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Ulf Kirsten schoss in seiner Bundesliga-Karriere 182 Tore in 350 Spielen © imago

Der "Schwatte" spricht mit Sport1.de über die Entwicklung der Bundesliga-Stürmer und rät Löw über seinen "Schatten zu springen".

Von Marcel Braune

München - Wenige Wochen vor der WM-Endrunde in Südafrika haben sich die Dinge im deutschen Sturm klar verschoben.

Die einst so glanzvolle Offensive ist geplagt von Formkrisen und Blessuren. Mario Gomez und Stefan Kießling waren zuletzt verletzt, Miroslav Klose und Lukas Podolski sind weit von ihrer Bestform entfernt.

Anders Kevin Kuranyi. Der Schalker bietet seit Monaten starke Leistungen und übernahm am Wochenende die Führung in der Torschützenliste.

Der Druck auf Bundestrainer Löw wird immer größer. Auch Franz Beckenbauer machte sich für die Begnadigung des des verstoßenen Ex-Nationalspielers stark und forderte, Kuranyi müsse zur WM.

Auch Ex-Nationalspieler Ulf Kirsten rät Löw zum Umdenken und fordert die Rückkehr Angreifers.

Im Fall von Miroslav Klose hat der dreimalige Bundesliga-Torschützenkönig seine Bedenken.

Der 44-Jährige verrät gegenüber Sport1.de, wen er in Südafrika sehen möchte und wer sich am Saisonende die Torjägerkanone sichern wird.

Sport1.de: Glauben Sie, dass Joachim Löw noch eine andere Wahl hat, als Kevin Kuranyi zu nominieren?

Ulf Kirsten: Kevin Kuranyi hat eine zweite Chance verdient. Er spielt eine super Saison und macht unheimlich viel Tore. Joachim Löw sollte über seinen Schatten springen und sagen: 'Komm ich nehm den mit'.

Sport1.de: Wird er es Ihrer Meinung nach auch tun?

Kirsten: Wenn es Probleme im Sturm gibt sollte er ernsthaft darüber nachdenken, aber ich vermute, dass Jogi die Spieler nominieren wird, die zuletzt dabei waren.

Sport1.de: Welchen deutschen Stürmer würden Sie gern in Südafrika stürmen sehen?

Kirsten: Die sicheren Kandidaten sind Mario Gomez und Stefan Kießling, die bringen in der Bundesliga konstant ihre Leistung. Aber Cacau gefällt mir auch sehr gut und sollte, wenn er seine Form hält, mitfahren.

Sport1.de: Wird die einstige Sturmhoffnung Patrick Helmes noch den Sprung auf den WM-Zug schaffen?

Kirsten: Das wird sehr eng für Patrick. Er ist ja nicht mal in Leverkusen gesetzt. Es ist schade, da er vor seiner Verletzung nah dran war, Stamm in der DFB-Auswahl zu werden. Seine Chancen im DFB-Team sind sicher nicht weg, aber ich glaube nicht, dass er mit zur WM fährt.

Sport1.de: Derzeit sind ja viele Leistungsträger nicht fit, oder haben ein Formtief. Sollte Löw trotzdem an ihnen festhalten?

Kirsten: Die Entscheidung liegt bei Jogi Löw. Aber so ein großes Turnier zu spielen ohne richtig fit zu sein, ist natürlich schon schwierig. Miroslav Klose hat es beispielsweise nicht leicht, da er in der Bundesliga selten spielt und somit nicht die nötige Fitness mitbringt.

Sport1.de: Sie waren bei zwei WM-Endrunden dabei. Was bedeutet es für einen Stürmer, bei einer Weltmeisterschaft zu spielen?

Kirsten: Wenn man das Nationaltrikot trägt, dann willst du als Stürmer unbedingt Tore machen. Man spielt schließlich für sein Land, da gilt es die Kiste zu treffen und als Sieger vom Platz zu gehen.

Sport1.de: Sie haben in den 90er-Jahren mit Ihren Toren die Bundesliga geprägt. Was hat sich im Angriffsspiel verändert?

Kirsten: Ich war eher der Kämpfer, der sich im Strafraum aufgehalten hat. Heute agieren die Stürmer immer mehr außerhalb. Aber wenn die Chance da ist, schmeißen sich die Top-Stürmer heute genau so in den Ball, weil sie einfach geil darauf sind. Und so gehört es sich für auch für einen Stürmer.

Sport1.de: Ist es ein Qualitätsmerkmal, dass in der laufenden Saison gleich vier Spieler (Kevin Kuranyi, Edin Dzeko, Stefan Kießling und Lucas Barrios) um die Torjägerkrone kämpfen?

Kirsten: Es ist doch schön, dass es dort so eine hohe Dichte gibt. Ich würde Eren Derdiyok allerdings auch noch dazuzählen. Früher waren es zwei oder höchstens drei, die um die Torjägerkrone gekämpft haben.

Sport1.de: Und wer hat am Ende die Nase vorn?

Kirsten: Ich hoffe, dass Stefan Kießling schnell seine Verletzung auskuriert und die Kanone für Leverkusen holt.

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