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Chinedu Obasi spielt seit August 2007 für 1899 Hoffenheim © getty

Die Olympia-Freigabe für Hoffenheims "Edu" Obasi kam unter massivem Druck aus Nigeria zu Stande, wie Geschäftsführer Rotthaus Sport1.de erzählt.

Von Christian Stüwe / Conny Konzack

München - Zuerst war Chinedu Obasi verschwunden, dann saß er beim nigerianischen Olympia-Team fest.

Nach seiner Rückkehr nach Hoffenheim sollte der Stürmer zunächst auf keinen Fall für die Spiele in Peking freigegeben werden. Doch nun ist alles anders.

Das Team von Trainer Ralf Rangnick hat dem 22-Jährigen die Freigabe für Olympia erteilt, obwohl die Rechtslage zwischen Fifa, IOC und den Klubs nach wie vor schwammig ist.

Der Bundesliga-Aufsteiger reagiert mit der Erteilung der Spielerlaubnis allerdings auf Vorfälle in Nigeria. Werbung

"Die Androhungen gegen seine Familie waren derart stark und massiv, dass wir keine Chance mehr sahen, Edu nicht zu Olympia zu lassen", sagt Hoffenheims Geschäftsführer Jochen Rotthaus zu Sport1.de.

Offenbar wurde Obasi mitsamt seiner Familie bedrängt und sogar genötigt, für die nigerianische Olympia-Auswahl anzutreten. "Wir wollten nicht dafür verantwortlich sein, wenn ihm oder seiner Familie etwas zustößt", wählt Rotthaus drastische Worte, um die Situation zu umschreiben.

Zu Gute gehalten wurde "Edu" bei der Entscheidung zudem, dass er anders als etwa der Bremer Diego oder der Schalker Rafinha keinen Druck auf den Verein ausübte.

"Komplizierte Situation entspannt sich"

Dies habe die Entscheidung für eine Olympia-Abstellung beeinflusst, teilt Manager Jan Schindelmeiser mit: "Insofern unterscheidet sich die Situation deutlich von den Fällen, in denen Spieler Druck auf ihre Clubs ausüben."

Obasi selber zeigt sich erfreut: "Ich finde es großartig, dass mir der Verein die Möglichkeit gibt, an Olympia teilzunehmen und sich die für mich sehr komplizierte Situation damit entspannt."

Während zwischen Spieler und Verein also Klarheit zu herrschen scheint, ist die Situation zwischen dem Bundesliga-Aufsteiger und dem nigerianischen Verband, der Obasi offenbar mit unlauteren Mittel zur Teilnahme an Olympia zu bewegen versuchte, weiter angespannt.

Rückkehr am ersten Tag nach Turnierende

"Unsere Position gegenüber dem nigerianischen Verband ist davon völlig unberührt", erklärt Schindelmeiser. Die Abstellung Obasis ist daher auch an Bedingungen gegenüber dem Verband geknüpft.

Der Spieler wird erst nach Beendigung des Trainingslagers in Leogang freigestellt. Außerdem muss er sich einem Tag nach dem letzten Spiel der Nigerianer wieder zurückmelden.

Denn der sportliche Verlust für die Kraichgauer ist groß. In der Aufstiegssaison lief Obasi 27-Mal auf und erzielte dabei zwölf Tore. Er gehört zu den Stützen der Mannschaft.

Drei Spiele ohne Obasi?

"Edu wird uns zu Saisonbeginn sehr fehlen, weil er ja einer unserer Leistungsträger ist", erklärt Rotthaus dementsprechend: "Aber das Erlebnis Olympia wollten wir ihm nicht verwehren. Schon gar nicht unter solchen Umständen."

Bleibt den Hoffenheimern also nur zu hoffen, dass Obasi möglichst bald und unverletzt aus China zurückkehrt. "Er wird uns so lange fehlen, wie Ghana im Olympischen Turnier bleibt. Das kann bis Ende August für drei Spiele der Fall sein", sagt Rotthaus.

Somit müsste der Aufsteiger im schlimmsten Fall gegen Cottbus, Gladbach und Leverkusen ohne den Nigerianer antreten.

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