Sogar der Giro d?Italia und die deutsche Nationalmannschaft werden in der Region um Bozen in den Hintergrund gestellt.

Der Giro d?Italia ist zu Gast an diesem Mittwoch in dem Teil Südtirols, in dem sich die deutsche Nationalmannschaft auf die WM vorbereitet.

Unter normalen Umständen wäre das ein fröhliches Fest, wenn der Radtross sich auf der 17. Etappe von Bruneck über Bozen, den Gampenpass nach Pejo Terme bewegt.

Zumal der Spanier David Arroyo nur noch 2:27 Minuten Vorsprung auf den Italiener Ivan Basso besitzt, für Spannung ist daher gesorgt.

Doch seit Dienstag sind die Umstände nicht mehr normal hier. Südtirol trägt Trauer. Denn Silvius Magnago ist tot.

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Wie selbst Auswärtigen schnell klar wird, war Magnago DER Südtiroler schlechthin. Die Zeitung "Dolomiten" widmet ihm eine 18-seitige Sonderausgabe, die mit "Ein Leben für Südtirol" betitelt ist.

Von Dezember 1960 bis März 1989 war Magnago Landeshauptmann. Dass Südtirol letztlich als Region autonom wurde, war im Wesentlichen ihm zu verdanken.

Magnago hatte in den 1930er Jahren den italienischen Faschismus abgelehnt und sich 1939 Deutschland zur Verfügung gestellt.

Dadurch war er vom Regen in die Traufe geraten. 1942 zog ihn die Wehrmacht ein. Kurz nach seiner Hochzeit 1943 wurde Magnago an der Ostfront von einer Granate schwer verwundet.

Er verlor ein Bein, verbrachte zwei Jahre im Lazarett, kam aber immerhin mit dem Leben davon.

Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg begann er seine politische Karriere 1947 im Stadtrat von Bozen.

Ein Jahr später zog er als Regionalrat der Südtiroler Volkspartei ein den Landrat ein. Zwischen 1952 und 1957 legte er eine Pause von der aktiven Politik ein, ehe er mit Vehemenz zurückkehrte.

Im November dieses Jahres propagierte er vor mehr als 30.000 Südtirolern auf Schloss Sigmundskron, nur wenige Kilometer vom heutigen Quartier des DFB-Teams entfernt, seine in der Folge berühmte Forderung "Los von Trient".

Der weitgehend deutschsprachige Teil Südtirols, ein langjähriger Streitpunkt zwischen Österreich und Italien, erhielt 1972 letztlich den Status einer autonomen Region.

In den von vielen Anschlägen geprägten Jahren auf dem Weg zu diesem ?Zweiten Autonomiestatut? profilierte sich Magnago als Vorreiter des gewaltlosen Wegs.

Am 21. Mai 2010 ist er aus seinem Rollstuhl gestürzt. Vier Tage später verstarb er im Bozener Krankenhaus. Das hatte in diesen Tagen durchaus also einen wichtigeren Patienten als Christian Träsch. Und der Giro passiert Straßen, auf denen Halbmast geflaggt ist.

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