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Uwe Gospodarek spielte von 2003 bis 2007 für Wacker Burghausen © getty

Ein Wettpate berichtet von zwei verschobenen Spielen von Wacker Burghausen. Ex-Keeper Uwe Gospodarek wird schwer belastet.

München - Der frühere Zweitligist Wacker Burghausen soll in den größten Wett- und Manipulationsskandal in der Geschichte des europäischen Fußballs verwickelt sein.

Nach einem Bericht der "ARD"-Sendung "Fakt" seien zwei Spiele aus der Abstiegssaison 2006/07 verschoben worden.

Dabei gehe es um die Partien bei der SpVgg Greuther Fürth am 1. Oktober 2006 (1:4) und bei Erzgebirge Aue am 16. Februar 2007 (0:3).

Der frühere Wacker-Torhüter Uwe Gospodarek wehrte sich vehement gegen Manipulationsvorwürfe. Die Unterstellungen seien aus der Luft gegriffen.

"Habe mir nichts vorzuwerfen"

"Ich habe mir nichts vorzuwerfen, das kann ich auch beeiden", sagte Gospodarek, der mittlerweile beim Bundesligisten Hannover 96 unter Vertrag steht.

"Meine eidesstattliche Erklärung liegt bei meinem Anwalt, ich werde das juristisch klären lassen. Ich wurde weder von der Polizei noch von der Staatsanwaltschaft angehört."

Auch Ex-Manager Kurt Gaugler beteuerte seine Unschuld.

"Ich wusste von nichts und habe auch nichts geahnt", sagte er: "Ich hatte den Spielern nach dem Hoyzer-Skandal sogar ausdrücklich verboten zu wetten."

Der Grund dafür: Gaugler hatte mitbekommen, dass mehrere Spieler regelmäßig im örtlichen Wettbüro gewesen seien.

Keine Garantie für Unschuld

Gänzlich ausschließen wollte er mögliche Vergehen seiner damaligen Profis aber nicht.

"In der heutigen Zeit weiß man ja nie", sagte Gaugler, der Mitglied des DFB-Vorstands und des DFL-Aufsichtsrates ist.

Auf eigenen Wunsch wollte Gaugler DFB-Spielbetriebsdirektor Helmut Sandrock seine Sicht der Dinge darlegen.

DFB reagiert auf Vorwürfe

Auch der DFB reagiert auf die neuen Vorwürfe.

Der Verband ließ der ermittelnden Staatsanwaltschaft Bochum Unterlagen wie Spielberichtsbögen der verdächtigten Partien und Manuskripte der "ARD"-Sendung zukommen.

"Diese Spiele sind aber schon Bestandteil der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum", sagte ein DFB-Sprecher.

Wettpate packt aus

Ob der Kontrollausschuss des DFB seinerseits Ermittlungen aufnehmen wird, wird von den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft abhängen.

Ein bulgarischer Wettpate hatte ausgesagt, dass vier Feldspieler mit jeweils 10.000 Euro und ein Torhüter mit 15.000 Euro bestochen worden sein sollen.

Zugleich sollen die Spieler selbst Wetten in Höhe von 30.000 Euro platziert haben.

"Das hatte zweierlei Vorteile für uns. Wir mussten nicht so viel Geld investieren in die Spieler, und zweitens waren die in der Pflicht, das zu machen, denn sie haben ja mitgewettet", sagte der Bulgare.

Schmadtke stärkt Gospodarek

Hannover 96 steht trotz der Vorwürfe zu seinem Ersatztorhüter Gospodarek.

"Uwe hat uns glaubhaft versichert, dass die Vorwürfe gegen ihn haltlos sind. Er wird die Angelegenheit auf dem juristischen Weg klären. Wir gehen davon aus, dass sich die Unterstellungen als falsch erweisen", sagte 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke.

Gospodarek indes war tief geknickt: "Ich habe Familie. Man sollte auch einmal daran denken, wie es einem geht, wenn solche Vorwürfe aufkommen."

Ein alter Bekannter

Als einer der Hintermänner soll Ante S., der bereits in den Manipulationsskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer verwickelt gewesen war, fungiert haben.

Burghausen war am Ende der Saison 2006/07 mit einem Rückstand von vier Punkten zu den Nicht-Abstiegsplätzen abgestiegen.

Staatsanwaltschaft ermittelt erneut

Die Staatsanwaltschaft Traunstein, die nach den ersten Manipulationsvorwürfen gegen Wacker im November ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet hatte, nahm erneut Ermittlungen auf.

"Es haben sich anscheinend neue detaillierte Erkenntnisse ergeben. Wir werden den Sachverhalt jetzt prüfen", sagte Oberstaatsanwalt Günther Hammerdinger.

Abgehörte Telefonate

Neue Beweise scheint es aber zu geben: Dem "ARD"-Magazin liegen nach eigener Aussage Telefonüberwachungsprotokolle vor, die darauf hindeuten, dass bei Spielen von Burghausen möglicherweise manipuliert wurde.

Eine der überwachten Personen soll ein Malaie sein, der 2007 in Frankfurt am Main wegen Spielmanipulationen zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt worden war.

Täter hatten Kontakte zu Spielern

In einem der Telefonate habe er erklärt, er wolle für Burghausen wetten.

Die Überwachungsprotokolle sollen belegen, dass die Täter Kontakte zu den Spielern von Burghausen hatten. Bereits im November vergangenen Jahres hatte die "ARD" in diesem Zusammenhang Vorwürfe gegen Wacker erhoben.

Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte Ende November 2009 den größten Wett- und Manipulationsskandal in der Geschichte des europäischen Fußballs öffentlich gemacht.

In Deutschland sollen mindestens 32 Spiele von der 2. Bundesliga bis in den Juniorenbereich manipuliert worden sein.

Burghausen will Ex-Spieler anzeigen

Der Vorstand von Wacker Burghausen drohte indes mit rechtlichen Schritten gegen ehemalige Spieler, falls sich die Vorwürfe bewahrheiten sollten.

"Sollten diese Spieler wirklich rechtskräftig verurteilt werden, so behalten wir es uns vor, diese gegebenenfalls in Regress zu nehmen", erklärte Wacker-Geschäftsführer Florian Hahn: "Sie hätten dem SV Wacker durch den Abstieg gehörigen finanziellen Schaden zugefügt."

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