Mit gutem Beispiel voran: An der Anfield Road in Liverpool wird seit vielen Jahren lieber gemeinsam gesungen als geschlagen.

Wie war das doch in der Schule während des Musik-Unterrichtes alles so mühsam. Auf dem Stundenplan stand Chorsingen. "Im Frühtau zu Berge?", "Oh du schöner Westerwald" und nach Paul Hindemith "Wir bauen unsere kleine Stadt".

Vorne sangen einige Schüler mit, in den hinteren Reihen wurden nur erfolgreich die Lippen bewegt, andere trafen bei ihren Gesangsversuchen mehr schlecht als recht den richtigen Ton. Der Musiklehrer verzweifelte.

"Wird das denn nie was?" Landauf, landab das gleiche Problem. In der Schule ja, aber nicht im Fußball-Stadion

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Ein Sport und die guten oder auch schwachen Darbietungen der Mannschaften scheinen da Wunder zu wirken. Man traut seinen Ohren kaum, wenn man die Spiele sieht oder live begleiten muss.

Da singen Tausende von Fans inbrünstig die bekannten oder auch weniger bekannten Lieder. Den Vereins-Song und die Welthits. "So ein Tag, der dürfte nie vergehen!", schallt es vielstimmig aus den Kehlen. "Oh, wie ist das schön - der FC kann nach Hause geh'n!"

Oder das Schalke-Lied: "Blau und Weiß wie lieb ich Dich, Blau und Weiß verlass mich nicht?!" Aus voller Kehle ist es in der Arena zu hören. Und das nicht nur für fünf oder zehn Minuten, sondern gleich für 90 Minuten. Die Musiklehrer hätten ihren Spaß.

Alles übertrifft allerdings eine Hymne, die an der Anfield Road in Liverpool geboren wurde. Einst wurden die Fans vor den Spielen der "Reds" mit Gassenhauern beschallt. Darunter auch "You'll never walk alone" von der Pop-Gruppe "Gerry the Pacemakers".

Doch dann geschah es. Mitten im Lied fiel der Strom im Stadion aus. Die Fans kannten den Text und begannen zu singen. Nach der Darbietung standen vielen Zuschauern die Tränen in den Augen - ein großer, emotionaler Fußball-Song war geboren. Allein der musikalische Event ist an der Anfield Road das Eintrittsgeld wert.

Lieber gemeinsam singen als gemeinsam schlagen. Und die geplagten Musiklehrer von früher hätten heute ihren Spaß. You'll never walk alone!

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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