kerner" am Donnerstag Stellung bezogen hatte, kritisch.

Auf die Frage, ob er im Verhältnis zu Kempter Fehler gemacht habe, sagte er:

"Eindeutig Ja. Ich habe irgendwann die zwingend notwendige Distanz verloren, da ist was gekippt, das kann man auch an dem sich ändernden Ton in den Mails ablesen. Ich habe etwas falsch gemacht, ja: Ich habe in meiner Funktion versagt, weil ich einer menschlichen Schwäche nachgegeben habe."

Kempter sollte zurücktreten

So wie er selbst solle nun auch Kempter die Konsequenzen ziehen, seine Karriere als Schiedsrichter sei vorbei:

"Das sollte auch Kempter langsam erkennen, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, die Wahrheit zu sagen. Man muss wissen, wann ein Spiel vorbei ist."

Zum Forum - Jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel