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Ernst Middendorp wurde im Dezember 2007 bei Bielefeld entlassen © imago

Seit über 20 Jahren arbeitet Ernst Middendorp im Fußballgeschäft. Der streitbare Charakter feiert am Dienstag seinen 50. Geburtstag.

München/Changchun - Wenn der "Jahrhundert-Trainer" am Dienstag das halbe Jahrhundert voll macht, steigt eine 31-Stunden-Fete.

"Wir sind sieben Stunden voraus", erzählt Weltenbummler Ernst Middendorp aus seinem neuen Domizil in Changchun:

"Ich wusste nicht genau, ob ich ab deutscher oder ab chinesicher Zeit 0 Uhr feiern darf. Also habe ich mich einfach dafür entschieden, es zweimal zu machen und durchzufeiern."

Das Training bei Changchun Yatai, dem Tabellensiebten der chinesischen Liga, werden am Dienstag Middendorps Assistenten übernehmen.

Denn der Fußball-Lehrer, der in Deutschland alleine dreimal Arminia Bielefeld trainierte und dort zum "Jahrhundert-Trainer" gewählt wurde, nimmt seine runden Ehrentage "sehr ernst".

Malaria am 40.

Besonders den 50.: "Am Tag mache ich das nicht so fest. Aber ich muss schon zugeben, es ist ein Jahr des Überlegens, des Revue-passieren-Lassens und des perspektivischen Vorausschauens."

An den 40. denkt er allerdings nur ungern zurück, denn danach wurde er aus anderem Grund zum Nachdenken über das Leben und die Zukunft animiert.

Damals arbeitete "Power-Ernst" in Ghana, reiste rechtzeitig zum Geburtstag zurück nach Deutschland, schaffte die Feier aber nur mit letzter Kraft.

"Ich habe die Malaria mitgebracht, und bin von der Feier direkt ins Krankenhaus", berichtet Middendorp: "Da ging es mir verdammt elend. Und die Ärzte sagten anschließend, wenn ich einen halben Tag später gekommen wäre, wäre es verdammt eng geworden."

"Viel Kuchen, tolles Steak"

Am Dienstag verlebt der in Freren im Emsland geborene Coach nicht seinen ersten Geburtstag im Ausland.

"In Ghana habe ich schon dreimal gefeiert", erzählt er: "Sehr gut kann ich mich an den Tag im Iran erinnern. Da gab es eine ganze Rutsche Tee und sehr viel Kuchen. In Südafrika dagegen ein tolles Steak."

Den 50. verbringt er mit Klaus Arens. Der Geschäftspartner, mit dem er Internationale Fußball-Schulen (MEEB) betreibt, ist derzeit auf Besuch.

Tätigkeit in "eigenartiger" Liga

Seit drei Monaten ist Middendorp in Asien tätig. Ob er dort über das Jahresende hinaus bleibt, gehört auch zu den grundsätzlichen Gedanken, die er sich in der jetzigen Lebensphase macht.

Schließlich habe die "Liga ihre Eigenarten". Das Wort "Korruption" will er nicht den Mund nehmen. "Ich will mich nicht irgendwo ins Nest setzen", sagt er: "Aber wenn man sich die Ergebnisse hier manchmal anschaut, fragt man sich schon, ob man allein über Training und die Qualität der Spieler beeinflussen kann, wie es ausgeht."

Rückkehr in die Bundesliga angestrebt

Im Falle einer Neu-Orientierung wäre der einstige Berufsschul-Lehrer für Ökonomie, Politik und Informatik, für den Changchun schon die fünfte Auslandsstation ist, natürlich "weltweit offen".

Am liebsten würde er aber in die Bundesliga zurückkehren. "Die ist mein Ziel, ohne Frage". Schließlich habe er bei der Rettung der Arminia im Vorjahr "Krisenmanagement auf oberstem Level im Soccer-Business" betrieben, "da wird sich der ein oder andere Verein dran erinnern".

Querelen mit Saftig

Der dritte Abschied in Bielefeld verlief aber nicht reibungslos. "Power-Ernst" hatte teilweise überpowert, den Machtkampf mit der Führungsspitze ("Ich kann mich nur selbst entlassen") gesucht und wurde schließlich entlassen.

Probleme habe er nur mit "einer Person gehabt, die damals als Manager unterwegs war, und deren Namen ich verdrängt habe". Er meint den inzwischen ebenfalls entlassenen Reinhard Saftig.

Zurück zur Arminia?

Ansonsten habe er auch bei der Arminia "keinerlei Berührungsängste". Schon bei der Trennung sei er dem Verein sehr entgegengekommen, "ich habe gesagt, tragt einfach irgendeinen Betrag ein".

So sei eine Rückkehr jederzeit möglich. Doch bei Middendorp ist man nie vor Überraschungen sicher. Man darf gespannt sein, wo er seinen 60. Geburtstag verbringt.

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