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Beim FC Portmouth startet Boateng als Stammspieler durch - doch den Abstieg aus Englands erster Liga kann auch er nicht verhindern
Enfant terrible - und nun auffälig nach einem bösen Foul an Ballack: Kevin Boateng © imago

Nach dem Foul gegen Michael Ballack im FA-Cup-Finale ist Kevin Boateng in seiner Heimat Deutschland endgültig unten durch.

Von Martin Volkmar

Sciacca ? Es sollte sein größtes Spiel werden, doch stattdessen machte er sich zum Buhmann der Nation:

Kevin-Prince Boateng ist nach seinem brutalen Foul gegen Michael Ballack im FA-Cup-Finale zwischen Chelsea und Portsmouth in seiner Heimat Deutschland endgütig unten durch.

Dass der Deutsch-Ghanaer unmittelbar vor seiner WM-Nominierung für den deutschen Vorrundengegner ausgerechnet den DFB-Kapitän ins Krankenhaus tritt, schlägt hohe Wellen.

"Das sah nach Absicht aus", meinte Ballack selber, der die genaue Diagnose seiner Knöchelverletzung frühestens nach einer Kernspintomografie am Montag in London erhalten wird.

Löw: "Brutales Foulspiel"

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Joachim Löw hofft auf eine baldige Rückkehr seines Anführers ins Training, nachdem nach einer ersten Röntgenuntersuchung zumindest ein Fußbruch ausgeschlossen werden konnte.

Gleichzeitig machte der Bundestrainer aber seinem Unmut über das rüde Einsteigen von Boateng Luft: "Klar ist, dass dies ein brutales Foulspiel war", meinte er.

"Normalerweise war es eine Rote Karte, da gibt es keine zwei Meinungen. Er hat überhaupt keine Chance, den Ball zu spielen."

Vier Klubs wollen Boateng verpflichten

Der Portsmouth-Profi sah aber nur Gelb und konnte im Gegensatz zu Ballack bis zum Ende spielen.

Auch seine Zukunft scheint gesichert zu sein, denn mehrere Klubs aus der Premier League sind bereit, für den Mittelfeldspieler rund sieben Millionen Euro Ablöse zu zahlen.

Finanziell dürfte Boateng also als Gewinner aus der Saison gehen, sportlich nicht nur wegen des Abstiegs mit Portsmouth jedoch als Verlierer.

Bruch mit dem DFB

Wobei ihm die Hoffnung bleibt, mit Ghana bei der WM zu glänzen und dem DFB eine lange Nase zu drehen.

Denn dort wollte man das Riesentalent nach zahlreichen Eskapaden nicht mehr. Zum Bruch kam es im Vorjahr vor der U-21-EM.

"Letzten Sommer hat es dort einige Disziplinlosigkeiten mit ihm gegeben", berichtete Löw im deutschen WM-Trainingslager auf Sizilien.

U-21-Mannschaftsrat gegen EM-Teilnahme

Weil die Mehrheit des Teams ihn für unzuverlässig hielt, sprach sich der Mannschaftsrat nach dem Trainingslager der Junioren am Tegernsee dafür aus, Boateng nach Hause zu schicken.

Sein Halbbruder Jerome gewann in Schweden den Titel und steht nun im deutschen WM-Aufgebot. 233646(DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader)

Kevin Prince war kein Thema mehr und entschied sich daher für die Heimat seines Vaters zu spielen.

Größtes Hertha-Talent

Dabei hatte eine DFB-Jury den 41-fachen Junioren-Nationalspieler, der über seine Mutter sogar mit dem 54-er-WM-Helden Helmut Rahn verwandt ist, noch 2006 zum besten Nachwuchsspieler seines Jahrgangs gewählt.

Und auch bei Hertha BSC hielt man ihn für eines der größten Talente in der Vereinsgeschichte.

Harte Kritik von Sammer

Doch immer wieder stand sich das "Ghetto-Kid" aus dem sozialen Brennpunkt Wedding selbst im Weg.

"Bei Kevin zeigt sich aus meiner Wahrnehmung, dass das rein sportliche Potenzial am Ende allein nicht ausreicht, um Karriere zu machen. Man muss außerdem in der Lage sein, sich einzuordnen", meinte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer.

So war man bei Hertha BSC nach mehreren Zwischenfällen auch nicht traurig, als Tottenham Hotspur 2007 bereit war, für Boateng 7,9 Millionen Euro Ablöse zu zahlen.

Drei Autos an einem Tag

Bei den Londonern spielte er zwar wenig, verdiente aber viel. Einen Großteil davon verprasste er auf Partys und in Nachtclubs oder investierte in teure Klamotten und Autos.

160 Paar Schuhe, 200 Kappen und 20 Lederjacken kaufte er sich laut "Spiegel" - und an einem Tag gleich drei Wagen: Einen Lamborghini, einen Hummer und einen Cadillac Oldtimer.

Auch ein neuer Versuch in der Bundesliga scheiterte. Vom Rückrunden-Gastspiel 2009 bei Borussia Dortmund blieb trotz phasenweise guter Leistungen vor allem ein rüdes Foul gegen den am Boden liegenden Miroslav Klose in Erinnerung.

Schelte von Beckenbauer

Franz Beckenbauer warf ihm danach vor, er habe Klose "absichtlich verletzten wollen".

Boateng widersprach, doch seine Glaubwürdigkeit wurde durch den nächsten Vorfall nur einen Monat später erneut erschüttert.

Die Berliner Staatsanwaltschaft wirft ihm jedenfalls vor, am 18. März 2009 gemeinsam mit dem ehemaligen Hertha-Teamkollegen Patrick Ebert mehrere Autos beschädigt zu haben.

Zuletzt allerdings hatte Boateng nur noch sportlich für Schlagzeilen gesorgt.

Doch die Attacke gegen Ballack dürfte nun sein Rüpel-Image endgültig zementiert haben.

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