Deutschland ist im Fußball-Fieber.SPORT1-Redakteur Wolfgang Kleine erinnert sich an ein denkwürdiges Duell aus dem WM-Jahr 1974.

Bundesrepublik gegen die DDR. Der 22. Juni 1974 ist noch vielen Fußball-Fans in Erinnerung. Schon Tage zuvor waren die Medien voll von diesem einzigen Pflichtspiel der beiden deutschen Staaten.

Und während der WM im eigenen Land trafen Franz Beckenbauer und Co. auf die "Brüder von drüben". Nach zwei mageren Vorrunden-Siegen über Australien und Chile stieg das Highlight.

Aus der DDR durften 1100 der 110-prozentigen Staatsbürger als "Fans" in den Westen nach Hamburg reisen. Die Stasi war fast genauso stark vertreten. Überall schaltte es "7, 8, 9, 10 - klasse!"

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TV-Reporter aus Ost und West bemühten sich noch vor Beginn der Live-Übertragung, das Geschehnis auf dem Rasen des Volksparkstadions runterzuspielen. Heribert Faßbender tat das für die "ARD", für das DDR-Fernsehen mahnte sich Star-Reporter Heinz-Florian Oertel zur Sachlichkeit.

Oertel heute: "Ich wollte damals jegliche überschäumende Emotion vermeiden. Und daran habe ich mich auch gehalten."

Auch als Jürgen Sparwasser um 21.03 Uhr vor dem Tor von Sepp Maier auftauchte, aus sechs, sieben Metern abzog und den Ball im Netz des Favoriten versenkte.

Sparwasser: "Ich hätte mir gewünscht, dass der TV-Kommentator da etwas mehr Emotionen gezeigt hätte."

Während die 1100 DDR-Fans jubelten und außer sich vor Freude auf der Tribüne herumtanzten, war bei den bundesdeutschen Anhängern Katzenjammer angesagt.

Doch letztlich wurde der Triumph für die DDR zwar der "Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus", aber auch zum Selbsttor.

Denn Sparwasser und Co. mussten als Tabellenführer in die wesentlich stärkere Zwischenrunden-Gruppe mit Brasilien und den favorisierten Niederländern.

Die Folge: Das Halbfinale wurde verpasst, während sich zum Ärger der DDR-Funktionäre das "BRD-Kapitalistenteam" qualifizierte und später Weltmeister wurde.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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