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Theo Zwanziger wurde 2006 zum alleinigen DFB-Präsidenten gewählt © getty

Der DFB hält an seinem Präsidenten fest. Das ist das Ergebnis der Präsidiumssitzung. Zwanziger verteidigt erneut seine Linie.

Frankfurt/Main - Theo Zwanziger hat in der pikanten Affäre um den früheren Schiedsrichter-Beobachter Manfred Amerell volle Rückendeckung aus den eigenen Reihen erhalten und bleibt Präsident des DFB.

Der 64-Jährige stellte bei der Präsidiums- und Vorstandssitzung am Freitag in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main die Vertrauensfrage und bekam uneingeschränkte Unterstützung.

"Ich habe von niemandem gehört, Theo Zwanziger soll nicht weitermachen. Die 6,5 Millionen Mitglieder im DFB brauchen keinen Präsidenten der alles richtig macht, sondern sie brauchen einen, der Respekt und Anerkennung genießt", sagte Zwanziger auf einer anschließenden Pressekonferenz.

"Deswegen war mir wichtig zu spüren, wie die Leute denken. Und deshalb bin ich sehr zufrieden über den Vertrauensbeweis des DFB-Präsidiums", so Zwanziger weiter.

"Das kostet Kraft"

Auch die Liga sprach Zwanziger ihr volles Vertrauen aus.

"Die Liga steht 100 Prozent hinter dem, was Theo Zwanziger tut. Das sagen wir aus Überzeugung", meinte Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball.

Zwanzigers Zukunft hing allerdings am seidenen Faden.

"Natürlich habe ich in dieser Woche sehr wohl darüber nachgedacht: Ist die Freude bei diesem Amt noch so stark, dass du dir und deiner Familie das antun willst? Natürlich kostet das Kraft", sagte Zwanziger und fügte hinzu: "Ich klebe nie an einem Amt, werde mich nie aus dem Sessel raustragen lassen, aber ich habe an diesem Amt trotz der Probleme noch sehr viel Lust."

212298(DIASHOW: Theo Zwanzigers Karriere)

Neuordnung des Schiedsrichterwesens

Bei einem außerordentlichen DFB-Bundestag am 9. April wird nicht die Zukunft von Zwanziger, sondern die Neuordnung des Schiedsrichterwesens auf dem Programm stehen.

Beim Bundestag im Oktober will sich Zwanziger, der im Schiedsrichter-Skandal um vermeintlichen Amtsmissbrauch und sexuelle Belästigungen stark in die Kritik geraten war, dann sogar für die kommenden drei Jahre als DFB-Boss wiederwählen lassen.

Zwanziger stellte sich weiter auf die Seite von FIFA-Referee Michael Kempter, der Amerell zusammen mit drei weiteren anonymen Unparteiischen der sexuellen Belästigung beschuldigt.

"Es gibt für mich bislang keine zwingenden Erkenntnisse, die den Schluss zulassen, dass er Pflichten verletzt hat", sagte Zwanziger: "Bei einem Schiedsrichter-Obmann wie Amerell, der Verantwortung für viele Schiedsrichter hat, ist das etwas ganz anderes."

Unterstützung von Beckenbauer

Zu Kempters Zukunft sagte Zwanziger: "Wir müssen abwarten, wie Kempter sich entwickelt, denn er steht ja derzeit unter psychologischer Betreuung."

Zwanziger, der sich in den vergangenen Tagen selbst einen Maulkorb verpasst hatte, bekam vor der DFB-Präsidiumssitzung viel Rückendeckung.

Auch Franz Beckenbauer, der als Nachfolger ins Spiel gebracht worden war, setzte sich vehement für den Verbleib des wankenden Juristen aus Altendiez ein.

"Er ist ein guter und starker Präsident, ich stehe zu hundert Prozent hinter ihm", hatte Beckenbauer am Vortag gesagt.

Kritik von Bruchhagen

Auch Zwanzigers Vorgänger Gerhard Mayer-Vorfelder machte sich für den Verbleib von Zwanziger stark.

"Ich habe vollstes Vertrauen, dass der Präsident die richtigen Entscheidungen treffen wird", sagte der DFB-Ehrenpräsident.

Allerdings gab es auch kritische Stimmen. Vorstandsboss Heribert Bruchhagen vom Bundesligisten Eintracht Frankfurt schrieb Zwanziger für die Zukunft ins Stammbuch, er solle sich ein Beispiel an seinem Vorgänger Gerhard Mayer-Vorfelder nehmen.

"Der hat ganz andere Krisen überstanden, ohne gleich mit Rücktritt zu drohen", sagte Bruchhagen. Zwanziger hatte zuletzt reichlich Prügel einstecken müssen.

20-Steiten-Konzept zur Reform

Durch das wenig erfolgreiche Krisenmanagement im Wettskandal sowie die geplatzte Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw hatte Zwanziger erheblich an Ansehen eingebüßt.

Der undurchsichtige Fall um Amerell, der hatte Zwanziger schließlich ins Wanken gebracht. Das in Verruf geratene DFB-Schiedsrichterwesen soll derweil von Herbert Fandel auf Vordermann gebracht werden.

"Mein Konzept ist gut angenommen worden. Ich habe ein gutes Feadback erhalten", sagte der designierte Nachfolger von Volker Roth als Schiedsrichter-Boss, der auf 20 DinA-4-Seiten ein Konzept zur Reform des Schiedsrichterwesens ausgearbeitet hat.

Unterdessen hat Medienanwalt Johannes Eisenberg das juristische Vorgehen des DFB gegen Amerell scharf kritisiert.

"Da scheinen alle Sicherungen durchgebrannt zu sein"

Der Experte für Straf- und Medienrecht aus Berlin räumte der Ankündigung Zwanzigers, Amerell wegen übler Nachrede und Verleumdung zu verklagen, keine Aussichten auf Erfolg ein.

"Da scheinen alle Sicherungen durchgebrannt zu sein. Wenn es zu einer Strafanzeige kommt, wird die Staatsanwaltschaft prüfen und einstellen, weil sie sagen wird: Eine Straftat hat der Amerell mit seinen Aussagen nicht begangen", sagte Eisenberg der "Berliner Zeitung" und machte dem Verband schwere Vorwürfe: "Man hat den Eindruck, der DFB hat keine Juristen zur Hand."

Dabei ist Zwanziger selbst Jurist.

Amerell bleibt gelassen

Amerell sieht einer Strafanzeige durch den DFB ohnehin gelassen entgegen.

"Ich habe in der ganzen Angelegenheit immer die Wahrheit gesagt. Deswegen habe ich davor überhaupt keine Angst", sagte der 63-Jährige der "Augsburger Allgemeinen" und will nicht klein beigeben: "Ich lasse mich garantiert nicht auf die Schlachtbank führen."

Amerell hatte Zwanziger Günstlingswirtschaft vorgeworfen. (Zum Artikel: Amerell wirft Zwanziger Günstlingswirtschaft vor)

Ein Schiedsrichter aus Zwanzigers Heimatort Altendiez sei laut Amerell in die Bundesliga gehievt worden, obwohl andere Kandiaten nach dem Bewertungssystem geeigneter gewesen wären.

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