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Dettmar Cramer wurde mit dem FC Bayern 1975 und 1976 Landesmeister © getty

m zweiten Teil des Interviews spricht Dettmar Cramer über seine ausstehenden Lebensziele und sein Verhältnis zum FC Bayern.

Von Benjamin Bauer

München - Im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews spricht Dettmar Cramer über seine ausstehenden Ziele und sein Verhältnis zum FC Bayern.

Mit den Klub-Granden pflegt der frühere Erfolgstrainer nach wie vor ein gutes Verhältnis.

"Kürzlich habe ich mit Franz in Salzburg zwei Stunden zusammengesessen, gegessen und über Fußball gesprochen", verrät Cramer.

Einen Einblick gibt der Jubuilar auch über seine Trainer-Vorbilder und Star-Tugenden.

Sport1.de: Welche Ziele haben Sie noch in Ihrem Leben?

Cramer: Das es so weitergeht. Ich bin ja erst 85. Meine Mutter ist 93 geworden und war bis zum Ende topfit - und ich habe gute Gene mitbekommen.

Sport1.de: Wie ist denn der Kontakt zu den alten Kollegen, melden sich Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge regelmäßig?

Cramer: Wir sind in relativ engem Kontakt. Nicht täglich, aber im Monat ein paar Mal.

Sport1.de: Und fragen Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge Sie manchmal auch um Rat?

Cramer: Direkten Rat brauchen sie nicht. Aber kürzlich habe ich mit Franz in Salzburg zwei Stunden zusammengesessen, gegessen und über Fußball gesprochen. Das Spiel ist eine Art Magnet und Herausforderung.

Sport1.de: Dann haben Sie sicherlich auch über den FC Bayern gesprochen?

Cramer: Natürlich. Die Bayern und Louis van Gaal haben den Dreh gefunden. Wenn ein starker Trainer mit Persönlichkeit kommt und auf Spieler mit Persönlichkeit trifft, die Einfluss haben, dann gibt es zunächst Reibungsflächen und Verständigungsschwächen. Und das muss erst überwunden werden. Als ich zu den Bayern kam, haben wir aus den ersten vier Spielen nur ein Unentschieden gegen Stuttgart geholt und drei Spiele verloren.

Sport1.de: Haben die Vereine zu wenig Geduld mit den Trainern?

Cramer: Sie haben überhaupt zu wenig Geduld. Die Stärke der Bayern hat erheblich zugenommen, als Beckenbauer, Rummenigge und Hoeneß den Klub übernommen haben. Die Erfahrung ist die Strecke, die man abgefahren ist. Und die genannten drei haben viele tausend Kilometer im Fußball zurückgelegt. Das sind Fußballfachleute.

Sport1.de: Welchen Fußballer würden Sie denn als besten Spieler aller Zeiten bezeichnen?

Cramer: Der Mensch ist nicht vollkommen. Deshalb gibt es nicht den perfekten Spieler, auch wenn man das häufig liest. Auch für das Prädikat "Weltklasse" fehlen häufig die Vergleiche. Pele hat nie von sich behauptet, der beste Spieler zu sein. Und wenn er darauf angesprochen wurde, verwies er auf Alfredo di Stefano. Die wirklich großen Fußballer haben nie von sich gesagt, weltklasse zu sein oder gar der Beste.

Sport1.de: Also ist Bescheidenheit eine Tugend der Stars?

Cramer: Nein, es ist das Wissen, die Erfahrung und die Erlebnisse. Keine Bescheidenheit, sondern das Wissen bekräftigt das Urteil von weltklasse. Wenn ich immer lesen muss, wer alles weltklasse ist?

Sport1.de: Hatten Sie ein Trainer-Vorbild?

Cramer: Sepp Herberger hat meinen Weg bestimmt. Ich habe ihn mit 16 Jahren bei einem Lehrgang kennengelernt und weil ich nicht auf den Mund gefallen bin, durfte ich ihn vom Bahnhof abholen. Eigentlich sollte ich Arzt werden. Durch die Olympischen Spiele 1936 in Berlin war die Sportmedizin auf dem Vormarsch und entwickelte sich positiv und einflussreich. Aber nach 14 Tagen bei diesem Lehrgang hat mich Herberger überzeugt und es war klar: Ich werde Fußballtrainer!

Sport1.de: Wenn Sie einen Wunsch an den Fußball der Zukunft hätten. Wie würde der lauten?

Cramer: Der Fußball soll ideal sein. Also eine Synthese aus Erfolg, für den es keinen Ersatz gibt, und Schönheit. Erfolg erreicht man durch Kampfkraft. Schön spielen kann man nur, wenn man um den Ball kämpft. Und das mit erlaubten, fairen Mitteln. Egidius Braun hat einmal gesagt, dass Fußball mehr als ein 1:0 ist. Und Training ist mehr als Ecken schießen und Trainingsregeln sind Lebensregeln, nach denen sich Trainer, Spieler und Vereinsverantwortliche richten müssen.

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