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Teresa Enke ist seit Januar Vorsitzende der Robert-Enke-Stiftung © getty

Mit der Robert-Enke-Stiftung will seine Witwe Teresa Menschen mit ähnlichen Schicksalen helfen. In der Arbeit findet sie Trost.

Hannover - Der Waldfriedhof in Empede wird abgesperrt sein, wenn sich am Mittwochmittag eine kleine Trauergemeinde am Grab von Robert Enke und seiner 2006 im Alter von zwei Jahren verstorbenen Tochter Lara trifft.

Es wird eine intime Runde von vielleicht zehn engsten Verwandten und Freunden sein, die des vor einem Jahr verstorbenen Nationaltorwartes gedenken wird.

Keine Öffentlichkeit, die Trauer soll nicht zum medialen Event werden. Stille ist angemessen und erwünscht.

Theo Zwanziger als Präsident und oberster Repräsentant des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird in Begleitung von Oliver Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw einen Kranz niederlegen.

Allein Klubchef Martin Kind wird Hannover 96 repräsentieren, Geschäftsführer Jan Baßler die Robert-Enke-Stiftung vertreten. Und Teresa Enke wird natürlich mit ihrer einjährigen Tochter Leila da sein.

Vor allem aus Rücksicht auf die Witwe ist der Kreis so klein.

Teresa Enke meidet die Öffentlichkeit

Teresa Enke hat sich rar gemacht. Sie lebt mit ihrer Tochter Leila weitgehend zurückgezogen in ihrem Bauernhaus im Dorf Empede vor den Toren von Hannover.

"Es geht ihr besser, wenn sie nicht in der Öffentlichkeit steht", sagt Enkes Freund und Berater Jörg Neblung fast genau ein Jahr nach dem Selbstmord des an Depressionen erkrankten Fußball-Profis.

Wenn es in ihrer persönlichen Situation im ersten Trauerjahr überhaupt so etwas wie Trost geben kann, dann gewinnt sie den offenbar aus ihrer Arbeit für die Robert-Enke-Stiftung, deren Vorstandsvorsitzende sie ist.

Erste Erfolge der Stiftung

"Es hat mich sehr gefreut, dass die Sinnlosigkeit von Roberts Tod jemand anderem geholfen hat", sagt Teresa Enke in einer "Sky"-Dokumentation über das Thema Depressionen in der Folge von Enkes Selbstmord.

Konkret meint Teresa Enke den Fußballer Andreas Biermann, der erst durch ihre Pressekonferenz nach dem Tod ihres Mannes erkannt hatte, dass er ebenfalls erkrankt ist, und umgehend Hilfe suchte.

"Andreas Biermanns Aussage, dass ihm meine Pressekonferenz praktisch das Leben gerettet hat, hat mich natürlich sehr gefreut", sagt Teresa Enke.

Auch dieses Erlebnis könnte zu dem Entschluss beigetragen haben, die Stiftung am 15. Januar 2010 gemeinsam mit dem DFB, dem Ligaverband und Hannover 96 zu gründen und den Vorsitz zu übernehmen.

Die Stiftung unterstützt Projekte, Maßnahmen und Einrichtungen, die über Herz- und Depressionskrankheiten aufklären und deren Erforschung und Behandlung dienen.

"Es gibt einige Personen, die aus der Klinik geschrieben haben, die mir nach Hause geschrieben haben und sagen, sie haben sich jetzt geöffnet, sie haben sich einweisen lassen", erzählt Frau Enke von ersten Erfolgen in ihrem Kampf gegen die tückische Krankheit Depression.

"Und das ist natürlich sehr schön, dass es manchen Leuten geholfen hat."

Aktiv gegen die Trauer

Vier- bis fünfmal im Monat sucht Teresa Enke das Büro der Stiftung auf und schaltet sich in die aktive Arbeit ein.

"Teresa macht die Arbeit in der Stiftung Spaß, sie ist sehr motiviert", berichtet Stiftungs-Geschäftsführer Baßler: "Sie möchte dem Tod ihres Mannes einen Sinn geben. Sie arbeitet mit vollem Engagement und fühlt sich dabei nicht schlecht."

Ein großes Ziel von Teresa Enke ist vor allem die Aufklärung über eine Krankheit, die immer noch oft verschwiegen und stigmatisiert wird.

"Es ist für die Menschen schwer nachzuvollziehen, was diese Krankheit ist, es gehen einem nicht die Haare aus, und man humpelt nicht", sagt die 34-Jährige.

"Es ist schwer zu erfassen, auch für mich, und es ist für andere Menschen, die nichts mit der Krankheit zu tun haben, noch viel, viel schwieriger."

Hilfe - auch über den Sport hinaus

Hilfsangebote schaffen, im Leistungssport, aber auch sonst in der Gesellschaft, für Aufklärung sorgen, damit ein Verschweigen der Probleme nicht tödlich endet wie bei ihrem Mann, das sind die großen Ziele.

"Für mich würde sich schon viel ändern, wenn es einfach nur Verständnis im Verein, beim Arbeitgeber gäbe. Verständnis im kleinen Bereich, das würde uns sehr, sehr erfreuen und den Betroffenen weiterhelfen", sagt Teresa Enke.

Enke-Biografie zeigt Wirkung

Kleine Erfolge gibt es dabei offenbar bereits. So berichtete Ronald Reng, der Autor der Enke-Biografie, von Anrufen aus der Bundesliga, in denen ihm berichtet wurde, dass Spieler schneller bereit sind, sich bei Problemen zu offenbaren.

"Deshalb gibt es ja die Stiftung, um einfach darauf hinarbeiten, dass sich im großen Rahmen etwas ändert, dass es überhaupt kein Tabuthema mehr sein wird", sagt Teresa Enke.

"Das ist schwer zu realisieren, aber deshalb sitzen wir hier auch, um das zu realisieren."

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