In Südafrika lernt man schnell, einen gewissen Gleichmut zu entwickeln. Das hat besonders im Straßenverkehr große Vorteile.

Ich muss mich korrigieren.

Der Sohn unseres Fahrers Henry, der einen Tross von 14 Journalisten täglich durch das Umland von Pretoria kutschiert, heißt nicht Dean, sondern De.

Kann man ja mal verwechseln, hört sich ja auch ziemlich gleich an. Eigentlich heißt er korrekt und mit ganzem Vornamen Desei, erklärt er uns, als wir vom Trainingsgelände der deutschen Nationalmannschaft in unser Hotel zurückfahren.

Zumindest offiziell, denn Henry hat ihm den Namen Disei gegeben. Als der junge Mann jedoch nach langer Wartezeit endlich den Führerschein in die Hand gedrückt bekam, stand dort Desei statt Disei.

Und die südafrikanischen Behörden haben sich seither trotz mehrfacher nachdrücklicher Korrekturanfrage strikt geweigert, ihn in offiziellen Dokumenten anders zu nennen.

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De hat sich inzwischen damit abgefunden. Ein Missverständnis, kommt eben vor.

In dem Moment empfange ich eine SMS auf meinem frisch mit südafrikanischer SIM-Karte ausgestatteten Handy: "Mr Makhonjwa, please pay R 4762,90 owing on your TV license 168838712 asap. Penalties are levied on arrears."

Da ich nun offenbar Mr Makhonjwas Handynummer besitze, scheint der gute Mann nicht nur die knapp 700 Euro hohe Fernsehrechnung nicht gezahlt zu haben.

Wüsste ich, wie er jetzt zu erreichen ist, könnte ich ihm zumindest ausrichten, dass weiterer Verzug ihn noch teurer zu stehen kommt. Doch ich weiß es nicht und fühle mich daher nicht zuständig.

Dass man in Südafrika einen gewissen Gleichmut entwickeln muss, lernt man spätestens, wenn man auf den schmalen und gerne mit Schlaglöchern übersäten Landstraßen gefühlte Stunden hinter einem wackeligen Wagen mit Anhänger hinterher schleicht, der die Cannabis-Jahresernte von A nach B transportiert.

Überholen kommt hier nicht so gut, gerade nach Einbruch der Dunkelheit. Denn die Straßen sind so gut ausgeleuchtet wie der vielzitierte Bärenallerwerteste.

Immerhin erfasst der Scheinwerfer unseres Kleinbusses die Straßenschilder.

Zunächst eine springende Antilope als Zeichen für den hiesigen Wildwechsel, dann eine großes gelbes Rechteck mit einem dicken schwarzen Ausrufezeichen: "Hijacking Hotspot!", und zwar auf einer Strecke von den nächsten vier Kilometern.

Die Frage, wie konkret wir diese Warnung auf dem direkten Weg zwischen Trainingsgelände und Hotel ? den wir in den nächsten Tagen fast täglich zurücklegen werden ? nehmen müssen, beantwortet Henry mit der ihm eigenen Gelassenheit.

Natürlich komme es hier öfters vor, dass Menschen auf der Straße lägen und eine schwere Verletzung oder bereits Leichenstatus simulierten, um Autofahrer zum Anhalten zu bewegen und sie dann auszurauben.

Aber bei dieser Dunkelheit sei das Risiko gleich null. Schließlich könne man als Fahrer ja kaum die Straße erkennen.

Um die Gefahr, dass daher im südafrikanischen Winter aus ihrem simulierten schnell ein wahrhaftiger Leichenstatus werden könne, wüssten die potenziellen Hijacker ganz genau.

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