Nach dem bitteren Aus für Michael Ballack dürfte sein Traum von der WM endgültig geplatzt sein. Auch sonst läuft für den besten deutschen Fußballer die Zeit ab.

Unsere erste Begegnung im Mai 1998 ist in bleibender Erinnerung geblieben.

Bei der U-21-Europameisterschaft in Rumänien war Lars Ricken der Star der DFB-Junioren, der dominierende Spieler aber war der relativ unbekannte Michael Ballack.

Die Tendenz bestätigte sich in den nächsten Jahren. Während es um das einstige Wunderkind Ricken immer stiller wurde, entwickelte sich Ballack zum besten deutschen Fußballer.

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Doch immer wieder musste er körperliche und vor allem sportliche Rückschläge hinnehmen: 2000 verpasste er mit Leverkusen am letzten Spieltag die sicher geglaubte Meisterschaft durch eine Pleite in Unterhaching, die Ballack mit einem Eigentor einleitete.

Zwei Jahre später sorgte Bayer angeführt von Ballack in ganz Europa für Furore, wurde aber in allen drei Wettbewerben nur Zweiter.

Und bei der folgenden WM in Japan und Korea schoss der trotz körperlicher Beschwerden überragende Ballack den Außenseiter Deutschland ins Finale, musste dort aber wegen einer Gelbsperre bei der Niederlage gegen Brasilien zusehen.

Trotz aller Erfolge mit Bayern München und Chelsea zogen sich die bitteren Pleiten auf höchstem Niveau weiter wie ein roter Faden durch seine Karriere - etwa im WM-Halbfinale 2006, dem EM-Endspiel 2008 oder dem Champions-League-Finale 2008.

In den letzten Wochen sah es so aus, als würde sich das Blatt vielleicht doch noch wenden: Ungeachtet seiner 33 Jahre war Ballack fester Bestandteil des Star-Ensembles von Double-Gewinner Chelsea und unumstrittener Boss der DFB-Auswahl beim geplanten Unternehmen WM-Titel.

Umso schwerer trifft ihn das bittere Aus nach Kevin-Prince Boatengs brutaler Blutgrätsche im FA-Cup-Finale. Es ist so gut wie sicher, dass der Weltmeister-Traum damit für Ballack endgültig geplatzt ist.

Auch für den Angriff auf die anderen fehlenden großen Titel läuft seine Zeit langsam, aber sicher ab. So bleibt Ballack zwar der bedeutendste deutsche Fußballer des abgelaufenen Jahrzehnts, aber auch ein Unvollendeter.

Und die DFB-Auswahl reist nun im Vergleich mit den absoluten Spitzenteams als klarer Außenseiter nach Südafrika. Es hat schon bessere Tage für den deutschen Fußball gegeben.

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