Der erste Eindruck überzeugt. Wer in Südafrika landet, merkt sofort: Dieses Land freut sich auf die große Fußballparty.

Einen ersten Eindruck kann man nicht korrigieren.

Das ist in vielen Fällen bedauerlich, denn häufig entwickeln sich die Dinge dann gar nicht so negativ wie zunächst angenommen.

Im Fall Südafrika ist es großartig. Denn - zugegeben - eine gewisse Skepsis gegenüber Land und Leuten habe ich mit hierhergebracht.

Man hat ja so einiges über den WM-Ausrichter gehört, dazu wird man mit diversen Verhaltensregeln ausgestattet, um ja keine unangenehmen Überraschungen zu erleben.

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Und dann rollt man nach einem durchaus anstrengenden nächtlichen Langstreckenflug eingequetscht zwischen einem genüsslich röchelnden Kollegen des spanischen Radiosenders "Cadena Ser" und einem friedlich schlummernden (wie hat der das bloß gemacht?) Mexikaner mit dem Koffer aus der Gepäckabfertigung, die Tür geht auf ? und es ist WM!

Landesflaggen in allen Farben, dröhnende Vuvuzelas und eine bestens gefüllte Ankunftshalle mit lächelnden Menschen, die Namensschilder in die Höhe halten und dabei zur Musik lässig mitwippen, die man erst nach genauem Hinhören im Hintergrund der Vuvuzelas wahrnimmt.

Die Menschen hier haben große Lust auf eine echte Fußballparty. Das ist der erste Eindruck, dem man sich nicht entziehen kann.

Wir werden von Dean empfangen. Der junge Mann im Kaizer-Chiefs-Trainingsshirt vertritt seinen Vater, unseren Fahrer, der noch keinen Parkplatz gefunden hat.

Kein Thema, bis wir den Kleinbus erreichen, der uns ins Quartier bringt, haben wir mit Dean schon den Höhenflug der Bafana Bafana, die schwere Auftakthürde Mexiko, die Flugeigenschaften des WM-Balls Jabulani und die daraus wohl resultierende Vielzahl an Distanzschusstoren in den kommenden Wochen durchdiskutiert.

Dann lernen wir Henry kennen, den wohl wichtigsten Mann für unseren Journalistentross in den nächsten Wochen.

Hätte er keine Ohren, würde unser Fahrer vor guter Laune wohl einmal um den ganzen Kopf herum grinsen. Henry sieht in seinem legeren beigen Anzug samt flachem Hut nicht nur aus wie Louis Armstrong, er hat auch eine vergleichbare Stimme.

An den Straßen, über die er uns plaudernd kutschiert, wird derweil noch Hand angelegt. Die Autobahn vom Flughafen Landseria weg erhält gerade eine vierte Spur.

Ob die bis Freitag noch fertig wird, darf man bezweifeln. Dann eben etwas später. Die Welt wird nicht davon untergehen.

Dafür stehen einige Arbeiter auf der Straße, die mit Sprühdosen noch Fahrbahnmarkierungen auf den Asphalt zeichnen.

Nach einer Dreiviertelstunde erreichen wir fernab von jeglicher Zivilisation unser Quartier in den Hügeln unweit des DFB-Quartiers.

183 Hektar sind hier abgezäunt, das gesamte Areal ist also fast 24-mal so groß wie das "Velmore Grande".

"Ist das dekadent?", fragt man sich schon schuldbewusst. Ist es nicht, erfahren wird, denn der Großteil des Geländes ist wild bewachsen und belebt.

"Natürlich können sie hier drin joggen, sie kommen insgesamt sicher auf eine Strecke von fünf Kilometern", sagt uns der Hotelmanager.

"Sie sollten allerdings immer damit rechnen, dass ihnen ein Zebra über den Weg läuft und ihnen Beine macht."

Aha. Ja nun. Noch was? "Ja, die Zebras bevorzugen Gelb und Orange."

Derartige Klamotten werde ich also nicht tragen, wenn ich demnächst das Gelände erkunden sollte.

Auch wenn der erste Eindruck, den ich bei den Zebras hinterlasse, dann eher nicht der allerbeste ist. Ich habe ja noch ein paar Wochen, um ihn zu korrigieren.

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