Im idyllischen Örtchen Girlan an der Weinstraße geht die Sonne auf, scheinbar wie an jedem anderen Tag. Doch dem ist nicht so.

Auch am Dienstag werden zahlreiche Urlaubsgäste im Südtiroler Örtchen Girlan an der Weinstraße von strahlendem Sonnenschein geweckt.

Schon in der Frühe sind auf den Hügeln zahlreiche Traktoren unterwegs und besprenkeln die Rebstöcke.

Familien begeben sich in der traumhaften Landschaft auf die Wanderroute, Mountainbiker schwingen sich voller Elan in den Sattel. Alles scheint wie immer.

Doch ein Blick in die in Bozen erscheinende Zeitung "Dolomiten" verrät: Dem ist nicht so. Denn am vorhergehenden Wochenende hat sich Ungeheuerliches abgespielt.

Hansrudi Brugger ist ausgebootet worden. Einfach so. Ohne Vorwarnung. Das gibt?s nicht, wird der geneigte Leser sagen. Auch dem Autor dieser Zeilen hat es fast die Sprache verschlagen.

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Denn Hansrudi Brugger ist ja nicht irgendwer. Hansrudi Brugger ist der Kapitän, der den FC Südtirol zum letztlich souveränen Aufstieg von der Serie C2 in die dritthöchste italienische Spielklasse geführt hat.

Am Sonntag, beim letzten Spieltag gegen Lucca, war das große Schaulaufen der Sieger geplant. Und dann das.

"Am Samstagvormittag hat mich unser Trainer Alfredo Sebastiani angerufen und mir mitgeteilt, dass ich für das Spiel gegen Lucchese nicht einberufen werde", schildert der 29 Jahre alte Verteidiger.

Ein Affront! Die große Party ohne den Spielführer, geradezu grotesk. Als würde man die deutsche Nationalmannschaft ohne Michael Ballack zur WM schicken.

Sicherlich mies gelaunt, so genau erfährt man das nicht im Interview der "Dolimiten", verfolgt Brugger also das abschließende Heimspiel seines Klubs.

Trainer Sebastiani setzt darin eher auf den Nachwuchs. Pah, das konnte ja nicht gut gehen. 0:3 geht der FC Südtirol gegen Lucca baden.

Gut, man muss einräumen, dass Brugger nicht die einzige Stammkraft ist, die die Partie von außen verfolgt. Genau genommen tun das so gut wie alle.

Und zugegeben, ganz so schlecht ist der Grund nicht, den Sebastiani dafür aufruft. Er braucht noch ein paar taugliche Kicker, die der deutschen Auswahl am Tag darauf gegenübertreten.

Schweren Herzens wird sich Brugger daraufhin am Sonntag das eine oder andere verdiente Glas Wein verkniffen haben. Man will ja schließlich fit sein beim großen öffentlichen Auftritt.

Das war Brugger dann auch, der wie seine Mannschaft am Montagabend eine beachtliche Figur abgab.

Der Kapitän konnte und wollte seinem Trainer für die Pause am Sonntag daher nicht im Geringsten böse sein.

"Für mich ist mit dem Spiel gegen Deutschland ein Traum in Erfüllung gegangen", schwärmte Brugger.

Sein Traum dürfte sogar noch eine Woche anhalten. Denn am Samstag misst sich sein FC Südtirol mit Slowenien, dem nächsten WM-Teilnehmer. Da die Ligasaison vorbei ist, dürfte ihm eine Überraschung im Vorfeld diesmal erspart bleiben.

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