In Südafrika besteht immer die Chance, auf mehr oder weniger "wilde" Tiere zu treffen. Ein Handy kann da von großem Nutzen sein.

Als ich die Geschichte höre, muss ich grinsen.

Vor vier Tagen hatte ich mit einem Kollegen einen kurzen Gang über das Gelände unserer Lodge mitten im Nirgendwo der Hochebene von Gauteng gemacht.

In der Hoffnung, endlich die drei Zebras zu sehen, die sich laut Hannes, dem General Manager unserer Unterkunft, in den Hügeln rund um unsere Hütten herumtreiben.

Doch das einzige Tier, das wir erblickten, war ein stämmiger schwarzer Stier. Den hatte ein Mitarbeiter der Lodge zuletzt in einen abgezäunten Bereich getrieben.

"Sicher ist sicher", hatte er gesagt. "Der Junge wird manchmal aggressiv."

Nun stand dieser Bulle also ein paar hundert Meter von uns entfernt, ohne jede Absicherung. Als er uns anschaute und schnaubte, wurde mir, das gebe ich gerne zu, ganz anders zumute.

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Also überredete ich den Kollegen, doch bitte einen Schritt zuzulegen, damit der Stier nicht auf die Idee kommt, uns anzugreifen.

Ich erntete ein spöttisches Grinsen und ein "meine Güte, du bist aber ein ganz schöner Schisser".

Als wir hinter dem nächsten Hügel an mannshohem Gras vorbeigingen, drehte er sich plötzlich mit angsterfülltem Blick um und flüsterte hektisch:

"Verdammt, da ist er!", täuschte eine Flucht an und amüsierte sich anschließend königlich über mein panisches Gesicht. Danke dafür!

Heute nun erzählt mir der Kollege, dass er die Zebras endlich gesehen hat. Und zwar unter bemerkenswerten Begleitumständen.

Er war die gleiche Strecke wie vor vier Tagen entlanggegangen, nur diesmal allein. Statt des Stiers standen nun die Zebras in Sichtweite herum. Doch die Freude des Kollegen war von eher kurzer Dauer.

Denn eines der Zebras sah ihn und kam sofort im Galopp auf ihn zugelaufen. "Ich gebe ja zu, dass ich letztens eine große Klappe hatte", räumt der Kollege nun ein.

"Denn ich habe mir sofort den nächsten Baum gesucht und bin hochgeklettert. Irgendjemand hatte mir erzählt, dass die Viecher einem auch übel mitspielen können."

Ich bekenne mich dahingehend schuldig, habe aber auch nur die Informationen des Lodge-Mitarbeiters weitergeleitet, der schon den Stier so genau zu kennen schien.

Ein Handy dabei zu haben, ist in Südafrika zwar immer eine nützliche Sache. Besonders dann aber, wenn man auf einem Ast sitzt und auf ein grasendes Zebra herabblickt.

Denn so hat der Kollege zum einen ein tolles Foto von dem Tier gemacht, das von seiner Familie zu Hause schon seit Tagen angefordert wurde.

Zum anderen informierte er sich via Telefon bei Hannes, was er denn jetzt tun sollte. "Ach, die Zebras sind wie Dodge", war die Antwort.

Damit war alles geklärt. Denn Dodge ist Hannes' verspielter Schäferhund, der zwar hinter alles und jedem hinterher jagt, aber niemandem etwas zuleide tun kann.

Der Kollege kletterte also vom Baum hinunter, wurde von dem Zebra neugierig beäugt und auf dem Weg zu seiner Hütte in drei Meter Abstand eskortiert.

Der Stier, behaupte ich jetzt mal, hätte sich wohl kaum so friedlich verhalten.

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