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Uli Hoeneß (l.) empfielt Kempter "überhaupt keine Mails" zu schreiben © getty

Im Fall Kempter will der FCB-Präsident "nicht zur Tagesordnung übergehen". Felix Magath will die "Dinge nicht überstrapazieren".

München/Köln - Nach der "Anti-Bayern-Mail" von Michael Kempter hat Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß Konsequenzen für den FIFA-Schiedsrichter gefordert.

"Man kann jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen und so tun, als würde diese Mail nicht existieren", sagte Hoeneß.

Er wertete es dabei nicht als mildernd, dass es sich bei der angeblichen Mail Kempters an den ehemaligen Schiedsrichter-Beobachter Manfred Amerell um privaten Schriftverkehrt handelte.

"Herr Kempter würde es besser so machen wie ich und einfach überhaupt keine Mails schreiben", sagte Hoeneß.

Hoeneß vertraut dem DFB

Bei den Untersuchungen vertraut der Bayern-Präsident dem DFB, der am Freitagabend dieselben eingeleitet hatte: "Der DFB wird die Dinge in diesem Fall schon richten."

Amerell hatte in der "Sat.1"-Sendung "Kerner" eine Mail öffentlich gemacht, die von Kempter stammen soll, in der es vor der 0:2-Niederlage des FC Bayern in der Champions League am 11. April 2007 gegen den AC Mailand hieß:

"Hoffentlich fliegen die Bayern gleich raus, dann können wir anstoßen."

"Bayern polarisiert halt"

Felix Magath wollte dagegen den angeblichen Inhalt der Mail nicht überbewerten.

"Es ist etwas störend, dass wir hier bei uns in Deutschland immer alles auf die Goldwaage legen. Ich glaube, wenn man im Fußball engagiert ist, dann hat man auch zu dem ganzen Geschehen irgendwelche Meinungen.", so der Trainer und Manager von Schalke 04.

"Und der FC Bayern: Er polarisiert halt, das will er ja auch. Der FC Bayern hat genauso viele Befürworter wie Gegner."

Magath weiter: "Und dass dann in einer Unterhaltung auch mal eine Aussage kommt wie 'Wenn die heute verlieren würden, würde ich mich freuen!' - ich glaube das ist doch ganz normal. Man sollte da die Dinge nicht überstrapazieren und solche Aussagen auch mal gelassener nehmen."

Amerell hält Kempters Karriere für beendet

Amerell dagegen hat seine harsche Kritik am DFB nochmals bekräftigt und hält die Karriere von Kempter für beendet. (VIDEO: Der "Fall Amerell" - Chronologie)

"Angesichts seiner Lügen kann ich mir eine Rückkehr nicht vorstellen", sagte der 63-Jährige der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Zuvor hatte er bereits erklärt: "Das sollte auch Kempter langsam erkennen, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, die Wahrheit zu sagen. Man muss wissen, wann ein Spiel vorbei ist."

Amerell, dem von Kempter und drei weiteren Schiedsrichtern "sexuelle Belästigung" und "Übergriffe" vorgeworfen werden, ging außerdem erneut mit dem DFB hart ins Gericht.

"Der DFB hat doch das Grundrecht auf den Schutz des Privatlebens und der Intimsphäre mit Füßen getreten, als er ohne jede Rechtsgrundlage und ohne Information des Betroffenen diese Vorwürfe öffentlich gemacht hat", erklärte Amerell.

Er schloss nicht aus, dass "da möglicherweise alte Rechnungen beglichen" worden sind.

Eindeutige Emails

Laut Amerell würden die Emails von Kempter an ihn eine "eindeutige Sprache sprechen", er forderte seinen ehemaligen Schiedsrichter-Schüler auf, er solle aufhören zu lügen.

"Es gibt keinen Menschen, der über drei Jahre hinweg solche Dinge schreibt, weil er unter Druck gesetzt wird. Das hält doch keiner aus, das macht doch keiner."

Sein eigenes Verhalten bewertete Amerell, der bereits in der Sat.1-Sendung "Kerner" am Donnerstag Stellung bezogen hatte, kritisch.

Auf die Frage, ob er im Verhältnis zu Kempter Fehler gemacht habe, sagte er:

"Eindeutig Ja. Ich habe irgendwann die zwingend notwendige Distanz verloren, da ist was gekippt, das kann man auch an dem sich ändernden Ton in den Mails ablesen. Ich habe etwas falsch gemacht, ja: Ich habe in meiner Funktion versagt, weil ich einer menschlichen Schwäche nachgegeben habe."

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