vergrößernverkleinern
Manfred Amerell bringt Theo Zwanziger wieder unter Druck © getty

Im Rechtsstreit mit dem Ex-Schiedsrichter scheitert der DFB-Boss mit seinem Widerspruch gegen eine einstweilige Verfügung.

Augsburg - DFB-Boss Theo Zwanziger hat im Rechtsstreit mit dem früheren Schiedsrichterbeobachter Manfred Amerell erneut eine Niederlage erlitten und ist drei Tage nach dem DFB-Bundestag wieder unter Druck geraten.

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) scheiterte vor der 8. Zivilkammer des Augsburger Landgerichts mit einem Widerspruch gegen eine einstweilige Verfügung von Amerell.

Demnach hält das Gericht eine Aussage von Zwanziger, bei der er die Aufklärungsarbeit in der Affäre um Amerell und Referee Michael Kempter in Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche gebracht hat, für einen unzulässigen Vergleich.

Zwanziger darf Aussage nicht verbreiten

Zwanziger darf seine Aussage weder wörtlich noch sinngemäß wiederholen oder verbreiten.

Bei Zuwiderhandlung droht ihm ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro oder eine Hafstrafe von sechs Monaten bis zu zwei Jahren.

"Ein angebliches System Amerell darf nicht auf eine Ebene mit Sachverhalten gestellt werden, die mit Freiheitsentzug von bis zu zehn Jahren bestraft und in der Gesellschaft geachtet werden", erklärte der Vorsitzende Richter Rainer Brand.

Anwalt spricht von "Fehlentscheidung"

Zwanzigers Anwalt Christian Schertz sprach von einer "Fehlentscheidung" und kündigte umgehend Berufung an. 212298(DIASHOW: Theo Zwanzigers Karriere)

Zwanziger habe mit seiner Äußerung allein den Mut von Kempter bewertet, ein System aufzudecken, was nicht gewollte Abhängigkeiten im bisherigen Schiedsrichtersystem aufwies.

Schertz wertete das Urteil als "Angriff auf die Meinungsfreiheit" und geht davon aus, "dass das zuständige Oberlandesgericht die richtige rechtliche Bewertung vornehmen wird und das Urteil aufhebt".

Amerell zufrieden

Amerell war dagegen "sehr zufrieden" mit dem Urteil.

"Meine Töchter haben zu mir gesagt: 'Papa, du wirst verglichen mit pädophilen Pfarrern.' Das war ein Drama zu Hause", sagte Amerell.

Während Zwanziger der mündlichen Verhandlung fern geblieben war, übte Amerell im Sitzungssaal 201 erneut scharfe Kritik am DFB-Boss.

"Frage der Wahrheit wird sich noch stellen"

"Ich lasse mich von Herrn Zwanziger nicht in die Nähe von Straftaten bringen. Außerdem laste ich dem DFB an, dass ich im Gegensatz zu den vier befragten Schiedsrichtern nie in vergleichbarer Weise angehört worden bin", sagte Amerell in einer persönlichen und emotionalen Erklärung.

"Die Frage der Wahrheit wird sich noch stellen", fügte er hinzu. Zugleich forderte Amerell erneut das Karriereende vom Kempter.

Auch gegenüber SPORT1 erklärte der 63-Jährige zudem polemisch: ""Ich kenne ihn zur Genüge in kurzen und in langen Hosen - und auch ohne Hosen"

Amerell will 100.000 Schmerzensgeld

Der Termin in Augsburg war nur ein Teil im Rechtsstreit.

Amerell will zivilrechtlich von Zwanziger bis zu 100.000 Euro Schmerzensgeld erstreiten, weil er durch die DFB-Veröffentlichungen vorverurteilt worden sei.

Strafrechtlich hat Amerell bereits Klage gegen Kempter und drei weitere anonyme Schiedsrichter wegen falscher eidesstattlicher Versicherungen erhoben.

Im Gegenzug sieht sich Amerell der Klage von Kempter und einem Referee wegen sexueller Belästigung und Nötigung ausgesetzt.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel