Der Aufprall auf die schwarz-blaue Wand von Mailand wirkt nach. Der Blick in die bayerische Zukunft macht aber Hoffnung.

Es sprach vieles für den FC Bayern. Die mentale Stärke, die Anlagen, die Qualität in der Offensive. Und es sollte die Krönung einer kuriosen Champions-League-Saison werden, in der der deutsche Rekordmeister gleich mehrfach schon so gut wie ausgeschieden war.

Sie waren im Rausch, alle schwärmten von ihrem Tempofußball, ihrer Dominanz und der stabilen Psyche. Doch mitten im Höhenflug sind die Münchner hart gegen die schwarz-blaue Wand von Inter Mailand geprallt.

Benommen fassen sich nun die Spieler an den Kopf. Die historische Triple-Chance ist vertan. Und sie kommt vermutlich für einige Profis nie wieder.

Eine Frage werden sie sich in den nächsten Tagen immer wieder stellen: Warum waren sie ausgerechnet im Finale zu ängstlich?

Ein Teil des Teams erklärte es schon direkt nach der Partie mit der Unerfahrenheit mehrerer Spieler. Der andere mit mangelnder Konzentration. Und beides trifft auch zu.

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Doch der wahre Grund liegt schlicht in der Stärke des Gegners. Inter hat wie gegen Chelsea und Barcelona durch kompaktes Verschieben die Spielfreude des Gegners zerstört - die Bayern wurden zermürbt. So zu verteidigen ist große Kunst.

Ratlos verfielen die Bayern deshalb in den Rumpelfußball aus der unansehnlichen Anfangsphase der Saison. Selbst Soli von Robben erzielten keine Wirkung.

So hart dieses Erlebnis auch war: Die Trauer sollte diese so überragende Saison nicht überdecken.

Denn auch auf internationaler Ebene ist der Respekt wieder gewachsen. Der Verein wurde durch erfrischenden Fußball und Charaktere wie Robben, Olic beziehungsweise den Einbau von Talenten ein großes Stück sympathischer.

Welcher Trainer außer Louis van Gaal kann von sich behaupten, das geschafft zu haben?

Der Coach, der im November so dicht vor dem Rauswurf stand, hat ein Team geformt, das eine Ordnung und Identität besitzt.

Die Niederlage gegen Inter bietet auch Gelegenheit, Lehren zu ziehen. Denn eines wurde in Madrid wieder deutlich: Der FC Bayern hat Probleme in der Defensive.

In der Innenverteidigung müssen und werden die Bayern für die kommende Saison etwas tun. Das wiederum erzeugt Hoffnung. "2001 haben wir unsere Kraft aus der Niederlage von 1999 gezogen", hatte "Titan" Oliver Kahn im Vorfeld des Spiels erklärt.

Das 0:2 gegen Mourinhos Abwehr-Virtuosen könnte somit auch Ansporn für die Bayern sein, es schon bald den entscheidenden Tick besser zu machen.

2012 findet das in Champions-League-Finale in München statt. Vielleicht stehen dann Martin Demichelis und Daniel van Buyten nicht mehr in der Startformation. Franck Ribery ist möglicherweise nicht gesperrt. Und Akteure wie Thomas Müller oder Holger Badstuber sind gedanklich zwei Jahre weiter.

Das Team hat nach wie vor Potenzial. So leicht wie diesmal dürften sich die Bayern die große Chance nicht mehr entgehen lassen.

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