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Marco Villa (r., mit Witwe Teresa) war ein langjähriger Freund von Robert Enke © imago

Kurz vor dem ersten Todestag von Robert Enke spricht Ex-Profi und Freund Marco Villa über seine Trauer und Machtlosigkeit.

Hamburg/Roseto - Manchmal wird die Trauer von einem Lächeln überlagert.

Wenn Marco Villa an die gemeinsame Zeit mit Robert Enke bei der Bundeswehr denkt, muss er schmunzeln.

"Da gibt es einige Anekdoten. Ich war drei Tage mit Robert im Biwak. Das Zelt war klein, sein Kreuz war breit. Dazu kam noch die Ausrüstung. Schön war das nicht", erzählt der 32-Jährige.

"Aber es waren ganz besondere Momente. Da waren wir nicht die Fußball-Profis. Wir waren wir, einfach Robert und Marco."

Gemeinsame Anfänge beim DFB

Bei den Jugendnationalmannschaften des DFB hatten sich Villa, der talentierte Torjäger aus dem Rheinland, und Enke, der hochveranlagte Keeper aus Thüringen, kennengelernt.

Es war kurz nach der Wiedervereinigung. Zunächst beäugte man sich noch vorsichtig. Seit 1996 spielte man dann gemeinsam für Borussia Mönchengladbach.

"Da ist eine tiefe Freundschaft zwischen uns gewachsen", sagt Villa:

"Robbie war immer da, wenn man ihn gebraucht hat und ein sehr guter Zuhörer. Man fühlte sich bei ihm einfach gut aufgehoben. Wir haben immer Kontakt gehalten."

Bis zum 10. November 2009. Depressionen hatten Enke das Leben nicht mehr lebenswert erscheinen lassen. Der äußerlich so robust wirkende Nationaltorhüter war innerlich zerrissen.

Erst Machtlosigkeit, dann Trauer

Es gab für ihn offenbar keinen Ausweg mehr. "Es ist sehr schwierig, so etwas zu begreifen. Inzwischen habe ich es akzeptiert, weil es Roberts Entscheidung war", sagt Villa.

Er wusste von der Erkrankung seines Freundes, hat mit Enke geredet, ihm zugehört.

Am Ende war aber auch Villa machtlos. "Erst wenn der erste Schockzustand vorbei ist, wird einem klar, dass es endgültig ist", sagt der gebürtige Düsseldorfer:

"Robert fehlt"

"Wir werden nie wieder Gespräche führen, nicht mehr zusammen in den Urlaub fahren. Robert fehlt."

Die Leere bleibt. Zuweilen ist Stille lauter als ein Schrei, betäubender als ein Schlag.

"Robert war ein sehr wichtiger Mensch für mich. Auch jetzt kommen die Gedanken an ihn immer wieder hoch", sagt Villa, der seit sieben Jahren in Italien lebt:

"Die räumliche Distanz macht es mir vielleicht ein wenig einfacher, das Ganze zu ertragen."

Sein Leben geht weiter.

Blick geht nach vorne

Villa spielt für den fünftklassigen Klub San Nicolo. Gerade hat er sein Betriebswirtschaftsstudium abgeschlossen, nun macht der Familienvater eine Ausbildung zum Heilpraktiker:

"Ich habe mir zur Aufgabe gesetzt, nach vorn zu schauen."

Die Erinnerungen an Enke bleiben dennoch. Manchen ist er als glänzender Torhüter, klarer Analytiker und ehrgeiziger Vollprofi im Gedächtnis.

Andere verbinden mit seinem Namen zudem eine Kaserne in Köln-Longerich, ein viel zu kleines Zelt - und vor allem eine tiefe Freundschaft.

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