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Bei der EM 1984 schoss Platini Frankreich mit acht Toren zum Titel © getty

Die EM-Vergabe nach Frankreich bestätigt die erfolgreiche Arbeit des UEFA-Chefs. Und Platini plant weitreichende Veränderungen.

Genf - Michel Platinis Umarmung mit Nicolas Sarkozy war kurz, aber herzlich.

Der Chef der Europäischen Fußball-Union (UEFA) wusste, dass die Anwesenheit des französischen Staatspräsidenten bei der EM-Vergabe 2016 in Genf das eine oder andere Mitglied im Exekutivkomitee beeindrucken würde.

Sarkozys Mission war am Ende von Erfolg gekrönt, auch wenn die Exko-Mitglieder nur hauchdünn mit 7:6 für die Grande Nation votierten, die im zweiten Wahlgang damit knapp die Oberhand gegen die türkische Bewerbung behielt; Italien war im ersten Wahlgang gescheitert.

Sarkozy macht den Unterschied

"Ich glaube, dass die Ankunft des Präsidenten unserer Republik schon wichtig war. Nicolas Sarkozy hat für die nötige Balance gesorgt", sagte UEFA-Boss Platini, der wohl selbst nicht mit einer so knappen Entscheidung gerechnet hatte.

Er selbst war nicht stimmberechtigt, ebenso die türkischen und italienischen Exko-Mitglieder.

Die "Regierung" des europäischen Fußballs, darunter DFB-Chef Theo Zwanziger, hatte die Anstrengungen der Türken wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Auch der türkische Staatspräsident Abdullah Gül hatte den Weg an den Genfer See gefunden - wer weiß, wie das Votum ausgefallen wäre, wenn Sarkozy nicht zur Vergabe der EM-Endrunde erschienen wäre.

Dritte EM in Frankreich

Sarkozy konnte hinterher erleichtert feststellen: "Wir werden unser Bestes geben, dass die 24 teilnehmenden Länder herzlich willkommen geheißen werden können."

Auch Sportministerin Roselyn Bachelot begrüßte die dritte französische EM-Gastgeberrolle nach 1960 und 1984 (EM-Trimph mit Platini als überragendem Spieler).

"Dies ist eine Antwort des Optimismus. Wir werden die Finanzkrise meistern, dank des Vertrauens unseres Landes in sich selbst. Ein großes Sportereignis wie die EURO kann das Vertrauen noch zusätzlich stärken", äußerte Bachelot.

Unverkennbare Handschrift

Für Platini waren die Tage von Genf ein voller Erfolg, deutlich ist seine Handschrift erkennbar.

Im Exko hatte der einstige Weltstar dem von ihm persönlich ins Leben gerufenen Financial Fair Play einen weiteren Schub verliehen.

Ab der Saison 2012/'13 wird es ernst für die Klubs, die über ihre Verhältnisse leben und Jahr für Jahr Schulden machen. Ihnen droht im schlimmsten Fall sogar der Ausschluss aus den Europacup-Wettbewerben.

Rummenigge stützt Platini

"Wir müssen mit unserem Financial-Fair-Play-Konzept Hand in Hand mit den Klubs arbeiten. Denn unsere Absicht ist nicht zu bestrafen, sondern wir wollen ihnen helfen", sagte "Platoche".

In Bayern Münchens Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge, gleichzeitig Chef der europäischen Klub-Vereinigung ECA, hat Platini einen wichtigen und einflussreichen Mitstreiter gefunden.

Es ist schon auffällig, wie oft der UEFA-Boss dem Bayern-Chef bei offiziellen Anlässen in jüngerer Vergangenheit ein Podium bietet.

Entzweiung ist passe

Bei der Exko-Sitzung am Donnerstag am UEFA-Sitz im schweizerischen Nyon hielt Rummenigge einen flammenden Vortrag über die Situation der Klubs.

Längst passe scheinen die Tagen, als viele Klubs den Aufstand gegen die UEFA probten und sogar eine eigene Europaliga gründen wollten.

"Substanzieller Schritt"

Platinis Schachzug, die Klubs, vor allem in Person von Rummenigge, verstärkt einzubinden, hat das Verhältnis zwischen Kontinentalverband und den lange Zeit ein Mauerblümchendasein fristenden Klubs deutlich entspannt.

Die Vereine spüren, dass sie ernst genommen und in Entscheidungsprozesse eingebunden werden.

"Wir Klubs, die die Regeln des Financial Fair Play voll unterstützen, haben einen neuen operativen Weg eingeschlagen. Das ist ein substanzieller Schritt vorwärts", betonte Rummenigge.

Bewährungsprobe für Torrichter

Und auch Platinis Steckenpferd, die zusätzlichen zwei Torrichter, bekommen durch die UEFA eine neue zweijährige Bewährungsprobe.

Nachdem der International Board des Weltverbandes FIFA am 18. Mai grünes Licht für eine Fortsetzung des Experiments mit den beiden Torrichtern gegeben hatte, weitete die UEFA die Torrichter-Einsätze flugs aus.

Technische Hilfsmittel kein Thema

Nicht nur wie bereits geschehen in der Europa League, sondern künftig auch zusätzlich in der Champions League sowie in der EM-Qualifikaton sowie der EM-Endrunde 2012 in Polen und der Ukraine sind die zusätzlichen Referees im Einsatz.

Diese sollen dem Schiedsrichter helfen, strittige Szenen besser und richtiger zu entscheiden. Technische Hilfsmittel lehnen die International-Board-Mitglieder, Regelhüter des Fußballs, dagegen weiterhin ab.

Aber mit Platini als Fürsprecher sind die Aussichten für die beiden Torrichter in Zukunft rosig.

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